Europäischer Gerichtshof bestätigt deutsches Aufteilungsgebot bei Beherbergungsumsätzen

| Hotellerie Hotellerie

Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 5. März 2026 entschieden, dass die steuerliche Behandlung von Zusatzleistungen in der Hotellerie gemäß dem deutschen Umsatzsteuergesetz mit dem Unionsrecht vereinbar ist. Wie aus den Entscheidungsgründen der verbundenen Rechtssachen C-409/24, C-410/24 und C-411/24 hervorgeht, darf Deutschland für Nebenleistungen wie Parkplätze oder WLAN-Zugang den Regelsatz von 19 Prozent verlangen, auch wenn die reine Übernachtung dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent unterliegt. 


[Erläuterung für Hoteliers: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Besteuerung von Nebenleistungen bei Hotelübernachtungen sorgt derzeit für Diskussionen in der Branche. Allerdings bezieht sich die Entscheidung auf steuerliche Sachverhalte aus der Vergangenheit.

Die Verfahren, die dem Urteil zugrunde liegen, betreffen Zeiträume, in denen für gastronomische Leistungen noch der reguläre Mehrwertsteuersatz galt. Hotels hatten damals argumentiert, dass Frühstück als unselbstständige Nebenleistung zur Übernachtung dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent unterliegen müsse.

Der EuGH hat diese Argumentation nun zurückgewiesen und bestätigt, dass Deutschland weiterhin ein Aufteilungsgebot anwenden darf. Das bedeutet: Übernachtungsleistungen können steuerlich von anderen Leistungen wie Frühstück, Parkplatz oder Wellness getrennt behandelt werden.

Für die aktuelle Praxis ist jedoch ein weiterer Punkt entscheidend: Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland wieder dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für gastronomische Leistungen.

Damit hat sich die praktische Bedeutung der Entscheidung für viele Betriebe relativiert.]


Unionsrecht erlaubt selektive Anwendung des ermäßigten Steuersatzes

Hintergrund des Verfahrens waren Vorabentscheidungsersuchen des Bundesfinanzhofs. In den zugrunde liegenden Fällen hatten Hotels und Pensionen ihren Gästen Zusatzleistungen wie die Nutzung von Fitnessräumen oder Parkflächen ohne gesondertes Entgelt im Rahmen eines Pauschalpreises angeboten. Die Betreiber behandelten diese Leistungen als unselbständige Nebenleistungen zur Beherbergung und wandten auf den Gesamtpreis den ermäßigten Steuersatz an. Die Finanzverwaltung forderte hingegen eine Aufteilung des Entgelts und die Versteuerung der Nebenleistungen zum Regelsatz.

Der Europäische Gerichtshof stellte fest, dass die Mehrwertsteuersystemrichtlinie einer nationalen Regelung nicht entgegensteht, die bestimmte Leistungen vom ermäßigten Steuersatz ausschließt, sofern diese nicht unmittelbar der Beherbergung dienen. Laut dem Gerichtshof steht es den Mitgliedstaaten frei, die Anwendung ermäßigter Sätze auf konkrete und spezifische Aspekte einer Leistungskategorie zu beschränken. Voraussetzung hierfür ist, dass die Abgrenzung auf objektiven, klaren und genauen Kriterien beruht.

Wahrung der steuerlichen Neutralität und des Wettbewerbs

Ein zentraler Aspekt der Entscheidung ist der Grundsatz der steuerlichen Neutralität. Wie der Europäische Gerichtshof unter Verweis auf die Ausführungen des Bundesfinanzhofs darlegt, dient das Aufteilungsgebot dazu, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Ein Hotel dürfe Nebenleistungen wie Frühstück oder Saunanutzung nicht zu einem günstigeren Steuersatz anbieten als ein benachbarter Gastronom oder ein unabhängiger Parkhausbetreiber.Die Richter stellten klar, dass die steuerliche Bewertung nicht allein davon abhängt, ob aus Sicht eines Durchschnittsgastes eine einheitliche Leistung vorliegt. Zwar folgt nach der allgemeinen Mehrwertsteuer-Rechtsprechung eine Nebenleistung grundsätzlich dem steuerlichen Schicksal der Hauptleistung. Der Europäische Gerichtshof betonte jedoch, dass die Mitgliedstaaten dennoch berechtigt sind, den ermäßigten Steuersatz auf bestimmte Teilaspekte einer Leistung – hier die reine Beherbergung – zu beschränken.

Rechtssicherheit für die Hotelbranche und Finanzverwaltung

Mit dem Urteil wird die bisherige deutsche Praxis bestätigt. Wie die Rechtsanwaltsgesellschaft KMLZ in einer Analyse erläutert, misst der Europäische Gerichtshof dem Recht der Mitgliedstaaten zur selektiven Anwendung von Steuersätzen eine höhere Bedeutung bei als dem allgemeinen Grundsatz, dass eine Nebenleistung steuerlich das Schicksal der Hauptleistung teilt. Das in Paragraph 12 Absatz 2 Nummer 11 Satz 2 des Umsatzsteuergesetzes verankerte Aufteilungsgebot bleibt somit bestehen. (Die Steuer ermäßigt sich auf sieben Prozent für die folgenden Umsätze: [...] die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen, die ein Unternehmer zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithält, sowie die kurzfristige Vermietung von Campingflächen. Satz 1 gilt nicht für Leistungen, die nicht unmittelbar der Vermietung dienen, auch wenn diese Leistungen mit dem Entgelt für die Vermietung abgegolten sind)

Für Anbieter von Beherbergungsleistungen bedeutet dies weiterhin die Notwendigkeit einer sachgerechten Aufteilung der Entgelte. Wie die Beratungsgesellschaft PwC in einem Blogbeitrag ausführt, hatte bereits die Generalanwältin in ihren Schlussanträgen vom September 2025 die Unionsrechtskonformität der deutschen Regelung bejaht. Hoteliers müssen demnach auch bei Pauschalangeboten präzise unterscheiden, welche Leistungsanteile unmittelbar der kurzfristigen Vermietung dienen und welche als eigenständige, voll steuerpflichtige Servicebestandteile zu werten sind.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine externe Untersuchung hat die gegen Accor-Chef Sébastien Bazin erhobenen anonymen Vorwürfe nicht bestätigt. Der Verwaltungsrat des Hotelkonzerns hat das Verfahren daraufhin abgeschlossen.

Nach US-Sanktionen gegen den Eigentümer zweier Frankfurter Hilton-Hotels will Hilton laut Bloomberg die Managementverträge beenden. Bereits Anfang des Jahres hatte Booking.com die betroffenen Häuser aus seinem Angebot genommen.

Die The Chocolate on the Pillow Group (COTP) hat einen Miet- und Franchisevertrag für das im Bau befindliche Holiday Inn Express Kassel unterzeichnet. Damit sichert sich das Unternehmen das dritte Hotel aus der Insolvenz der Revo Hospitality Group.

Grand Metropolitan Hotels will das gemeinsame Joint Venture mit dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) beenden. Gleichzeitig berichten Medien über weitreichende Maßnahmen eines Amsterdamer Gerichts im laufenden Streit zwischen beiden Gesellschaftern.

Für das insolvente Traditionshotel Bösehof in Bad Bederkesa zeichnet sich eine Lösung ab. Ein Ehepaar aus der Region soll das Haus übernehmen, während die Gläubiger noch im Juli über den Insolvenzplan entscheiden.

Der Convenience-Großhändler MCS hat im Highway Hotel Herbolzheim seinen ersten autonomen 24-Stunden-Shop eröffnet. Mit dem Standort erweitert das Unternehmen sein Konzept erstmals auf die Hotellerie.

Eine professionell gestaltete E-Mail zu einem angeblichen Bettwanzenbefall hat in einem Hotelunternehmen zunächst einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Erst ein nicht existierendes Zimmer entlarvte den Vorgang als Phishing-Versuch.

Die Accor-Gruppe erweitert im Jahr 2026 ihr weltweites Hotelportfolio um zahlreiche neue Standorte und Luxusprojekte. Der Fokus liegt dabei auf einer globalen Expansion in unterschiedlichen Marktsegmenten.

Eine Branchenstudie von XPORT hat knapp 20.000 deutsche Hotel-Websites automatisiert auf Barrierefreiheit untersucht. Nach Angaben des Unternehmens weisen mehr als 85 Prozent der analysierten Seiten erkennbare Verstöße gegen WCAG-Richtlinien auf.

Smartments wird zwei Serviced-Apartmenthäuser in Berlin und Bielefeld für M&G Real Estate betreiben. Mit den langfristigen Mietverträgen wächst das Portfolio des Unternehmens auf 16 Standorte mit 2.389 Apartments.