Berichte: Neues Harburger Hotel soll Flüchtlingsunterkunft werden

| Hotellerie Hotellerie

Das erst Anfang Mai eröffnete Holiday Inn – the niu Quay im Harburger Binnenhafen soll künftig ausschließlich zur Unterbringung geflüchteter Menschen aus der Ukraine genutzt werden. Nach einem Bericht des NDR sollen dort rund 340 Menschen unterkommen. Das Nachrichtenportal harburg-aktuell hatte am 30. August zuerst über die geplante Nutzung berichtet.

Zu Größe und Aufteilung des Hotels liegen in den vorliegenden Quellen unterschiedliche Angaben vor. Novum Hospitality hatte zur Eröffnung insgesamt 166 Zimmer, darunter 20 Apartments für Langzeitaufenthalte, genannt. Der NDR berichtet dagegen von 150 Zimmern und 20 Apartments.

Novum Hospitality hatte das Haus bei der Eröffnung als erstes Projekt bezeichnet, bei dem die Hotelgruppe gleichzeitig als Eigentümer und Betreiber auftritt. Das Hotel ist Teil der Markenkooperation von Novum Hospitality und IHG Hotels & Resorts.

harburg-aktuell berichtet unter Berufung auf eigene Informationen, die Hamburger Sozialbehörde habe einen Vertrag mit Holiday Inn zur Unterbringung der Geflüchteten geschlossen. Betreiber der Unterkunft werde demnach das städtische Sozialunternehmen Fördern & Wohnen. Die Nutzung sei für mindestens zwei Jahre vorgesehen. Aqua²dock-Investor Ingo Mönke und Projektentwickler Heinrich Wilke von Imentas hätten die geplante Nutzung gegenüber dem Portal bestätigt.

Eine Anfrage des NDR an Novum Hospitality, warum das Hotel als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden solle, sei am Sonntag unbeantwortet geblieben.

Politiker aus CDU, SPD und FDP kritisieren die Hotelnutzung

Die Entscheidung stößt in Harburg auf Kritik. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Bliefernicht erklärte gegenüber dem NDR, er verstehe, dass Unterkünfte benötigt würden. Die Umnutzung sei aus seiner Sicht jedoch eine schlechte Nachricht für Restaurants und Läden im Binnenhafenquartier.

Auch der Harburger SPD-Co-Fraktionsvorsitzende Frank Richter kritisierte die Entscheidung und die aus seiner Sicht fehlende Beteiligung. „Ich bin sehr verärgert“, sagte Richter dem NDR. Nach Darstellung des Senders verlangt das Hamburger Bezirksverwaltungsgesetz eine Anhörung der örtlichen Bezirksversammlung vor einer „öffentlichen Unterbringung von Zuwanderern und Wohnungslosen“, sofern diese für den Bezirk oder einen wesentlichen Teil des Bezirks von Bedeutung ist.

Ähnlich äußert sich die FDP-Fraktion Harburg. Ihr Vorsitzender Dirk Kannengießer erklärt, seine Fraktion habe weder eine Mitteilung noch eine Vorabinformation erhalten. „Hilfe für Menschen, die vor dem russischen Angriffskrieg fliehen, ist selbstverständlich und stellen wir nicht in Frage. Aber warum wählt der Senat ausgerechnet ein neues Hotel in einem zentralen Harburger Entwicklungsgebiet aus, was kostet das und warum wurde Harburg darüber nicht informiert“, fragt Kannengießer.

Sozialbehörde hatte Abbau kostenintensiver Hotelunterbringungen als Ziel genannt

harburg-aktuell verweist auf frühere Aussagen der Sozialbehörde. Im März habe diese dem Bezirk mitgeteilt, die Unterkunft auf dem Schwarzenberg Ende 2027 räumen zu wollen. Als Ziel der „aktuellen Kapazitätssteuerung“ habe die Behörde angegeben, grundsätzlich die Plätze kostenintensiver und nur vorübergehend verfügbarer Standorte reduzieren zu wollen. Dies gelte insbesondere für Hotels sowie Interims- und Notstandorte.

Diesen Punkt greift auch die FDP auf. „Der Senat kann nicht den Abbau teurer Hotelunterbringung ankündigen und gleichzeitig ein gerade eröffnetes Hotel für Jahre vollständig binden!“, erklärt Kannengießer.

Angaben zu den tatsächlich vereinbarten Kosten für die Nutzung des Hotels enthalten die vorliegenden Quellen nicht. Der NDR nennt für ein zum Zeitpunkt seines Berichts angebotenes Standardzimmer einen regulären Preis von 124 Euro und berichtet, Harburger Politiker vermuteten künftig deutlich höhere Mietzahlungen der Stadt.

Die FDP fordert, Kosten, Laufzeit, Belegung und Alternativen offenzulegen. Kannengießer verweist dabei ebenfalls auf Berichte über möglicherweise höhere Zahlungen, ohne konkrete Vertragszahlen zu nennen.

Novum eröffnete das Hotel als Teil des Aqua²dock-Projekts

Das Hotel gehört zum größeren Neubauprojekt Aqua²dock im Harburger Binnenhafen. Nach den Angaben von Novum Hospitality zur Eröffnung umfasst das Projekt auf insgesamt 13.500 Quadratmetern neben dem Hotel auch Büros, Gastronomie und Wasseraktivitäten.

Novum hatte die Standortwahl unter anderem mit der Nähe zum Harburger Binnenhafen begründet. Das Unternehmen verwies dabei auf die Bedeutung des Quartiers für die Bereiche Dienstleistung, Technologie und Wissenschaft sowie auf die Verkehrsanbindung über den Fern- und S-Bahnhof Hamburg-Harburg und die Autobahnen A1 und A7.

SPD-Politiker Richter bezeichnete das Hotel gegenüber dem NDR als wichtig für Gäste der Technischen Universität Hamburg und der dort neu gegründeten Firmen. Diese Gäste brächten nach seiner Darstellung zudem Kundschaft in Restaurants und Läden am Binnenhafen.

Auch Aqua²dock-Investor Ingo Mönke kritisierte die geplante Nutzung gegenüber harburg-aktuell. Das Portal berichtet zudem, dass erste Hotelgäste bereits gastronomische Angebote im Umfeld genutzt hätten. Der Betreiber der benachbarten Fischhalle, Werner Pfeifer, erklärte: „Ja, wir haben das gemerkt. Es gab immer wieder mal Gäste aus dem Hotel.“

Zwei bestehende Unterkünfte in Harburg sollen geschlossen werden

Parallel zur geplanten Nutzung des Hotels sollen nach Angaben des NDR zwei größere Unterkünfte in Harburg geschlossen werden. Der Standort an der Schlachthofstraße solle bis Ende 2026 geschlossen werden, der Standort am Schwarzenbergplatz bis Ende 2027.

Der Harburger Grünen-Co-Fraktionschef Michael Sander verwies gegenüber dem NDR darauf, dass die Unterbringung dort für geflüchtete Menschen nicht gut gewesen sei. „Wenn jetzt das Hotel als Alternative dazukommt, dann müssen wir das als Bezirk tragen“, sagte Sander.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Ahorn Hotels & Resorts haben 92 neue Auszubildende in ihren sieben Hotels begrüßt. Damit beschäftigt die Gruppe in den Ländern Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen aktuell 240 Nachwuchskräfte in verschiedenen Gastronomie- und Hotellerieberufen.

Hilton nimmt mit dem Hilton Istanbul Airport sein 100. Hotel in der Türkei in Betrieb. Das Haus bietet 485 Zimmer, Tagungskapazitäten sowie direkte Nähe zum Flughafenterminal.

Hilton führt das Relevant-Set der YouGov Hotel Rankings 2026 Deutschland mit 28,2 Prozent an. Bei der Kundenzufriedenheit erreicht dagegen 25hours den höchsten Net-Score.

Das neue Motel One im historischen Hansa-Haus in Hannover bekommt einen neuen Zeitplan. Die NORD/LB rechnet nun mit einer Übergabe an Motel One Mitte 2027. Bei der Vorstellung des Projekts im Februar 2025 war noch von einer Hoteleröffnung Mitte 2026 die Rede. Um die Immobilie hatten sich bis zu 20 Hotelbetreiber bemüht.

HG bestätigt, dass Hotelbuchungen innerhalb von Googles AI Mode im Rahmen eines Pilotprojekts als „Direktbuchungen“ für den Hotelkonzern verarbeitet werden. Ob Google dafür eine Provision, Werbegebühr oder andere Vergütung erhält, geht aus den Angaben nicht hervor.

IHG meldet für Deutschland ein Netto-Systemwachstum von sieben Prozent. Die Zahl der geöffneten Hotels und Projekte in der Pipeline liegt inzwischen bei 253 – Anfang 2024 waren es nach Konzernangaben noch 110.

Zum 170. Bestehen lädt das Kastens Hotel Luisenhof, das einzige Fünf-Sterne-Superior-Hotel in Hannover, Ende August zu einer besonderen Entdeckungsreise hinter die Türen ein, die sonst nur Mitarbeitende öffnen dürfen.

Das Hotel Palace Berlin wechselt die Marke: Ab dem ersten Quartal 2027 soll das Haus in der City West als Hyatt Regency Palace Berlin auftreten. Der Markenwechsel wird von Investitionen in die Umgestaltung und Modernisierung begleitet.

Google hat in den USA einen begrenzten Test für Hotelbuchungen über den AI Mode gestartet. Booking Holdings gehört zu den ersten Partnern. Der Test ist Teil von Googles Plänen, die KI-gestützte Hotelsuche stärker mit dem eigentlichen Buchungsprozess zu verbinden.

Yoga, Meditation und Kartoffel-Masken: Im 1. Deutschen Kartoffel-Hotel im Wendland lassen sich viele Stammgäste verwöhnen. Es ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet - weil das Personal es so möchte.