Gericht verpflichtet Booking zur Löschung falscher Hotelbewertung

| Hotellerie Hotellerie

Das Landesgericht Bozen hat Booking.com zur Löschung einer falschen Bewertung für das Stern Mountain Chalet in Sterzing verpflichtet. Ein Gast hatte die Unterkunft mit nur einem von zehn Punkten bewertet, obwohl er dort nicht übernachtet hatte. Für eine verzögerte Entfernung der Rezension muss Booking 50 Euro pro Tag zahlen. Darüber berichten die italienischen Zeitungen „Alto Adige“ und „Corriere dell’Alto Adige“ sowie das Portal „Südtirol News“.

Auslöser des Rechtsstreits war eine Buchung eines ungarischen Kunden. Nach den übereinstimmenden Medienberichten hatte er für zwei Nächte im Dezember 2025 reserviert. Einen Tag vor der geplanten Anreise wollte er die Buchung wegen einer Änderung seiner Pläne kostenlos stornieren. Die Unterkunft lehnte dies ab, da eine kostenlose Stornierung nach den Buchungsbedingungen nicht vorgesehen war.

Der Gast reiste anschließend nicht an. Am 3. Januar 2026 erschien dennoch auf Booking.com eine Bewertung von einem von zehn Punkten. Bewertet wurden unter anderem Personal, Sauberkeit, Lage, Ausstattung, Komfort und Preis-Leistungs-Verhältnis. In diesen Kategorien wurden jeweils 2,5 von zehn Punkten vergeben.

Unterkunft zieht nach abgelehnter Löschung vor das Gericht

Das Stern Mountain Chalet verlangte von Booking.com die Entfernung der Rezension. Die Plattform lehnte die Forderung zweimal ab. Dabei verwies Booking nach den vorliegenden Berichten unter anderem darauf, dass die Unterkunft den Gast nicht innerhalb einer vorgesehenen Frist von 48 Stunden als nicht angereist gemeldet habe.

Daraufhin stellte die Unterkunft am 10. März 2026 einen Eilantrag beim Landesgericht Bozen. Zwei Tage später ordnete das Gericht erstmals die Löschung der Bewertung an. Zugleich wurden 50 Euro für jeden Tag der Verzögerung festgesetzt. Booking beteiligte sich den Berichten zufolge nicht am Verfahren und setzte die erste Löschungsanordnung zunächst nicht um.

Eine weitere Anordnung folgte Anfang Juni. „Alto Adige“ nennt hierfür den 10. Juni 2026, während der „Corriere dell’Alto Adige“ von einer Anfang Juni von Richter Ivan Rauzi unterzeichneten zweiten Anordnung berichtet. Darin wurde die bereits im März verfügte Entfernung der Rezension bestätigt.

Gericht stuft die Rezension als offensichtlich falsch ein

Nach den von den italienischen Medien wiedergegebenen Entscheidungsgründen stufte das Gericht die Rezension als „offensichtlich falsch“ ein. Der Nutzer hatte zwar eine Buchung vorgenommen, war aber nicht in der Unterkunft gewesen und hatte die bewerteten Leistungen damit nicht in Anspruch genommen. Die Bewertung habe dennoch den Eindruck einer tatsächlichen Erfahrung vermittelt.

Das Gericht sah nach Darstellung des „Corriere dell’Alto Adige“ zudem Anhaltspunkte dafür, dass die Bewertung eine Reaktion auf die verweigerte kostenlose Stornierung gewesen sei. In der wiedergegebenen Begründung ist von der Absicht die Rede, der Unterkunft einen Schaden zuzufügen.

Auch die von Booking angeführte interne Regelung änderte demnach nichts an der Löschungspflicht. Nach der von „Alto Adige“ wiedergegebenen Entscheidung seien interne Plattformregeln bei offensichtlich rechtswidrigen Inhalten nicht maßgeblich. Der Hosting-Anbieter müsse solche Inhalte entfernen.

Booking muss Kosten und mögliche Verzögerungszahlungen tragen

Neben der Entfernung der Bewertung muss Booking 50 Euro für jeden weiteren Tag der Verzögerung zahlen. Die Verfahrenskosten wurden nach Angaben des „Corriere dell’Alto Adige“ auf 3.228 Euro zuzüglich 313 Euro Auslagen und gesetzlicher Nebenkosten festgesetzt.

Der Präsident des Südtiroler Hotelier- und Gastwirteverbandes HGV, Klaus Berger, sieht hinter dem Fall ein breiteres Problem. Er berichtete von Gästen, die mit negativen Bewertungen drohten, um etwa Preisnachlässe oder andere Leistungen zu erhalten.

Berger verwies zugleich auf eine Regelung in Italien, die Bewertungen an einen Nachweis eines tatsächlichen Aufenthalts knüpfen soll. Die notwendigen Durchführungsverordnungen stünden jedoch noch aus. Damit sei noch offen, wie die Vorgaben von den Bewertungsportalen konkret umgesetzt werden müssen.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Hyatt-Umfrage zeigt aktuelle Präferenzen bei der Hochzeitsplanung und beziffert das durchschnittliche Budget in Deutschland auf rund 30.000 Euro. Neben der Standortwahl gewinnen neue Reiseformen rund um die Flitterwochen an Bedeutung.

Habyt hat den ersten Standort in der österreichischen Hauptstadt eröffnet. Bei dem Objekt handelt es sich um ein Aparthotel für Kurz- und Langzeitaufenthalte, das insgesamt 319 Studios auf sieben Etagen umfasst.

Leonardo Hotels Central Europe und Goodbytz kooperieren beim Einsatz autonomer Küchenroboter. Im 510-Zimmer-Haus Leonardo Smart Vienna Airport bereitet der Roboter Luca künftig durchgehend Salate und Bowls für die Gäste zu.

Das Hotel Maximilian's in Augsburg hat einen Neubau in der Katharinengasse eröffnet. Die Erweiterung umfasst für rund acht Millionen Euro sieben neue Suiten sowie einen ganzjährig beheizten Pool auf dem Dach des Gebäudes.

BWH Hotels Central Europe ist in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 weiter gewachsen: Der Gesamtumsatz der angeschlossenen Hotels stieg auf rund 370,5 Millionen Euro. Getragen wurde die Entwicklung vor allem von einer höheren Nachfrage.

Expedia Group hat nach einem starken zweiten Quartal ihre Jahresprognose angehoben. Das Unternehmen meldet zweistellige Zuwächse bei Bruttobuchungen und Umsatz sowie ein deutliches Wachstum im B2B-Geschäft.

Mit der Villa Florhof hat am 1. August 2026 das erste Lalique Boutique Hotel in Zürich eröffnet. Der Hotelbetrieb beginnt wenige Wochen nach dem Ende der geplanten Zusammenarbeit mit dem ursprünglich als kulinarischer Leiter vorgesehenen Christian Jürgens.

Booking Holdings sieht seine Marken zwar zunehmend in Antworten von KI-Systemen vertreten. Der daraus resultierende Verkehr bleibt nach Angaben des Unternehmens jedoch gering. Gleichzeitig bestätigte der Konzern einen OpenAI-Test für ein CPC-Werbemodell sowie eine enge Zusammenarbeit mit Google.

Das Mandarin Oriental Punta Negra ist offiziell eröffnet. Im Rahmen einer Zeremonie mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft nahm die Hotelgruppe ihr erstes Haus auf der Balearischen Insel in Betrieb.

Microsoft warnt vor einer weltweiten Cyberangriffswelle auf Hotelnetzwerke und Anmeldeseiten. Die Angreifer leiten den Datenverkehr von Gästen um, um Schadsoftware zu verbreiten und Zugangsdaten von Geschäftsreisenden zu entwenden.