Google beendet Test mit eingeschränkter Hotelsuche in Deutschland

| Hotellerie Hotellerie

Im Streit um die Auslegung des europäischen Digitalgesetzes DMA hat Google ein Experiment vorzeitig beendet, bei dem zahlreiche Direktangebote bei der Hotelsuche aus den Suchergebnissen entfernt wurden. Der Test habe gezeigt, so Google, dass die von Konkurrenten geforderte Entfernung von Direktbuchungslinks sowohl den Nutzern als auch den Hotels schade.

„Aufgrund der negativen Auswirkungen, die wir bereits festgestellt haben, haben wir den Test abgebrochen“, erklärte Oliver Bethell, Chef-Justiziar der Suchmaschine, in einem Blog-Beitrag.

Vor dem Experiment hatte die Google-Hotelsuche neben Links zu Vergleichsportalen wie Booking.com oder Check24 auch hervorgehobene Direktlinks zu Hotels angezeigt. Diese wurden während des Tests durch eine schlichtere Darstellung ersetzt, die lediglich eine Liste von Links zu Hotel-Websites ohne zusätzliche Funktionen zeigte - „ähnlich wie bei unserem alten ‚zehn blaue Links‘-Format von vor Jahren“, so Bethell.

Um den Anforderungen des Digital Markets Act (DMA) der EU gerecht zu werden, entfernte Google in den letzten Wochen in Deutschland, Belgien und Estland testweise einige Angebote aus den Suchergebnissen für Hotels.
Von Buchungs- und Vergleichsportalen werden weitere Änderungen bei Google derzeit wohl massiv bei der Europäischen Kommission eingefordert, wie berichtet wird. Die Plattformen hätten sich massiv darüber beschwert, dass Google die eigenen Angebote zur Buchung von Hotels, Flügen oder Reisen gegenüber Konkurrenten bevorzugt ausspiele. Jetzt gehe den Vermittlern darum, Google daran zu hindern, vertikale Reiselösungen (Google Flüge, Google Hotel Ads) anzubieten. (Tageskarte kommentierte)

Die Auswirkungen des Verzichts auf diese Buchungslinks waren spürbar: Die Hotelabfragen insgesamt gingen zurück, vor allem bei den Hotels selbst. „Den stärksten Rückgang verzeichneten die Hotels selbst (mehr als zehn Prozent), wovon Hunderttausende von europäischen Hotels betroffen waren“, erklärte Bethell weiter. Der Verkehr auf die Vermittlungsportale blieb hingegen weitgehend konstant. Der Traffic auf den Vermittlungsportalen blieb dagegen weitgehend konstant.

Für Verbraucher bedeutete diese Änderung weniger Transparenz, Auswahl und Komfort. Für Hotels, insbesondere unabhängige Betreiber und kleine Unternehmen, erschwert der Rückfall zu einfachen blauen Links auf den Suchergebnisseiten den Wettbewerb: Ihre Sichtbarkeit wird verringert und die Abhängigkeit von Drittanbieter-Plattformen nimmt weiter zu.

Auch Google stand nicht hinter dieser Maßnahme: „Wir sind mit diesem Schritt sehr zögerlich, da die Abschaffung hilfreicher Funktionen weder den Verbrauchern noch den Unternehmen nützt“, erläuterte Oliver Bethell in einem Blogpost. Das solle der Test deutlich machen. Nach Abschluss des Tests würden die Ergebnisse wieder normal angezeigt. Wie lange der Test exakt dauern wird, teilte Google nicht mit. 

Auch der Hotelverband in Deutschland war wegen des Tests auf der Zinne. Verbands-Boss Otto Lindner warnte: „Die Hotellerie ist auf einen ausgewogenen Zugang zu Verbrauchern bei der Online-Suche angewiesen. Leider haben jüngste Änderungen in der Google-Suche bereits zu einer Verringerung des Traffics und damit der Chancen für Direktbuchungen geführt. Es ist inakzeptabel, wenn ausgerechnet dominante Online-Plattformen durch die DMA-Umsetzung auch noch bevorzugt und unabhängige Hotels faktisch unsichtbar werden sollen.“


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Hotelkonzern Accor hat eine Absichtserklärung zum Verkauf seiner Beteiligung an Essendi (ehemals AccorInvest) unterzeichnet. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der Anteil von 30,56 Prozent an ein Konsortium aus Blackstone und Colony IM veräußert werden.

Das Vertrauen in den europäischen Hotelmarkt bleibt hoch: 86 Prozent der Investoren planen, ihre Kapitalallokation im Jahr 2026 beizubehalten oder zu erhöhen. Das geht aus dem „European Hotel Investor Compass 2026“ von Cushman & Wakefield hervor, wie das Unternehmen mitteilt.

Arcotel hat am 1. April 2026 ein neues Hotel in der Linzer Tabakfabrik eröffnet. Das Haus im Quadrill Tower umfasst 189 Zimmer und Konferenzflächen.

Kempinski Hotels plant die Übernahme des Augustine Hotels in Prag. Es ist die erste Akquisition der Gruppe seit mehr als 50 Jahren. Das Augustine Hotel liegt im Prager Stadtteil Malá Strana in unmittelbarer Nähe zum Waldstein-Garten.

Signo Hospitality senkt durch den Einsatz wassersparender Duscheinsätze in sechs Hotels den jährlichen Wasserverbrauch um 11,5 Millionen Liter und reduziert die Energiekosten um über 100.000 Euro.

Eine Analyse von Christie & Co zeigt für 2025 eine stabile Entwicklung der Stadthotellerie in Österreich. Gleichzeitig treten Unterschiede zwischen den wichtigsten Stadtmärkten deutlicher hervor.

Das Hamburger Hotel Louis C. Jacob identifiziert zum 235. Jubiläum das anonyme Mädchen auf Max Liebermanns berühmtem Terrassen-Gemälde als Irma Jacob. Die Klärung der Identität gelang durch Dokumente und Erzählungen eines Nachfahren in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle.

Living Hotels schließt die 20 Millionen Euro teure Modernisierung von 254 Maisonetten und Studios an vier Standorten ab. Im Fokus der Neugestaltung stehen veränderte Grundrisse, vergrößerte Badezimmer und in den Wohnraum integrierte Küchen.

Global Living übernimmt den Betrieb von 71 Serviced Apartments im Buchner Haus in Passau. Der Start des Testbetriebs ist für Mai 2026 vorgesehen, die vollständige Vermietung folgt schrittweise bis Juli.

Marriott International plant gemeinsam mit der italienischen Marke Lefay ein Gemeinschaftsunternehmen. Ziel ist die Integration und internationale Expansion der Wellness-Hotelmarke.