Wiesn 2026: Mehr Sicherheit, neue Vorgaben und Streit um Zeltvergabe

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Eine gefährlich überfüllte Wiesn 2025, Schampus auf dem Bierfest - und ein Streit um die Zelte mit bisher ungekannter Tragweite: Vier Monate vor dem Anstich am 19. September ist die Debatte um das größte Volksfest der Welt in seiner Heimatstadt München voll im Gange.

Die Stadt schärft bei den Sicherheitsmaßnahmen für das Oktoberfest nach – und stellt ein paar weitere Regeln auf. Nachdem die Entscheidungen zuletzt vertagt worden waren, brachte der Stadtrat nun mehrere Neuerungen auf den Weg - obwohl im Plenum eigentlich die Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters Dominik Krause (Grüne) im Mittelpunkt stehen sollte. 

Der sagte davor mit Blick auf seinen ersten Anstich: «Ich freu mich sehr darauf und es ist mir eine gigantische Ehre.» Er sei immer gern auf die Wiesn gegangen - «früher mehr Fahrgeschäfte, heute mehr Zelte». Er hoffe, beim Anzapfen des ersten Fasses Bier mit zwei bis drei Schlägen auszukommen. 

Champagner auf dem Bierfest

Die Wiesn, so sagt auch Krause, ist ein Fest des Münchner Bieres. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dort keinen Champagner zu trinken, sondern den Korken knallen zu lassen und den Schampus in einer Fontäne über andere Gäste zu gießen - wie immer wieder in sozialen Medien zu sehen war. Schluss mit lustig heißt es nun für diejenigen, die auf diese Weise gern derart feuchtfröhlich feierten. Künftig sollen diese sogenannten Champagner-Duschen in den Zelten verboten sein, wie eine Sprecherin des Wirtschaftsreferates bestätigte.

Man wolle nicht, dass die Wiesn «zum Ballermann» verkomme, hatte die «Süddeutsche Zeitung» aus Rathauskreisen zitiert. Die Champagner-Duschen waren den Stadträten schon länger ein Dorn im Auge. Diese Praxis sei nicht nur Lebensmittelverschwendung, sondern passe auch nicht zum Charakter des Volksfestes.

Blasmusik für Sicherheit

Bei dem Ziel, das Münchner Oktoberfest sicherer zu machen, soll in diesem Jahr auch Blasmusik eine Rolle spielen. Um den Besuch der Wiesn auch unter der Woche für internationale Gäste attraktiver zu machen, soll die Musik in den Zelten eine Stunde früher beginnen dürfen. Ziel ist «die Verlagerung der Besuchszeiten der internationalen Gäste auf die Wochentage», wie es in einer Änderung der Betriebsvorschriften für die Wiesn 2026 heißt. Damit soll verhindert werden, dass es vor allem an Wochenenden wieder zu Überfüllungen kommt.

Im vergangenen Jahr war das Fest womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Am zweiten Wiesn-Samstag, dem sogenannten Italiener-Samstag mit vielen Gästen aus dem Ausland, wurde es vor den Festzelten so voll, dass es für Tausende Besucher weder vor- noch zurückging. Durchsagen, das Festgelände werde aus Sicherheitsgründen geschlossen, nannten zunächst keinen Grund - was zusätzlich Angst unter den Festgästen schürte.

Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) räumte Nachbesserungsbedarf ein. Schon während der Wiesn 2025 wurden Sofortmaßnahmen getroffen wie gezieltes Crowd Spotting, mehrsprachige Lautsprecherdurchsagen und ein optimiertes Beobachtungsmanagement im Servicezentrum.

Dieses Jahr soll es weitere Änderungen geben, darunter ein neues Koordinierungs- und Beobachtungszentrum in den Räumen des bisherigen Fundbüros sowie Videoüberwachung zur «Früherkennung von neuralgischen Punkten innerhalb von Teilbereichen auf dem Festgelände».

OB Krause hat klargestellt, dass eine solche Situation vermieden werden muss. «Wir können alle froh sein, dass da nichts Schlimmeres passiert ist», sagte Krause kürzlich. «Ich nehme das sehr ernst, so eine Überfüllungssituation darf sich nicht wiederholen.» Und: «Wir werden uns das in der Vorbereitung für dieses Jahr noch mal anschauen.» 

EU-Ausschreibung für die Wiesn-Zelte? 

Ärger gibt es einmal mehr um die Vergabe der Festzelte - doch die Dimension ist neu. Der Wirt Alexander Egger, der bisher ein kleines Wiesn-Zelt betrieb, geht Medien zufolge bei der Bewerbung um ein großes Zelt leer aus. Nun will er das gesamte Vergabesystem auf den Prüfstand bringen. Er will erreichen, dass sich die Stadt bei der Zuteilung von vorerst zwei von ihm benannten Festzelten - das Anzapfzelt Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt - nach europäischem Vergaberecht richten muss. Das würde eine EU-weite Ausschreibung der Plätze bedeuten. Die Vergabekammer Südbayern der Regierung von Oberbayern prüft den Antrag.

Bei den Wirte-Kollegen kommt das nicht gut an. «Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten werden», sagte der zweite Wirtesprecher und direkt betroffene Wirt Christian Schottenhamel. In dessen Zelt, seit 1867 in Familienhand, wird das Volksfest traditionell vom Oberbürgermeister eröffnet.

Egger hatte sich für die ebenfalls traditionsreiche Bräurosl und das Paulaner-Zelt beworben, bekommt aber den Medien zufolge nur wieder seine angestammte Münchner Stubn. Beide Zelte sind Brauerei-Zelte, hier haben die Brauereien das Vorschlagsrecht für den Wirt. 

Wunderkerzen zum Kehraus

Erlaubt bleiben soll trotz Sorgen nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana das Abbrennen von Wunderkerzen am letzten Wiesnabend. Vor dem Hintergrund von Crans-Montana habe sich der Interfraktionelle Arbeitskreis mit dem Thema befasst und auf die zusätzlichen Gefahren auch beim Oktoberfest hingewiesen – sei dann aber zu dem Ergebnis gekommen, dass eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für den letzten Abend auch dieses Jahr beim Kreisverwaltungsreferat beantragt werden soll.

Heizstrahler im Biergarten

Das Verbot von Heizstrahlern, das die München-Liste mit Blick auf den Klimawandel, aber auch angesichts der Energiekrise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg beantragt hatte, fiel im Stadtrat durch. Sie bleiben nach Angaben des Wirtschaftsreferates erlaubt. (dpa)



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