Boom oder Flaute? Zwei Statistiken, zwei Wahrheiten über den Norden

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Steht der Tourismus in Schleswig-Holstein in diesem Frühling besser oder schlechter da als im Vorjahr? Zwei Statistiken aus den vergangenen Tagen weisen in entgegengesetzte Richtungen. Doch das ist wegen unterschiedlicher Datengrundlagen gar kein Widerspruch, wie Touristiker erklären.

Ganz allgemein gesagt: Für größere Hotels hat das Urlaubsjahr 2026 gut begonnen, für Anbieter von Ferienwohnungen und kleinere Häuser ist dagegen noch viel Luft nach oben. Das belegen die beiden Statistiken, die auf unterschiedlichem Zahlenmaterial und Zeiträumen beruhen.

Tourismus-Agentur arbeitet mit Zahlen des Statistikamtes

Nach Angaben des Statistikamts Nord stieg die Zahl der Gäste in Schleswig-Holstein im ersten Quartal um 5,8 Prozent auf fast 1,36 Millionen. Bei den Übernachtungen sei das Plus mit 7,2 Prozent auf gut 4,72 Millionen sogar noch höher ausgefallen, hat die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) berichtet. «Diese Zahlen des Statistikamtes Nord sind unsere Grundlage», sagte TASH-Sprecherin Manuela Schütze.

Besonders der März habe sich mit 12,3 Prozent mehr Gästeankünften und 12,7 Prozent mehr Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahresmonat gut entwickelt. Die Datengrundlage: Das Statistikamt Nord erfasste den Angaben zufolge im März 3.003 geöffnete Beherbergungsstätten mit mehr als zehn Betten. Zusammen bieten diese Betriebe knapp 286.500 Schlafgelegenheiten an.

Tourismus-Barometer schließt kleinere Betriebe ein

Das Sparkassen-Tourismusbarometer, das der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) und der Sparkassen- und Giroverband am Mittwoch vorgestellt haben, verwendet dagegen eine andere Berechnungsgrundlage. Das Barometer bildet auch die Lage der kleineren Betriebe mit weniger Betten sowie Ferienwohnungen ab. Hier sieht die Situation schlechter aus als im Vorjahr. Ihre Buchungszahlen sind von Anfang Januar bis Ende April deutlich gesunken.

Im Rahmen des «Modellprojektes Kennzahlen» des Sparkassen-Tourismusbarometers stellen elf Modellorte monatlich Daten ihrer Meldescheinstatistik zur Verfügung. Die Orte stehen für etwa 43 Prozent der touristischen Gesamtnachfrage in Schleswig-Holstein und ermöglichten einen umfassenden Blick auf aktuelle Entwicklungen, heißt es beim TVSH. Die Kennzahlen zeigten, dass die Zahl der Übernachtungen in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 um 9,2 Prozent und die Zahl der Ankünfte um 9,7 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums lagen. 

Inflation belastet das Reisebudget

Das touristische Vertriebsklima habe sich auch wegen des Iran-Krieges und seiner Folgen deutlich eingetrübt, sagte Schleswig-Holsteins Tourismus-Minister Claus Ruhe Madsen bei der Vorstellung des Tourismusbarometers. Auch das kühle Frühjahr und die frühen Osterferien hätten dämpfend gewirkt.

Die gestiegenen Kraftstoffpreise und höheren Lebenshaltungskosten belasteten das Reisebudget vieler Haushalte spürbar. Das führe zu einer zunehmenden Zurückhaltung und einem noch kurzfristigeren Buchungs- und Reiseverhalten. Umso wichtiger sei es, dass Schleswig-Holstein weiterhin in Qualität, Innovation und Infrastruktur investiere.

Auch wenn die Ergebnisse unterschiedlich ausfielen: Aus beiden Datenquellen ließen sich wichtige Rückschlüsse für den Tourismus in Schleswig-Holstein ziehen, sagte TASH-Sprecherin Schütze. (mit dpa)


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