Tantris-Gründer Fritz Eichbauer gestorben

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Im Alter von 97 Jahren ist Fritz Eichbauer gestorben. Der Bauunternehmer und Gastronomie-Pionier hinterließ mit dem Tantris nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern begründete auch die moderne deutsche Spitzenküche.

Ein Traum in Beton und Farbe

Geboren am 24. Januar 1928 in München, absolvierte Eichbauer eine Maurerlehre, studierte Bauingenieurwesen und übernahm 1954 die väterliche Firma – die er zu einem festen Teil des Münchner Stadtbilds ausbaute. Doch sein ehrgeizigstes Projekt lag jenseits des Hochbaus. Inspiriert von seinen Reisen nach Frankreich, wo er Top-Gastronomie erlebte, beschloss er 1971, ein Gourmetrestaurant in München zu gründen – weil er „… zuhause in München gut essen wollte“

Mit dem Schweizer Architekten Justus Dahinden schuf er in Schwabing ein futuristisches Bauwerk – eine markante Beton-Skulptur in kräftigem Hummerrot, Trüffelschwarz und Orange, deren Avantgarde-Stil zunächst Hohn und Skepsis hervorrief. Doch aus der vermeintlichen „Feuerwache“ wurde ein Denkmal, unter Denkmalschutz gestellt – ein architektonisches Symbol der 1970er Jahre.

Nouvelle Cuisine erobert Deutschland

Der Erfolg blieb nicht aus – im Dezember 1971 verpflichtete Eichbauer den damals unbekannten Österreicher Eckart Witzigmann als Chefkoch. Innerhalb weniger Jahre erkochte sich das Tantris den ersten Michelin-Stern (1973) und kurz darauf den zweiten (1974). Später folgte Heinz Winkler, der dem Haus 1981 drei Sterne einbrachte – ein Meilenstein für die deutsche Gourmetszene.

Eichbauer, der sowohl als Mäzen wie auch als kreativer Kopf fungierte, trug nicht nur das finanzielle Risiko – in den Anfangsjahren subventionierte er das Projekt mit mehreren Hunderttausend Euro jährlich – sondern prägte die Ausrichtung von Architektur, Küche und Service.

Architektur als Ausdruck von Genusskultur

Tantris war mehr als ein Restaurant – es sollte eine Bühne sein: offen, lichtdurchflutet, zweistöckig. Die skulpturale Bauweise, unterstützt durch Elemente des Schweizer Künstlers Bruno Weber, verlieh jeder Mahlzeit bewusst eine feierliche Aura. Eichbauer kommentierte: „Ich hätte der Familie ein Schloss kaufen können, habe aber ein Restaurant gebaut“.

Das Erbe lebt weiter

Nach Witzigmann und Winkler führte Hans Haas das Haus ab 1991 erneut auf zwei Sterne. 2006 übergab Fritz Eichbauer die Leitung an seinen Sohn Felix; 2021 wurde das Tantris umfassend restauriert, ohne seine ikonische Erscheinung zu verändern Heute steht das Haus unter der Leitung von Küchenchef Benjamin Chmura – international, frisch und präzise – und bleibt seinem stilistischen Erbe treu.

Ein Leben für Baukultur und Genuss

Eichbauers Wirkung reichte weit über das Tantris hinaus: Als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes prägte er 22 Jahre lang deutsche Baupolitik. Ausgezeichnet erhielt er über die Jahre zahlreiche Ehrungen, darunter das Große Verdienstkreuz und die Bayerische Denkmalschutzmedaille (2017).

Er selbst hatte gesagt, dass er mit jedem Stein und jedem Teller eine Geschichte erzählen wollte. Diese Geschichte reicht von Betonbau und Küchenreform bis hin zur Etablierung einer neuen Genusskultur.

Als Nachruf auf Fritz Eichbauer schreibt das Tantris in Social Media:

„In tiefer Trauer sprechen wir als Team des Tantris Maison Culinaire der Familie Eichbauer unser Beileid aus. Gestern ist nicht nur ein Ehemann, Vater und Großvater von dieser Welt gegangenen, sondern auch ein großer Visionär.

Ohne ihn wäre die Deutsche Kulinarik nicht da, wo sie heute ist. Der Ort, den Fritz Eichbauer mit seiner Frau Sigrid-Ursula erdacht, gebaut und mit großem Pioniergeist Anfang der 70er Jahre als Meilenstein der kulinarischen Geschichte in Deutschland erschaffen hat, ist einzigartig. Ein Ort, der Erinnerungen trägt, der unvergessliche Momente möglich macht, der unzählige Menschen auf ihrem Weg in der Gastronomie geprägt hat.

Fritz Eichbauers Maß an Weitsicht Anfang der 70er Jahre, als "Fine Dining" in Deutschland noch kein Thema war, sein Idealismus und Einsatz für die gastronomische Entwicklung erfüllt uns alle mit Demut. Ohne ihn und das Tantris wäre das deutsche Küchenwunder keine Geschichte. Wir arbeiten auch heute und für die Zukunft im Tantris Maison Culinaire in seinem Sinne weiter, um dieses Erbe fortzuführen - es ist uns eine Ehre.“ 


 

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