Gierige Expansionspolitik, struktureller Druck: Dirk Iserlohes doppelte Lesart der Revo-Insolvenz

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Die Insolvenz der Revo Hospitality Group hat die deutsche Hotellerie in Mark und Bein erschüttert. Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender der Dorint-Hotelgruppe, hat sich in zwei öffentlichen Statements zu Wort gemeldet. Doch beim Vergleich seiner Analysen zeigt sich ein bemerkenswerter kommunikativer Spagat zwischen interner Manöverkritik und politischem Lobbyismus.

In seiner Gastkolumne bei Hotel Inside wählte Iserlohe zunächst ungewohnt scharfe Worte. Er beschrieb die Revo-Insolvenz als das logische Ergebnis einer „gierigen Expansionspolitik“ und eines fremdfinanzierten Wachstumsmodells mit unzureichender Substanz- und Cashflow-Absicherung. Sein Urteil: Die Krise sei kein Produktversagen der Hotellerie und nicht nachfragegetrieben, sondern das Resultat operativer Fehlentscheidungen, bei denen Größe über Substanz gestellt wurde. Wer die Revo-Pleite als Beleg für eine strukturelle Schwäche der Hotellerie interpretiere, ziehe laut Iserlohe „falsche Schlüsse“.

Der „Weckruf“ an die Politik

In einem offiziellen Schreiben der der Lobby-Organisation DZG an politische Entscheidungsträger, das auch Iserlohes Unterschrift trägt, wandelt sich das Narrativ: Dieselbe Insolvenz wird nun als dramatischer „Weckruf“ und Ausdruck einer „anhaltenden strukturellen Überlastung“ der gesamten Branche präsentiert. Hier dienen die tausende bedrohte Arbeitsplätze und das Schicksal von über 150 Gesellschaften als Argumentationshilfe, um Forderungen nach einem Belastungsmoratorium, einer eigenen Gastwelt-Förderbank und Steuersenkungen Nachdruck zu verleihen.

Auf Nachfrage der Tageskarte-Redaktion erklärt Iserlohe diese Diskrepanz als „notwendige Differenzierung“. Er sehe darin keinen Widerspruch: Während Revo operativ an einem mangelhaften Modell gescheitert sei, wirke der Fall politisch als Symptom eines Systems unter Druck. „Managementfehler und strukturelle Überlastung schließen sich nicht aus – sie verstärken sich“, so Iserlohe gegenüber Tageskarte.

Die 115-Euro-Falle

Ein zentraler Punkt seiner Kritik betrifft die „hausgemachte Preislogik“ der Branche. Iserlohe untermauert dies mit Fakten: Mit einer durchschnittlichen Zimmerrate von rund 115 Euro und einem Rückgang von -4,8 Prozent (2024 auf 2025) habe sich Deutschland an das Ende des europäischen Vergleichs manövriert. Diese „historisch gewachsene Preisunterbietungslogik“ zerstöre systematisch die Marge und Investitionsfähigkeit.

Dennoch sieht der Manager die Politik in der Pflicht. Die Forderung nach staatlicher Entlastung – etwa bei der Umsatzsteuer auf Getränke oder dem Einfrieren des CO₂-Preises – sei notwendig, um den Betrieben überhaupt den betriebswirtschaftlichen Spielraum für eine neue Preisdisziplin zu geben. Ohne diesen Rahmen bliebe die dringend benötigte „Wertlogik“ unerreicht.

Um die „strukturelle Atomisierung“ der Branche zu beenden, geht Iserlohe in die Offensive: Er fordert eine institutionelle Aufwertung. Dies reiche von der Einsetzung eines eigenen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium bis hin zu einer eigenständigen ministeriellen Verankerung.

Differenzierung als strategischer Ansatz

Die vorliegenden Texte verdeutlichen zwei unterschiedliche Analyseebenen: Eine operative Sicht, die individuelle Managemententscheidungen und eine branchenweite Preispolitik kritisiert, sowie eine politische Sicht, die systemische Belastungen und regulatorische Rahmenbedingungen adressiert. Auf Nachfrage der Redaktion unterstreicht Iserlohe, dass diese Differenzierung bewusst gewählt wurde, um sowohl die Eigenverantwortung der Unternehmer als auch die Verantwortung der Politik für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sichtbar zu machen. Damit stellt er die These auf, dass eine nachhaltige Erholung der Branche nur durch ein Zusammenspiel von betriebswirtschaftlicher Preisdisziplin und struktureller politischer Entlastung möglich ist.


 

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