Zum Schwarzwälder Hirsch: Tim Mälzer trifft auf besondere Küchencrew

| Gastronomie Gastronomie

Da hat sich Fernsehkoch Tim Mälzer diesmal aber eine besondere Aufgabe vorgenommen. Der Hamburger, der bei seinem Heimatsender Vox schon für viele außergewöhnliche kulinarische Formate zu haben war, mischt die Kochkunst diesmal mit einer ganz anderen Art der Herausforderung. Mälzer kocht für die Dokuserie «Zum Schwarzwälder Hirsch» mit Menschen, die das Down-Syndrom haben. Ziel des dreimonatigen Projektes ist dabei nicht etwa, dass das Team, dessen Mitglieder alle Trisomie 21 haben, den Restaurantbetrieb allein stemmen soll. Stattdessen sei - so platt es auch klinge - der Weg das Ziel gewesen, sagte Mälzer der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

«Wenn es nur darum gegangen wäre, ihnen einfach ein Konzept aufzudrücken, hätte ich nicht mitgemacht. Es sollte ehrliches Dokutainment werden.» Und so gibt es auch bei der dreiteiligen Sendung sowohl Mälzers typische Schnodderschnauze als auch seine Fehler und seine Emotionen. Der erste Teil der im Sommer in Süddeutschland gedrehten Dokuserie wird am Montag (20.15 Uhr) auf Vox ausgestrahlt. Drehort war das Hofgut Himmelreich im Breisgau, dessen oberstes Ziel inklusives Arbeiten ist.

13 Menschen mit der Genveränderung Trisomie 21, ein nie um einen flotten Spruch verlegener Fernsehkoch und ein Schauspieler mit einer Tochter mit Behinderung - das kann auch schief gehen, funktioniert aber dank der zugewandten Bildsprache der Sendung tatsächlich gut. Die Produktion nimmt sich sowohl Zeit für die persönlichen Geschichten und Herausforderungen der Behinderten und lässt zudem auch Platz für die anfänglichen Berührungsängste und Unsicherheiten Mälzers. Hier wird keiner vorgeführt, keine Geschichte künstlich aufgebauscht. Stattdessen gönnt sich die Produktion Zeit zum Beobachten.

So gibt es eine Szene, in der ein junger Mann fast daran verzweifelt, welche seiner vielen Schuhe die wirklich richtigen für den Tag sind. Die Kamera bleibt dabei ohne Schnitt bei ihm. Es wird nicht bewertet, die Lösung kommt nicht dominant von außen. Diese Szene ist auch eine von Mälzers Lieblingsmomenten des Projektes. «Er teilt seine Welt mit uns in diesem Moment auf eine so zauberhafte Weise. Das ist so großartig. Das ist für mich mit Abstand das Beste, was ich im deutschen Doku-Bereich bislang gesehen habe. Diese Ruhe, kein Schnitt, einfach Zuhören. Das ist wirklich wahnsinnig gut.»

Mit Kritik spart Mälzer indes nicht, wenn es um ihn selbst geht. So sei er durchaus mit einem hohen Anspruch an das Projekt herangegangen, gibt er zu. Er habe es als seine Aufgabe gesehen, ein Konzept zu entwickeln, das mit den Schwächen lebt, das aber beim Gast wie ein echtes Restaurant ankomme. «Und zwar ohne Wenn und Aber. Das war mein Ehrgeiz. ... Und dass wir damit den Mund ganz schön voll genommen haben - das kann ich schon sagen», sagt Mälzer und lacht.

Auch waren er und das Produktionsteam seiner Meinung nach zu lange zu vorsichtig und zu verhalten im Umgang mit den Menschen mit Down-Syndrom. Seine späte Erkenntnis: «Sie wollen nicht bemitleidet werden. Und sie brauchen durchaus auch mal Führung. Wir haben sie in ganz vielen Bereichen zunächst unterfordert. Das Team hat aber eine extreme Selbstständigkeit entwickelt als sie endlich gut geführt wurden.»

Gemeinsam gehen Mälzer und Schauspieler André Dietz («Gute Zeiten, schlechte Zeiten») den Weg mit ihren 13 besonderen Küchen- und Servicehelfern - und das alles mithilfe des «Himmelreich»-Küchenchefs, der diese anspruchsvolle Arbeit jeden Tag weitermacht, auch wenn keine Kameras mehr da sind, wie Mälzer betont. Der Dreh für die Doku «Zum Schwarzwälder Hirsch» sei für ihn auch augenöffnend gewesen. «Da sind Wahrheiten in den Geschichten der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer drin, die haben nachhaltig etwas in mir bewirkt, da sie einen zunächst ganz schön umhauen - vorausgesetzt, Du lässt das an dich ran.»

Ziel ist es, die Teilnehmer fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Mälzer ist davon überzeugt, dass das geht. «Jeder hat seine Stärken. Es ist ein unfassbar dummer Satz und eine ebenso dumme Denkweise, Menschen mit Down-Syndrom als nicht ausbildungsfähig zu bezeichnen.»

Ob die weitgehend selbstständige Arbeit des für die Doku zusammengewürfelten Teams in Restaurant und Küche am Ende der drei Monate tatsächlich gelingt, lässt Mälzer offen. «Wichtig ist, dass wir uns bereit erklären, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Dass wir sowohl an uns als auch an ihnen und eben mit Menschen mit Down-Syndrom arbeiten, um dann den maximalen Erfolg zu erzielen. Und wenn wir nicht dahin kommen mit dem Restaurant, ist es trotzdem ein Erfolg, weil wir uns bewegt haben.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Zwei Hotels am Schluchsee stellen die Kulinarik in den Mittelpunkt ihres Konzepts. Während die Mühle Schluchsee ihr Restaurant als eigenständiges Ziel positioniert, integriert der Auerhahn die Gastronomie in den gesamten Aufenthalt.

Die Zahl der Gastronomiebetriebe in Großbritannien sinkt kontinuierlich, wobei im ersten Quartal 2026 täglich mehr als drei Standorte aufgegeben wurden. Steigende Lohnkosten und steuerliche Belastungen setzen die Branche unter Druck.

Das Restaurant Heritage im Hamburger Hotel Le Méridien öffnet am 30. April nach einer technischen Modernisierung der Küchenbereiche wieder seine Türen. Neben einem aktualisierten Speisenangebot setzt der Betrieb künftig verstärkt auf neue Veranstaltungsformate.

In Hamburg ist der Genuss-Michel 2026 verliehen worden. Das Fischereihafen Restaurant wurde als Restaurant des Jahres ausgezeichnet, Herbert Seckler erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

McDonald's Deutschland nimmt Stellung zur angekündigten Klage der Deutschen Umwelthilfe bezüglich früherer Angaben zur Klimaneutralität. Das Unternehmen weist den Vorwurf der Verbrauchertäuschung zurück und verweist auf bereits erfolgte Anpassungen seiner Kommunikation.

In der Allianz Arena in München sind am 26. April die sechs Finalisten des Wettbewerbs „Koch des Jahres“ ermittelt worden. Wie der Veranstalter ROIKA Solutions GmbH mitteilt, qualifizierten sich vier Teilnehmer über den Live-Wettbewerb vor einer Fachjury, zwei weitere über einen Publikumsentscheid.

Im Ausland leben, das heißt viele Erfahrungen mit einer anderen Kultur zu machen. Ein Westfale brachte die Currywurst nach Nairobi – und musste dafür so manches kulinarische Hindernis überwinden.

Eigentlich hat Kenia perfektes Biergartenwetter. Man kann das ganze Jahr hindurch draußen sitzen. Den passenden Gerstensaft nach deutschem Reinheitsgebot gibt es mittlerweile auch.

Das Schlosshotel Münchhausen in Aerzen hat sein gastronomisches Konzept verändert. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde das neue Restaurant „1570 – Casual Fine Dining“ als Nachfolger des bisherigen Gourmetrestaurants „Hilmar“ eröffnet.

In den Streit um Markenrechte an einem Kebab-Gericht kommt Bewegung zwischen einer Bielefelder Dönerkette und dem US-Anbieter Kentucky Fried Chicken. «KFC hat sich entschuldigt und gesagt, das haben sie alles nicht gewollt, und das sei nur ein Zufall gewesen», sagte der Chef der Bielefelder Firma Krispy Kebab.