Wein aus dem Schließfach: Winebank expandiert

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Hinter den Gittern in einem historischen Kellergewölbe im Rheingau-Weinort Eltville-Hattenheim lagern edle Tropfen, manche schon seit Jahren. Viele deponierten in den Schließfächern der Winebank aber nicht nur Schätze, sondern einfach auch ein paar Flaschen «guten Weins», um diesen in dem repräsentativen Ambiente bei ganzjährig 16 Grad mit ihren Gästen zu trinken, sagt der Gründer des Franchise-Unternehmens, Christian Ress. 

«Die Leute legen da rein, was sie wollen», sagt er über die einsehbaren Schließfächer. Der Unternehmer und Winzer führt in fünfter Generation das Weingut Balthasar Ress und hatte die Idee zur Winebank - eine Art Social Club für Weinenthusiasten.

Weininstitut lobt Modernität und historischen Bezug der Marke 

«Das Winebank-Konzept ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man Wein auf moderne Art inszenieren kann», sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher. «Gleichzeitig greift die notwendige Clubmitgliedschaft die Tradition von Weinclubs auf, die es seit dem 19. Jahrhundert in Europa gibt.» 

Die Mitglieder - die rund um die Uhr Zugang zur Winebank haben - seien das Who's who der regionalen Wirtschaft, sagt Ress. «Wir haben keinen Abend mehr ohne Gäste. Die Chance, dass man dabei auf interessante Leute trifft, ist hoch.» Manche Mitglieder kämen einmal im Jahr, andere alle zwei Tage.

Ende 2009 ging Ress im Rheingau an den Start. Inzwischen gibt es noch 16 andere Standorte, darunter bald vier im Ausland: Bern, Wien, Washington «und sehr bald Zürich». Vier weitere sind in der «Bau- und Planungsphase»: in Graz und Genf, an der Ahr und an der Nahe. Die Winebanks seien zwischen 120 Quadratmeter (Baden) und 2.000 Quadratmeter (Köln) groß; in Großstädten hätten einige auch mehrere Räume. Die Kapazität für die Flaschen reiche von etwa 20.000 bis 150.000.

Zwei Standorte seien im Laufe der Jahre verloren gegangen: Mainz und Palma de Mallorca. Dem Franchisenehmer hätten an beiden Orten die Kontakte gefehlt. «Man braucht ein lokales Netzwerk, um den Club zum Erfolg zu führen.» 

Voraussetzung ist ein Netzwerk und ein repräsentativer Bau 

Eine weitere wichtige Voraussetzung seien eindrucksvolle, repräsentative Gebäude. Seine Marke funktioniere besonders gut in Weinbauregionen und in Großstädten, sagt Ress. In München und Berlin sei die Winebank bisher noch nicht vertreten, und eben auch noch nicht im größten deutschen Anbaugebiet, Rheinhessen, bedauert der Wein-Unternehmer. Konkurrenz in dieser Breite gebe es nicht, wohl aber «Insellösungen» in einigen Städten.

«Die Winebanks sind zum Trinken da» - es gibt auch Automaten

Der Vorteil für die Mitglieder der Winebank: Sie können mit ihrer Karte an allen Standorten vorbeischauen, mit anderen Gästen ins Gespräch kommen - und sich an den Automaten bedienen. «Die Winebanks sind zum Wein trinken da und nicht zum Weinflaschen angucken», sagt Ress. Drei Glasgrößen lassen sich an den Automaten füllen, die die Betreiber bestücken. Vom Probierschluck für 1,10 Euro bis zum 0,1-Liter-Glas für 65 Euro reicht die aktuelle Bandbreite bei Ress. Wasser gibt es auch, Essen darf aber nicht mitgebracht werden. Dafür gibt es einen Caterer.

Die Mitgliedschaft koste im Durchschnitt 170 Euro im Monat - «mit einer großen Spreizung». Damit die Qualität an allen Standorten hoch gehalten wird, gebe es verdeckte Besuche von Prüfern. Einmal im Jahr wird ausgewertet - das gehöre genauso zum Franchisevertrag wie die Software. Mitglieder und Betreiber würden auch regelmäßig befragt - vom Franchiseverband. (dpa)


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