Datenstrategie statt Bauchgefühl: Markus Seemann über datengestützte Entscheidungen in der Hotellerie

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Für Markus Seemann, Geschäftsführer der Octopus Analytics, ist der Einsatz von Kennzahlen im Hotelbetrieb kein optionales Extra, sondern Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Seemann gilt als einer der profiliertesten Experten für Revenue Management im deutschsprachigen Raum. Mit über 20 Jahren Erfahrung – unter anderem bei Kempinski, Sheraton, Maritim und Achat – hat er die Entwicklung der Hotellerie aus nächster Nähe begleitet.

„Zahlen, Daten, Fakten und Informationen geben letztendlich auch so ein bisschen die Marschrichtung vor“, erklärt er im Interview. Besonders in der Privathotellerie würden Entscheidungen jedoch noch oft aus dem Bauch heraus oder aufgrund von Intuition getroffen. Dies könne kurzfristig funktionieren, berge aber langfristig Risiken. Aus seiner Zeit in der Kettenhotellerie weiß er: Eine strukturierte, datenbasierte Steuerung macht Entscheidungen nachvollziehbar und messbar.

Seemann verfolgt daher die Mission, Best Practices großer Hotelgruppen auch für familien- und inhabergeführte Betriebe zugänglich zu machen, wie er im Podcast Smart Hotel Key mit Marco Riederer erläutert.

Hier Podcast-Folge direkt anhören: 
 

Typische Herausforderungen: Datenzugang und Systemvielfalt

Eine der größten Barrieren für datengetriebene Arbeit in Hotels ist laut Seemann der mangelnde Zugang zu aktuellen und vollständigen Betriebsdaten.
Viele Hotels arbeiten mit Systemen, die nur eingeschränkte Auswertungsmöglichkeiten bieten oder für das Personal schwer bedienbar sind. Oft müssen externe Dienstleister beauftragt werden, um Daten auswertbar zu machen.

Mit Octopus Analytics will Seemann genau hier ansetzen: Das cloudbasierte Tool bündelt Informationen aus verschiedenen Quellen – von Property-Management-Systemen (PMS) und Channel-Managern bis hin zu Marketing-, Sales- und Preisvergleichsdaten.

Die Plattform ist flexibel konzipiert: Sie kann Daten über API-Schnittstellen automatisiert importieren, aber auch CSV- oder Excel-Exporte verarbeiten. Sogar manuelle Dateiimporte sind möglich. „Ein gutes Analyse-Tool muss verschiedene Datenquellen integrieren und gleichzeitig einfach bedienbar sein, um nicht zu überfordern“, so Seemann.

Wichtige Kennzahlen im Blick

Bei einer Betriebsanalyse konzentriert sich Seemann zunächst auf die Kostenstruktur und den daraus resultierenden Break-even-Point in den Bereichen Logis und F&B. Entscheidend sind dabei auch absolute Preisuntergrenzen und wichtige KPIs wie: Average Daily Rate (ADR), Belegungsquote (auf Tagesbasis), Revenue per Available Room (RevPAR), Total RevPAR (inkl. Nebenerlöse aus Restaurant, Spa, Tagungsräumen etc.) Gerade in Ferienhotels sei es wichtig, unterschiedliche Bereiche getrennt zu betrachten – saisonale Spitzen im Spa-Bereich fallen beispielsweise nicht immer mit den Hochzeiten im Logis-Bereich zusammen.

Aha-Erlebnisse durch Transparenz

Besonders wertvoll für Hoteliers sind laut Seemann Zeitreihenanalysen, bei denen historische Daten, aktuelle Ist-Werte und Zukunftsprognosen direkt verglichen werden. Damit lassen sich Trends, Entwicklungen und Abweichungen besser erkennen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Analyse zeigt, dass Zimmer mit Seeblick überwiegend von Schweizer Gästen gebucht werden – eine Information, die in den meisten PMS-Reports nicht sichtbar ist. Solche Erkenntnisse helfen bei der zielgenauen Preis- und Marketingsteuerung.

Auch die Kombination aus Marktsegment- und Vertriebskanal-Daten bringt neue Perspektiven: Hoteliers können nachvollziehen, über welchen Kanal welche Kundengruppe in welchem Zeitraum gebucht hat – und wie sich das Verhältnis im Vergleich zu Vorjahren entwickelt.

KI als nächster Entwicklungsschritt

Für die kommenden Jahre prognostiziert Seemann eine deutliche Zunahme von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) in der Hotellerie. KI-Systeme könnten künftig als aktive Berater fungieren – Hoteliers etwa darauf hinweisen, wenn sich Buchungsraten unerwartet entwickeln oder bestimmte Marktsegmente eine besondere Dynamik zeigen.

„Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Aber die KI kann die Aufmerksamkeit auf relevante Veränderungen lenken“, betont Seemann. Ziel sei es, Hoteliers zu entlasten, nicht zu ersetzen.

Gleichzeitig sieht Seemann die Branche in der Pflicht, veraltete Software und analoge Prozesse hinter sich zu lassen: „Wir können nicht einfach analoge Prozesse in die digitale Zukunft mitnehmen.“

„Beat Yesterday“ – Kontinuierliche Verbesserung als Ziel

Als zentrale Kennzahl für jedes Hotel empfiehlt Seemann den Forecast: Eine Vorschau auf die nächsten Monate, kombiniert mit dem Vergleich zu den Vorjahreswerten.

Dies eröffne die Möglichkeit, kontinuierliche Verbesserungen strategisch zu verfolgen – ganz im Sinne des von ihm zitierten Sportmottos „Beat Yesterday“: Jeden Tag ein bisschen besser werden als am Vortag.

Über den Autor Markus Seemann

Markus Seemann ist Gründer von Octopus Analytics (www.octopus-analytics.io). Das Tool Daten von Hotels sichtbar, nachvollziehbar und interpretierbar. Es ermöglicht Hoteliers, Zusammenhänge zu erkennen, Muster zu verstehen – und Entscheidungen bewusst zu treffen.

Seemann ist ein erfolgreicher Externer-Revenue-Manager und ehemaliger Hoteldirektor ist. Zu Themen wie Revenue- und Yield-Management, Prozessoptimierung, Logis-Management, Pricing & Distributions-Strategien ist Markus auch als Berater und Trainer beim DEHOGA Baden-Württemberg und dem HGV in Südtirol tätig.


 

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