Höchststand bei Übernachtungen trifft auf Debatte über Überkapazitäten

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Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand bei den Übernachtungen erreicht. Zugleich lag die Zahl der mehrtägigen Geschäftsreisen 2025 fast wieder auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Marco Nussbaum, Hotelier, Unternehmer und Vorstandsmitglied des Hotelverbandes Deutschland (IHA), berichtet bei LinkedIn von ersten CEOs und Hoteliers in der Business Hotellerie, die sich wegen fehlender Belegung mit Kurzarbeit beschäftigten. Er fordert eine Diskussion über „investorengetriebene Überkapazitäten“.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verbuchten die Beherbergungsbetriebe im ersten Halbjahr 2026 223,8 Millionen Übernachtungen. Das waren 0,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 223,1 Millionen Übernachtungen und nach Angaben der Behörde ein neuer Höchststand für ein erstes Halbjahr. Im Juni 2026 lagen die Übernachtungen mit 48,9 Millionen dagegen 2,9 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Geschäftsreisen nähern sich wieder dem Niveau vor der Pandemie

Auch bei den mehrtägigen Geschäftsreisen meldet Destatis eine Zunahme. Die Zahl der Geschäftsreisen mit mindestens einer Übernachtung stieg 2025 gegenüber 2024 um 10,5 Prozent auf 41 Millionen. Damit lag die Zahl der dienstlichen Reisen nach Angaben der Behörde nur noch 0,2 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) weist in seiner Geschäftsreiseanalyse 2026 nach einer anderen Erhebung für 2025 116,1 Millionen Geschäftsreisen aus. Das waren 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittlichen Kosten pro Reise seien gleichzeitig um 4,8 Prozent auf 418 Euro gesunken.

Nussbaum berichtet von Belegungsproblemen und Überlegungen zur Kurzarbeit

Nussbaum äußerte sich auf LinkedIn zu einem Artikel des Spiegel vom 12. August 2026 über sinkende Hotelzimmerpreise in Deutschland. Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, hatte den Beitrag auf LinkedIn als „lesenswert“ bezeichnet und dessen letzten Absatz zitiert.

Nussbaum verweist unter Berufung auf den Spiegel auf eine bundesweite Auslastung von 65,3 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Gleichzeitig gerieten Raten und RevPAR deutlich unter Druck, während die Kosten für Löhne, Energie und Pachten weiter stiegen, schreibt er.

Nussbaum berichtet zudem: „Ich höre inzwischen von ersten CEOs und Hoteliers, die sich in der Business Hotellerie ernsthaft mit dem Gedanken an Kurzarbeit beschäftigen, weil schlicht die Belegung fehlt.“ Konkrete Unternehmen oder Personen nennt er nicht.

Nussbaum führt weitere Hotelentwicklungen auf Investorenlogiken zurück

Einen weiteren Aspekt der Diskussion sieht Nussbaum in der Entwicklung neuer Hotels. „Die Entwicklung neuer Hotels ist heute vielerorts kaum noch von Hotellerie und Operations getrieben, sondern von Investorenlogiken.“

Viele Geschäftsmodelle seien auf Wachstum, Skalierung und irgendwann auf einen Exit ausgerichtet. Dafür brauche es neue Standorte, neue Zimmer und neue Projekte. Deshalb werde weiter expandiert, „teilweise unabhängig davon, ob die Nachfrage im jeweiligen Markt im gleichen Tempo wächst“.

„Wir müssen deshalb auch über investorengetriebene Überkapazitäten sprechen“, schreibt Nussbaum. In Verbindung mit der wirtschaftlichen Situation in Deutschland entstehe eine Gemengelage, die für die Branche „alles andere als einfach“ werde. Als Markt, der positiv heraussteche, nennt er Hamburg.

VDR meldet steigende Geschäftsreisen und weitere Wachstumserwartungen

Zum Zeitpunkt der VDR-Befragung erwarteten 62 Prozent der Unternehmen für 2026 ein weiteres Wachstum der Geschäftsreisen, während vier Prozent mit einem Rückgang rechneten. Die Befragung fand im Januar und Februar 2026 statt. Der VDR weist darauf hin, dass die Erhebung vor Ausbruch des Kriegs im Iran erfolgt sei.

Der Verband berichtet außerdem, dass die Kostenanteile für Hotel und Verpflegung gestiegen seien, während die Transportkosten leicht gesunken seien. Mehr als drei Viertel aller Geschäftsreisen entfielen auf Unternehmen mit zehn bis 500 Beschäftigten.

Dalig verweist auf Neuentwicklungen und die VDR-Geschäftsreiseanalyse

In den Kommentaren zu Nussbaums Beitrag greift Sascha Dalig dessen Aussagen zur Investorenlogik auf. „Gerade Investoren sehen in den Hotels eine höhere Marge als im Bereich Wohnen oder Büro und deswegen sind sie Hotelgetrieben, nicht aus Liebe zur Branchen“, schreibt Dalig.

Für Betreiber seien Investorenlogiken oft schwer nachzuvollziehen, da sie auf ihr Geschäftsmodell schauten und die Investorenseite nicht durchblickten. Mit Blick auf die von Nussbaum angesprochene Kurzarbeit schreibt Dalig: „Wenn man zu den Neuentwicklungen in Städten die VDR Geschäftsreiseanalyse nimmt, kann ich das Kurzarbeitsthema verstehen.“

Weitere Kommentare zu Nussbaums Beitrag verweisen sinngemäß auf die Möglichkeit der Privathotellerie, individueller auf lokale Marktbedingungen zu reagieren. Gerade in B-Städten lasse sich aus vorhandenem Potenzial für Gastronomie oder Veranstaltungen nicht automatisch ableiten, dass auch ein zusätzliches Business Hotel funktioniere. Zudem werden Möglichkeiten für regionale Betreiber mit technologischer Expertise gesehen.

Nussbaum sieht Chancen für Privathotels und regionale Hotelgruppen

Nussbaum hält eine „Renaissance der Privathotellerie und kleinerer regionaler Hotelgruppen“ für möglich, vorausgesetzt, diese machten ihre Hausaufgaben. Dort, wo Eigentümer, Betreiber und Unternehmer noch sehr nah am Produkt, am Gast und am Markt seien, sehe er „durchaus große Chancen“.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung schreibt Nussbaum: „Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie sich der Markt in den kommenden Jahren bereinigt. Einfach wird es nicht.“

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

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