Kongresse und Feste: Großstädte in Rhein-Main wollen mehr Touristen

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In den fünf größten Städten im Rhein-Main-Gebiet übernachten rund 13,5 Millionen Besucher im Jahr. Mit unterschiedlichen Strategien wollen diese Großstädte noch mehr Touristen und Geschäftsreisende gewinnen - jede für sich.

Die neue Frankfurter Altstadt und die Skyline, der Neroberg, der Mainzer Dom und die Gutenberg-Bibeln, die Mathildenhöhe und das Ledermuseum: Die fünf größten Städte im Rhein-Main-Gebiet - Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und Offenbach - bieten eine Reihe ganz unterschiedlicher Attraktionen. Alle fünf wollen noch mehr Besucher anziehen - dabei setzt jede Großstadt auf eine eigene Ziele, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Der anhaltende Boom bei Kurz- und Städtereisen bietet nach Potenzial: «Kurzreisen und Tagestourismus nehmen weiter zu. Dabei sind große Städte besonders gefragt, auch in Deutschland», sagt Tourismusforscher Philipp Wagner vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Kiel. Allerdings: «Im Rhein-Main-Gebiet findet sich keine Stadt unter den Top-Zielen.» Attraktivste Stadt für Kurzreisen im Inland sei nach wie vor Berlin. Fast zehn Prozent aller Kurzreisen der Bundesbürger in Deutschland hätten die Bundeshauptstadt als Ziel. Nach Frankfurt seien es weniger als ein Prozent, nach Mainz 0,3 Prozent - die anderen drei Städte kommen in der Erhebung nicht vor.

Ines Philipp von der Tourismus und Congress GmbH in Frankfurt sieht jedoch auch Wachstum aus dem Ausland: «Frankfurt gehört seit Jahren im deutschlandweiten Vergleich mit einem Anteil von 44,6 Prozent der Übernachtungen aus dem Ausland zu den internationalsten Städten.» Die meisten ausländischen Besucher kämen aus Übersee - vor allem aus den USA und China. Frankfurt und die anderen vier Großstädte hoffen auch auf mehr Geschäftsreisende bei Messen und Kongressen. Eine große Rolle spielen aber auch zahlreiche Feste - sowie der Wein aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Rheingau.

FRANKFURT: Die Metropole am Main zählte im vergangenen Jahr fast 10,15 Millionen Übernachtungen. Fünf Jahre zuvor waren es nur 7,5 Millionen. Bis 2022 sollen es an die 12 Millionen werden, im laufenden Jahr wird ein Plus von zwei bis drei Prozent erwartet, wie Philipp sagt. Die Verweildauer hat sich von 2013 bis 2018 nur leicht erhöht, von durchschnittlich 1,67 auf 1,71 Tage.

Um noch mehr Besucher anzuziehen, richtet sich die Stadt mit ihren rund 753 000 Einwohnern nach verschiedenen Zielgruppen und wirbt gezielt mit unterschiedlichen Schwerpunkten, wie etwa als Internationalen Finaz- und Wirtschaftsstandort, als Messe-, Kongress- und Handelsplatz oder als attraktive Shopping-Metropole. Sie stellt aber auch die Hochhausarchitektur und die neue Altstadt in den Vordergrund oder wirbt mit Festkultur, traditioneller und internationaler Gastronomie sowie mit ihrer Geschichte und medizinischen Fachinstituten. Mit «der Schärfung des Profils als Kulturmetropole» sollen mehr Städtereisende erreicht werden. Studien zeigten, das Feste und Veranstaltungen in der Stadt zudem ein wichtiger Reiseanlass für Touristen seien.

OFFENBACH: Die Frankfurter Nachbarstadt mit ihren etwa 129 000 Menschen zählte im vergangenen Jahr mehr als 535 000 Übernachtungen - ein deutliches Plus von rund 148 000 gegenüber 2013, wie Stadtsprecher Fabian El Cheikh sagt. Im Durchschnitt bleiben die Menschen 2,1 Tage. Offenbach profitiert vor allem von der großen Nähe zu Frankfurt, insbesondere viele Messegäste steigen in der Lederstadt ab. Die halbjährliche Lederwarenmesse ziehe aber auch viele Reisende an. Touristische Anziehungspunkte seien das Ledermuseum und der Wetterpark des Deutschen Wetterdienstes. Eine bestimmte Vermarktungsstrategie mit einem konkreten Ziel an Übernachtungen oder Gästen verfolgt die kleinste der fünf Großstädte in der Region nicht

WIESBADEN: Die Zahl der Übernachtungen in der Landeshauptstadt am Rhein ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 1,128 Millionen auf 1,251 gestiegen. Ziel sind 1,5 Millionen Übernachtungen, wie Simone Zagrodnik von der Wiesbaden Marketing GmbH sagt. 2,2 Nächte bleiben die Besucher im Schnitt, etwas länger als 2013 (2,0 Nächte). Fast jeder vierte Besucher stammt aus dem Ausland, die meisten aus den USA gefolgt von den Arabischen Golfstaaten und Großbritannien.

Neben dem Kurhaus, dem Theater, dem Landtag und dem Museum mit seiner neuen Jugendstilsparte zieht es die meisten Menschen auf den Neroberg mit seiner Seilbahn und der Russischen Kirche. Beliebt seien aber auch die vielfältigen Veranstaltungen zum Thema «Kulinarik und Wein», wie etwa die Führungen in der Sektkellerei Henkell und die Rheingauer Weinwoche - sowie Rundgänge zum Thema Weltkurstadt des 19. Jahrhunderts. Die internationalen Maifestspiele und das Rheingau Musik Festival locken ebenfalls viele Menschen in die Region und die Stadt mit ihren rund 291 000 Einwohnern. Um mehr Touristen zu gewinnen sind auch einige neue Hotels geplant.

MAINZ: Die andere Landeshauptstadt auf der anderen Rheinseite mit ihren etwa 215 000 Bewohnern will in den nächsten Jahren eine Millionen Übernachtungen erreichen und hofft auf eine kontinuierliche Steigerung von drei Prozent pro Jahr. 2018 wurden rund 906 700 Übernachtungen in Mainz gezählt - gut 13 300 mehr als fünf Jahre zuvor. Es kamen etwa 601 160 Besucher (etwa 27 700 mehr als 2013) und sie blieben im Durchschnitt 1,51 Tage - ungefähr genauso lange wie vor fünf Jahren. 30 Prozent der Touristen kamen aus dem Ausland, vor allem aus den USA, Kanada, China, Großbritannien und der Schweiz.

Hauptattraktionen sind der Dom, das Gutenberg-Museum, die St.-Stephans-Kirche mit den einzigen in Deutschland von Marc Chagall (1887-1985) gestalteten Fenstern. Aber auch die Altstadt, das Rheinufer und der ZDF-Fernsehgarten ziehen Besucher an, wie Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr sagt.

Um mehr Touristen zu gewinnen, setzt Mainz auf zahlreiche Feste und die wachsende Flusskreuzschifffahrt. Dies sei eine Nische, die aber eher wächst, sagt Tourismusforscher Wagner. «Der Rhein ist besonders geeignet für Flusskreuzschifffahrten in Deutschland.» Zielgruppe seien allerdings vor allem Menschen in der Altersgruppe 70plus. Als «Weinhauptstadt Deutschlands», als «Kulturhochburg» sowie als Tagungsstadt will Mainz auch punkten.

DARMSTADT: Die südhessische Großstadt zählte 2018 rund 707 139 Übernachtungen - das waren gut 112 600 mehr als fünf Jahre zuvor. Die Zahl von 700 000 Übernachtungen sei bisher zweimal überschritten worden. «Diese Zahl möchten wir gerne beibehalten und weiter ausbauen», sagt Agnes Allig vom Stadt- und Tourismusmarketing. Die Zahl der ausländischen Gäste sei auf fast ein Drittel gestiegen. Die Besucher bleiben im Durchschnitt 2,0 Tage, etwas länger als 2013 (1,9 Tage).

Potenzial für mehr Besucher sieht die Stadt mit ihren rund 160 000 Einwohnern noch bei Geschäftsreisen, Tagungen und Kongressen. Zudem hofft sie 2020 auf den UNESCO Welterbetitel für die Mathildenhöhe - und damit vor allem an den Wochenenden auf mehr Touristen. Die historische Künstlerkolonie ist schon jetzt eine der Hauptattraktionen der Stadt am Tor zum Odenwald. Dazu kommen das Hessische Landesmuseum und das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC sowie mehrere große Feste, darunter vor allem das Heinerfest - eines der größten Innenstadtfeste in Deutschland - mit mehreren hunderttausend Besuchern. (dpa)

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