Wiesnbier ohne Wiesn: Vorbereitung auf Oktoberfest «dahoam»

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Wieder ist das Oktoberfest abgesagt. Aber es gibt Trost. Schon wird an Alternativprogrammen getüftelt, und sicher ist: Auch ohne Wiesn bleiben die Fans nicht auf dem Trockenen.

Wie im Vorjahr wird es trotz der Absage das Wiesnbier geben. «Das wird auf jeden Fall gebraut», sagte Manfred Newrzella, Geschäftsführer des Vereins Münchener Brauereien, der Deutschen Presse-Agentur. «Es hat bisher jedes Jahr Oktoberfestbier gegeben.» Das eigens gebraute Bier wird auch in der Gastronomie ausgeschenkt, es ist im Handel zu haben und wird in alle Welt verkauft. «Das Original wird weltweit geschätzt», sagte Newrzella.

Wiesn-Fans können den Gerstensaft auch aus dem originalen Wiesn-Maßkrug zu sich nehmen - auch der ist wieder zu haben. Er trägt das diesjährige Plakat-Motiv: Lebkuchen-Herz, Maßkrug, Brezn, Hopfen und zartblaue Olympia-Ringe für die Olympia-Looping-Achterbahn, die ihre Weltpremiere 1989 auf der Wiesn hatte und wie viele Fahrgeschäfte seit über einem Jahr im Lager bleibt.

Unter dem sinnreichen Label «Koa Wiesnkrug» gibt es zudem einen Maßkrug mit einem zu Hause feiernden Wiesngast des Zeichners Dieter Hanitzsch. Ein Teil der Verkaufserlöse soll an Musiker und Kapellen gehen, die für das diesjährige Oktoberfest gebucht worden wären.

Unter shop.oktoberfest.de/oktoberfest-fuer-zuhause ist neben den Krügen auch ein «Wiesn-Weißwurschtfrühstück» mit haltbaren Würsten und Zuckerwatte in der Plastikbox zu bekommen - für alle, die gemütlich zu Hause feiern wollen.

Bierzeltgefühl online? Schon gibt es Angebote zum digitalen Wiesn-Ersatz. Zu einem «Online-Oktoberfest» sollen Fans sich digital zusammenfinden und die Zutaten per Post schicken lassen: Oktoberfestbier, gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen und Servietten in den bayerischen Landesfarben Weiß und Blau, vom Anbieter in verdrehter Reihenfolge als «blauweiß» bezeichnet.

Zu Plänen eines «Oktoberfests» in Dubai ist die Stadt München auf Distanz gegangen. «Es gibt nur ein echtes Oktoberfest, und das ist in München», sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) vergangene Woche. Rund um den Globus ist das Oktoberfest ein Schlager. Mehr als 2000 Kopien gab es nach Schätzungen vor der Pandemie.

So ist auch das Wiesn-Bier weltweit gefragt. Rund 7,3 Millionen Liter Bier rannen bei der bisher letzten Wiesn 2019 auf dem Volksfest durch durstige Kehlen - ein Bruchteil des tatsächlich gebrauten Bieres.

Beim Oktoberfestbier von Hofbräu München etwa geht auch in Jahren mit Oktoberfest der Hauptanteil in Handel, Export und Gastronomie - nur 15 Prozent des Hofbräu-Bieres werden auf der Wiesn getrunken, sagte Hofbräu-Sprecher Stefan Hempl. Schon jetzt seien 5000 Hektoliter Hofbräu-Oktoberfestbier auf dem Weg in die Welt, etwa in die USA. Das Einbrauen des Hofbräuhaus-Wiesnbiers soll in Kürze beginnen.

Jede Brauerei hat ihr eigenes streng gehütetes Rezept für das spezielle Aromaprofil ihres Wiesnbieres. Dieses hat mehr Stammwürze als normales Helles. Auch der Alkoholgehalt ist mit 5,9 bis 6,3 Prozent gut einen Prozentpunkt höher. Das bekommen Wiesn-Neulinge oft zu spüren. In der schwülen Wärme der Zelte trinkt es sich leicht, und weniger als eine Maß - ein Liter - ist auf der Wiesn nicht zu haben.

Wiesn-Flair auch ohne Volksfest soll eine erneute Wirtshaus-Wiesn bringen. Die Münchner Innenstadtwirte und die Wiesn-Wirte haben angekündigt, dass sie zur ursprünglich geplanten Wiesnzeit vom 18. September bis 3. Oktober in Gaststätten und Biergärten mit Wiesnbier, Schmankerl und Musik für Oktoberfeststimmung sorgen wollen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) betonte aber, ob es das Alternativprogramm geben könne, werde man sich anschauen müssen.

Erneut könnten Karussells und Buden dezentral aufgebaut werden - «Sommer in der Stadt» hieß die Aktion 2020. Ein 90 Meter hohes Kettenkarussell kreiste am Olympiagelände, es gab Schießbuden, Trachtenstände und Lebkuchenherzen. «Die Schausteller sind angewiesen auf Ausweichaktionen», sagt der Vorsitzende des Münchner Schaustellerverbandes, Peter Bausch.

Während in München nach Alternativlösungen gesucht wird, standen am Mittwoch auf einschlägigen Ticket-Portalen noch Plätze für die Wiesn 2021 zur Buchung - ein Zehnertisch etwa für mehr als 3000 Euro. (dpa)


 

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