Kiel plant Bettensteuer

| Hotellerie Hotellerie

Die Kieler Ratsversammlung hat den Haushalt für das Jahr 2026 beschlossen und damit die Einführung der umstrittenen Bettensteuer bestätigt. Die Entscheidung erfolgte trotz starker Bedenken und Kritik von Wirtschaftsvertretern, insbesondere aus der Hotellerie und Gastronomie.

Der Haushalt weist ein Rekorddefizit von 99 Millionen Euro auf, das laut Kiels scheidendem Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) die "größte kommunale Finanzierungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg" darstellt.

Fünf Prozent Aufschlag auf Übernachtungen

Als zentrale Maßnahme zur Generierung neuer Einnahmen soll die Bettensteuer ab dem 1. Oktober 2026 greifen. Sie sieht einen Aufschlag von fünf Prozent auf Übernachtungen in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen vor. Die Stadt Kiel erwartet durch diese Abgabe jährliche Einnahmen von rund zwei Millionen Euro. Die Ursache für die angespannte Haushaltslage sieht die Stadt primär im kommunalen Finanzausgleich, der sich nachteilig auf mittelgroße und große Städte auswirke.

Kritik der Wirtschaft: "Falsches Signal zum falschen Zeitpunkt"

Die Entscheidung wird von der Wirtschaft scharf kritisiert, da die Bettensteuer eine zusätzliche Belastung für die Gastgeber darstellt.

Malte Gertenbach, Hotelier und Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats Kiel, äußerte sich enttäuscht: "Die Einführung der Bettensteuer ist ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt. Wir müssen die Kieler Gastgeber stärken, statt sie zu schröpfen. Per Gewerbesteuer beteiligt sich die Branche am Haushalt; die Sonderbelastung für Beherbergungsbetriebe ist nicht fair."

Gertenbach betonte, dass die Betriebe bereits unter gestiegenen Kosten ächzten, die nicht vollständig an die Gäste weitergegeben werden könnten. Er wies zudem auf den erhöhten bürokratischen Aufwand hin: "Laut Berechnungen der IHK bedeutet die Bettensteuer für ein mittelgroßes Hotel mit 100 Zimmern eine Mehrbelastung von circa 1.000 Euro pro Monat beziehungsweise 12.000 Euro pro Jahr – allein für den administrativen Aufwand."

Auch IHK-Präsident Knud Hansen kritisierte die Politik für die Entscheidung, die entgegen einer anfänglichen Empfehlung der Verwaltungsspitze getroffen wurde: "Dass sich die Politik nicht traut, den Rotstift anzusetzen und stattdessen weiter Personal und Bürokratie für eine neue Steuer aufbaut, ist ein schlechtes Zeichen an die gesamte Kieler Wirtschaft."

Besondere Verwunderung äußerte Hansen über die geplanten Verwaltungskosten in Höhe von 210.000 Euro für lediglich zwei neue Sachbearbeitungsstellen.

Verwendung der Einnahmen und weitere Sparmaßnahmen

Von den erwarteten zwei Millionen Euro aus der Bettensteuer sollen eine Million Euro direkt in die touristische Infrastruktur der Stadt fließen. Hierbei soll die Branche über die Verwendung der Mittel mitentscheiden können. Hotelier Malte Gertenbach forderte im Hinblick auf das geplante Beratungsgremium: "Wir stehen bereit für das geplante Beratungsgremium. Aber wenn die Steuer nun kommt, muss sichergestellt sein, dass die Gelder für touristische Infrastruktur auch wirklich sinnvoll eingesetzt werden." Er forderte außerdem die Zusage, dass diese Million zusätzlich zu den bestehenden Ausgaben bereitgestellt wird und keine Umschichtung im Haushalt erfolgt.

Weitere Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts umfassen Einsparungen im sozialen Bereich sowie ab April 2026 eine Tariferhöhung bei der Sprottenflotte. Anträge zur Einstellung verschiedener Kosten für die geplante Stadtbahn wurden hingegen abgelehnt.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Hotelvereinigung Small Luxury Hotels of the World verzeichnet im ersten Quartal 2026 einen Zuwachs von 29 Mitgliedshäusern. Das globale Netzwerk wächst damit auf insgesamt über 700 Standorte in 100 Ländern an.

Nach der Insolvenz der Revo Hospitality Group übernimmt Proark vier Hotels in Deutschland. Der Betreiber plant laut Mitteilung Modernisierungen und eine Weiterführung der Standorte.

Accor hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 1,313 Milliarden Euro erzielt. Der RevPAR legte nach Angaben des Unternehmens um 5,1 Prozent zu. Das Geschäft habe sich in einem durch den Konflikt im Nahen Osten belasteten Umfeld entwickelt.

Mit der Eröffnung des Conrad Athens The Ilisian bringt Hilton seine Luxusmarke Conrad erstmals nach Griechenland. Das ehemalige Hilton Athens wurde dafür vollständig umgestaltet und bietet nun neben 278 Zimmern umfangreiche Wellness- und Gastronomieangebote.

Die italienische Wettbewerbsbehörde untersucht Booking.com wegen des Verdachts auf irreführende Geschäftspraktiken bei Partnerprogrammen. Im Zentrum stehen Vorwürfe, nach denen Sichtbarkeit auf der Plattform gegen höhere Provisionen statt echter Qualität gewährt wird.

Condé Nast Traveller präsentiert zum 30. Mal seine Auswahl der weltweit besten neuen Hotels. In Europa überzeugen vor allem Projekte in historischen Gebäuden und nachhaltige Konzepte in Metropolen wie Frankfurt, Wien und Rom.

Der Scheelehof in Stralsund soll nach der Insolvenz im Verbund der Lieblingsplatz Hotels weitergeführt werden. Laut Pressemitteilung übernimmt Lieblingsplatz Hotels dabei die Rolle des System- und Konzeptgebers, während der operative Betrieb durch einen Betreiber aus dem Umfeld der Gruppe erfolgen soll.

Pressemitteilung

DIRS21 und ibelsa laden zur dritten Auflage des Branchenevents Hotelrizon am 18. Juni 2026 an den Blackfoot Beach nach Köln ein. Die Veranstaltung richtet sich gezielt an Hoteliers und Entscheider in der Privathotellerie und bietet einen praxisnahen Überblick über die neuesten Technologien und Strategien im modernen Hotelbetrieb.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group hat das Falkensteiner Resort Capo Boi auf Sardinien übernommen. Nach zehn Jahren als Betreiber geht die Anlage nun vollständig in den Besitz des Unternehmens über.

Mit der Eröffnung von Terminal 3 am Flughafen Frankfurt hat das IntercityHotel einen neuen Standort direkt am Terminal in Betrieb genommen. Das Unternehmen verweist auf kurze Wege und ein Eröffnungsangebot für Gäste.