Langzeitstudie offenbart digitale Entwicklung in der Hotellerie

| Hotellerie Hotellerie

Das Tourismusinstitut der HES-SO Valais-Wallis hat eine wegweisende Untersuchung zur digitalen Entwicklung des Beherbergungssektors im Kanton Wallis veröffentlicht. Die Autoren Prof. Roland Schegg, Sherine Seppey und Vincent Raisière analysierten für den Zeitraum von 2000 bis 2025 die technologische Anpassung von fast 400 Hotelbetrieben. Die Studie mit dem Titel Von offline zu online belegt, dass der digitale Wandel in der Region in spezifischen Wellen verlief. Dabei zeigten die Hoteliers eine deutliche Präferenz für die Steigerung der Online-Sichtbarkeit, während die technische Abwicklung von Buchungen erst verzögert an Bedeutung gewann.

Methodik und datengestützte Analyse

Die Untersuchung ist Bestandteil des Projekts Resilient Tourism von Innosuisse. Ziel ist es, eine datenbasierte Transformation innerhalb des Schweizer Tourismusökosystems zu fördern. Für die Erhebung nutzten die Forscher eine neuartige Methodik aus historischer Webarchivanalyse und automatisierten Data-Scraping-Skripten. Auf diese Weise wurde ein präziser Zeitplan der Digitalisierung erstellt, der die Einführung von Hotelwebsites, Online-Buchungsmaschinen sowie Verknüpfungen zu sozialen Netzwerken umfasst. Die Ergebnisse basieren auf Daten derzeit aktiver Hotels, wobei methodische Faktoren wie Domainwechsel oder Betriebsschließungen in der Langzeitbetrachtung berücksichtigt wurden.

Die Website als Fundament der digitalen Präsenz

Die erste große Innovationswelle startete Anfang der 2000er Jahre mit der Verbreitung von Hotelwebsites. Bis zum Jahr 2010 bildete dieser Prozess die Grundlage für alle weiteren digitalen Schritte. Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Phase ist ihr basisdemokratischer Charakter. Die Nutzung eigener Internetseiten war relativ gleichmäßig über alle Hotelsegmente verteilt. Überraschenderweise zählten auch kleinere und nicht klassifizierte Betriebe zu den frühen Anwendern. Eine grundlegende Online-Präsenz wurde als unverzichtbar für die Marktsichtbarkeit wahrgenommen und war auch mit geringen finanziellen Mitteln realisierbar. Mittelgroße Hotels mit 20 bis 40 Zimmern nahmen hierbei über den gesamten Zeitraum eine führende Rolle ein.

Strategische Priorisierung der sozialen Medien

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die zeitliche Verzögerung bei der Integration von Buchungssystemen. Obwohl diese technisch bereits früh verfügbar waren, stieg ihre Verbreitung erst nach 2012 massiv an, als die Werkzeuge erschwinglicher und einfacher in der Handhabung wurden. Im Gegensatz dazu erlebten soziale Medien, insbesondere Facebook, ab 2010 einen rasanten Aufstieg. Bereits im Jahr 2015 überholte die Präsenz von Social-Media-Links die Integration von Buchungsmaschinen auf den hoteleigenen Seiten. Diese umgekehrte Zeitachse spiegelt eine klare strategische Logik wider: Die Betriebe investierten bevorzugt in kostengünstige Kundenbindung und Reichweite, bevor sie die operativ komplexere Herausforderung der Direktreservierung angingen.

Wandel der Plattformen und digitale Reife

Innerhalb der digitalen Kommunikation hat sich der Fokus der Hotels spürbar verschoben. Während das Wachstum von Facebook stagniert, verzeichnet Instagram seit 2018 die stärksten Zuwachsraten. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von visuellem Branding und bildstarker Kommunikation. Parallel dazu gewannen Plattformen wie Tripadvisor und YouTube an Relevanz, was den Stellenwert der Online-Reputation und immersiver Inhalte verdeutlicht. Die Studie warnt jedoch davor, eine hohe Sättigung bei Basistechnologien mit echter digitaler Reife gleichzusetzen. Viele Hotels nutzen derzeit noch veraltete oder unzureichend verknüpfte Systeme, was die Effizienz der digitalen Strategie mindert.

Handlungsempfehlungen für das Tourismusökosystem

Die historische Perspektive der Untersuchung dient als strategischer Fahrplan für künftige Entwicklungen im Walliser Tourismus. Da die reine Online-Präsenz inzwischen fast vollständig erreicht ist, liegt die nächste Herausforderung in der Optimierung der Funktionalität und Qualität. Zukünftige Innovationswellen werden durch künstliche Intelligenz, dynamische Preisgestaltung und fortschrittliche CRM-Systeme geprägt sein. Um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche zu gewährleisten, ist eine gezielte Unterstützung für ressourcenarme Betriebe notwendig. Nur durch maßgeschneiderte Schulungen und finanzielle Hilfestellungen kann die digitale Kluft überwunden und eine resiliente Zukunft für alle Akteure im Wallis gestaltet werden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Münchner Luxushotel Bayerischer Hof hat die umfassende Modernisierung seiner Lobby abgeschlossen. In einer sechsmonatigen Bauphase von Juni bis Dezember 2025 wurde der zentrale Empfangsbereich für insgesamt vier Millionen Euro umgestaltet.

Die Art, wie Gäste Hotels finden und auswählen, verändert sich grundlegend. Ein wichtiger Faktor dieser Entwicklung ist Social GEO (Social Generative Engine Optimization): Die gezielte Optimierung von Social-Media-Inhalten für KI-basierte Such- und Entscheidungssysteme. Ein Gastbeitrag von Philipp Ingenillem.

Das Sunderland Hotel hat den Betrieb zum 26. Januar 2026 eingestellt. Wie der Sauerland Kurier und das Portal Blickpunkt Arnsberg-Sundern-Meschede berichten, herrscht über die Hintergründe der plötzlichen Schließung Uneinigkeit zwischen den Beteiligten.

Emirates und Marriott führen mit dem Emirates Wolgan Valley die weltweit erste Ritz-Carlton Lodge ein. Nach einer mehrjährigen Schließung aufgrund von Infrastrukturschäden wird das Luxusresort für rund 50 Millionen Australische Dollar modernisiert und soll Mitte 2026 wiedereröffnen.

Die Hotelgruppe Minor Hotels treibt ihre globale Expansion voran und hat die erste Immobilie für ihre neue Luxus-Kollektionsmarke Minor Reserve Collection unter Vertrag genommen. Das Aventora Resort Baía Formosa soll im Jahr 2028 im Nordosten Brasiliens eröffnen.

Der Wiener Städtetourismus verzeichnet für das Jahr 2025 das erfolgreichste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit über 20 Millionen Übernachtungen und neuen Bestmarken beim Beherbergungsumsatz festigt die Bundeshauptstadt ihre Position für Kongresse, Kultur und Luxusreisen.

Eine aktuelle Analyse der europäischen Hotelperformance zeigt stabile Umsätze, aber regional stark variierende Margen. Während Spanien und Osteuropa Zuwächse verzeichnen, belasten steigende Betriebskosten die Rentabilität in West- und Nordeuropa.

Die deutsche Tagungswirtschaft steht vor einem Aufschwung: Laut dem neuesten MICE Konjunktur Index blicken 55 Prozent der Hotels optimistisch auf das Jahr 2026. Vor allem die Pharmaindustrie und Kettenhotels treiben die positive Erwartungshaltung an, während regionale Unterschiede zwischen Nord und Süd bestehen bleiben.

Die Marke Handwritten Collection feiert mit dem Hotel Rathauspark Wien ihre Premiere in Österreich. Das modernisierte Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert ist das erste Ergebnis einer neuen strategischen Partnerschaft zwischen Accor und dem Betreiber Verkehrsbuero.

Hyatt expandiert in Portugal und eröffnet mit dem Hyatt Regency Vilamoura Algarve ein neues Resort. Das durch eine Neuausrichtung entstandene Haus bietet umfangreiche Sport-, Wellness- und Tagungskapazitäten an der südportugiesischen Küste.