60 Prozent Minus - Transaktionsaktivität bei Hotels 2023 weiter gering

| Hotellerie Hotellerie

Die Immobilienberatung Cushman & Wakefield verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2023 ein Transaktionsvolumen im Hotelsegment in Deutschland von insgesamt 540 Mio. Euro, davon 150 Mio. Euro von Juli bis Ende September. Das Ergebnis stellt einen Rückgang von knapp 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dar. Es wurden ausschließlich Einzeltransaktionen verbucht. Die durchschnittliche Transaktionsgröße betrug circa 16 Mio. Euro. JLL Germany verzeichnet einen Rückgang um 54,5 Prozent. Noch klarer falle so JLL der Kontrast im Langzeitvergleich aus: Den Fünfjahresschnitt unterschreite das aktuelle Transaktionsvolumen um 71 Prozent, den Mittelwert der vergangenen Dekade sogar um 75 Prozent. Letztmals wurde ein ähnlich niedriges Volumen 2011 registriert, als der Markt 573 Millionen Euro verbuchte. Entsprechend geht die durchschnittliche Transaktionsgröße von 17,4 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 15,9 Millionen Euro zurück.

Rund zwei Drittel des Anlagevolumens entfielen auf deutsche Anleger. Es folgten Käufer aus Großbritannien mit 20 Prozent und Israel mit 13 Prozent.

Institutionelle Investoren waren mit einem Anteil von 38 Prozent für den Hauptteil des Transaktionsvolumens verantwortlich. Hotelbetreiber erzielten einen Umsatzanteil von 28 Prozent. Andere Markteilnehmer wie Private Equity, Family Offices und Entwickler vereinten 34 Prozent des Transaktionsvolumens auf sich.

„Die Transaktionsaktivität verharrte auf niedrigem Niveau. Gehandelt wurden vor allem betreiberfreie Hotels mit Repositionierungs- beziehungsweise Value-Add-Potential. Finanzstarke Hotelbetreiber wie Premier Inn und Leonardo, aber auch Private Equity Investoren kamen hier zum Zug. Käufe beziehungsweise Verkäufe von Core-Objekten mit langem Pachtvertrag stellten die Ausnahme dar“, kommentiert Josef Filser, Head of Hospitality Germany & Austria bei C&W.

Heidi Schmidtke, Managing Director der Hotels & Hospitality Group, analysiert: „Grundsätzlich kann sich die Sparte Hotel mit soliden Fundamentaldaten wie zurückkehrender Nachfrage und gestiegenen Ratenniveaus positiv von anderen Assetklassen im Immobiliensektor abheben und Vertrauen zurückgewinnen. Dennoch zeigt sich weiterhin ein sehr verhaltenes Geschehen am Hoteltransaktionsmarkt, was – wie in anderen Assetklassen auch – vor allen Dingen auf das noch nicht stabilisierte Zinsniveau zurückzuführen ist. So ergeben sich starke Abweichungen in der Erwartungshaltung zwischen Käufer- und Verkäuferseite. Als Resultat zeigt sich insbesondere deutlich weniger Aktivität im sonst in Deutschland sehr stark präsenten Core-Segment. Der Fokus liegt auf strategischen Ankäufen, unter anderem auch von Hotelbetreibern oder zur Umnutzung, beispielsweise in Flüchtlingsunterkünfte, sowie Value-add-Produkten. Aus der aktuellen Entwicklung resultieren zudem kleinere Investmentvolumina sowie primär Einzeltransaktionen von Bestandsimmobilien.“ Die insgesamt 34 Transaktionsabschlüsse in den ersten neun Monaten dieses Jahres sind alles Einzeltransaktionen. Auf Portfoliotransaktionen wartet der Markt weiterhin vergeblich.

Zu den größten Transaktionen im 3. Quartal 2023 zählten:

  • der Ankauf des Holiday Inn Mannheim mit 150 Zimmern, Teil der mischgenutzten Büro- und Hotelprojektentwicklung „No.1“, durch den Hamburger Investment- und Assetmanager Fondsgrund. Verkäufer war die Adler-Tochter Consus. Der Gesamtpreis lag bei ca. 75 Mio. Euro.
  • der Verkauf des Penta Hotels Berlin-Köpenick mit 190 Zimmern an den Betreiber Leonardo Hotels. Das Hotel wird demnächst renoviert um dann unter der Lifestyle Marke NYX neu positioniert.
  • die Veräußerung des Essential by Dorint Hotels in Köln-Deutz und des nh Hotels in Magdeburg mit insgesamt 260 Zimmern an die Alchemy Step Hotel Group. Die Hotels werden in den kommenden Monaten renoviert und an das Marriott System im Form von Franchise Verträgen angeschlossen.
  • der Erwerb des nestor Hotels in Neckarsulm mit 84 Zimmern durch die Art-Invest. Im Zuge eines neuen langfristigen Pachtvertrages mit der The Chocolate on the Pillow Group wird eine umfangreiche Renovierung und Neupositionierung des Hotels vorgenommen.

Josef Filser zu den Aussichten für den Hotelmarkt: „Das Transaktionsvolumen hat vermutlich seine Talsohle und die Spitzenrenditen fast ihren Peak erreicht. In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage erscheinen weitere Zinserhöhungen zunehmend unwahrscheinlicher, was zu einer höheren Stabilität und Sicherheit im Transaktionsmarkt führen dürfte. Hinzu kommt die weiterhin sehr gute Lage auf operativer Seite mit starker Nachfrage und guten Performancezahlen in fast allen großen Hotelmärkten. Außerdem führen die Herausforderungen im Bürosektor bei vielen Markteilnehmern zu einer erhöhten Bereitschaft in alternative Assetklassen wie Hotels zu investieren.“

„Wenngleich bis Ende des Jahres 2023 mit keiner Trendwende zu rechnen ist, sind einige Transaktionen angestoßen worden, die noch im vierten Quartal abgeschlossen werden könnten. Weiterhin dürften erforderliche Renovierungsprogramme, anstehende Refinanzierungen und erforderliche Portfolioumstrukturierungen sowie das lebhafte Interesse an der Assetklasse Hotel die Investmentaktivität ankurbeln“, erwartet Heidi Schmidtke


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Wert des investmentrelevanten deutschen Hotelmarktes ist 2025 nach Berechnungen von bulwiengesa und Union Investment auf 66,1 Milliarden Euro gestiegen. Neue Hotelzimmer trugen den größten Teil zum Zuwachs bei, während Bestandswerte nur leicht zulegten.

Das Bristol Berlin bekommt nach umfassender Modernisierung eine neue Markenheimat. Das Traditionshotel am Kurfürstendamm wird als erstes Haus in Deutschland Teil der Vignette Collection von IHG Hotels & Resorts. Eigentümer Aroundtown will die letzten Arbeiten bis Ende 2026 abschließen.

Künstliche Intelligenz soll nach Einschätzung von Accenture künftig einen größeren Teil der Reiseplanung übernehmen. Während viele Verbraucher einem KI-Agenten bereits die Zusammenstellung einer kompletten Reise anvertrauen würden, wollen sie die Auswahl des Hotels häufig weiterhin selbst treffen.

Die irische Hotelmarke The Dean expandiert weiter auf dem deutschen Markt und eröffnet ein neues Haus im Münchner Westend. Das Hotel kombiniert ein vom bayerischen Jugendstil inspiriertes Design mit einem modernen japanischen Gastronomiekonzept.

Das Kölner Hopper Hotel St. Josef wurde neugestaltet, die Zimmer und öffentlichen Bereiche erhielten ein neues Designkonzept. Das Projekt verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit nachhaltigen Materialien und moderner Ausstattung.

Nach einem Bericht des SWR haben zwei Mainzer Hotels sämtlichen Beschäftigten gekündigt. Die Gewerkschaft NGG vermutet einen Zusammenhang mit einer geplanten Betriebsratsgründung, während die Hotelgruppe von dringenden betrieblichen Erfordernissen spricht.

Der geplante Verkauf des ehemaligen Dorint-Hotels am Stausee Bitburg an die Interspa-Gruppe ist gescheitert. Damit können auch die im Frühjahr 2025 vorgestellten Pläne für ein Familien- und Wellness-Resort vorerst nicht umgesetzt werden.

Scandic und Axfast planen in Stockholm ein unterirdisches Hotel mit 135 fensterlosen Zimmern. Das Haus soll 2027 eröffnen und in einem umgebauten Gebäude unter der Drottninggatan, der bekanntesten Einkaufsstraße Stockholms, entstehen.

Limehome hat im ersten Halbjahr 2026 nach eigenen Angaben neue Partnerschaften geschlossen und seine Expansion in mehreren europäischen Märkten fortgesetzt. Dazu gehören ein erstes Projekt mit Aroundtown in Frankfurt sowie weitere Vorhaben in Deutschland, Großbritannien, Italien, Belgien und den Niederlanden.

Der Badische Hof in Baden-Baden nimmt den Betrieb unter der Marke Leonardo Limited Edition wieder auf. Nach einer ersten Phase im Juli folgt im Herbst das offizielle Grand Opening.