Niedersachsen: Drohender Personalmangel in vielen Hotels und Restaurants

| Hotellerie Hotellerie

Die lange herbeigesehnte Wiedereröffnung dürfte für etliche Hoteliers und Gastronomen eine unangenehme Kehrseite haben: In vielen niedersächsischen Betrieben fehlen nach all den Monaten im Lockdown jetzt Arbeitskräfte. Zumindest in kurzer Frist könnte es daher schwierig werden, zum Neuanlauf ab kommender Woche genügend Personal an den Start zu bringen, schätzt Rainer Balke, Landeschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands.

Wegen der bisher unklaren Perspektiven habe sich «ein nicht unerheblicher Teil der Mitarbeiter in andere Beschäftigungsbereiche hinein verlagert», sagte Balke der Deutschen Presse-Agentur. «Ob diese nach dem Wiederhochfahren zurückgewonnen werden können, ist höchst unsicher.» Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) hält die Personalsituation in der Branche für derzeit eher schwierig.

Laut Balke ist die große Mehrheit der landesweit rund 100 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des Gastgewerbes noch in Kurzarbeit. Besonders wacklig seien die Aussichten jedoch, wenn man die Lage der ebenfalls gut 100 000 geringfügig Beschäftigten sehe. Etliche hätten finanziell unterstützt werden müssen oder seien in Hartz IV gerutscht. Betriebe merkten, «dass der Neuorientierungsdruck für diese Mitarbeiter noch größer war und ein nicht absehbarer Teil aus ihren Arbeitsverhältnissen ausgestiegen ist».

BA-Regionalchef Johannes Pfeiffer erklärte: «Schon vor Corona waren Fachkräfte mancherorts knapp. Ich erwarte, dass sich ein Teil der bewährten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zwischenzeitlich anders orientiert und nicht zurückkehrt.» Nun beginne für die Betriebe wahrscheinlich ein «Wettbewerb um die besten Kräfte».

Aktuell gebe es laut Arbeitsmarktstatistik in Niedersachsen zwar etwa zehn Mal mehr Arbeitsuchende als offene Stellen in der Hotellerie und Gastronomie. Pfeiffer vermutet, dass sich das aber «sehr schnell ändern» wird – der Fachkräftemangel dürfte gerade jetzt zuschlagen. «Wir gehen davon aus, dass mit den zu erwartenden Öffnungen erheblich mehr Betriebe ihre verwaisten Arbeitsplätze wieder besetzen möchten», sagte er. «Dann kann es auch teilweise wieder schwierig werden.»

An der Nordseeküste deutete sich schon an, dass es zudem Engpässe bei Saisonkräften geben wird. Mit dem Ausfall des Ostergeschäfts im April habe sich ein Großteil dieser Beschäftigten bereits andernorts oder in anderen Branchen wie dem Einzelhandel Arbeit gesucht. Dieses Personal fehle nun dem Gastgewerbe auf den Inseln und am Festland.

Niedersachsen will vom kommenden Montag an mit einem Stufenplan in Lockerungen einsteigen. In Kreisen und Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 soll Tourismus unter Auflagen möglich sein - zunächst nur für niedersächsische Gäste. In Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen sollen Übernachtungen angeboten werden können, allerdings mit einer Kapazitätsbegrenzung von 60 Prozent und gekoppelt an Corona-Tests oder einen Impfnachweis. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Accor-Gruppe schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Gewinnplus ab und übertrifft die eigenen Finanzziele. Während die Lifestyle-Sparte zweistellig wächst, normalisiert sich das Geschäft auf dem deutschen Markt nach einer Schwächephase wieder.

Die Hotelgruppe Dormero expandiert weiter auf dem österreichischen Markt und übernimmt das bisherige Amedia Hotel Wels. Das Haus am Welser Stadtplatz, das vielen noch unter dem Namen Kremsmünsterer Hof bekannt ist, war zuvor Teil der Amedia Hotel GmbH. Diese gehört zur Revo Hotelgruppe und befindet sich derzeit in einem Insolvenzverfahren.

Ein 20-jähriger Hacker hat das Online-Bezahlsystem von Reiseportalen ausgetrickst und Luxus-Suiten für nur einen Cent gemietet. Die Flucht in den Luxus endete für den jungen Spanier schließlich im Madrider Hotel Ritz – auch wegen seiner eigenen Mitteilsamkeit in den sozialen Medien.

Die Revitalisierung des traditionsreichen Dom-Hotels in Köln nimmt weiterhin mehr Zeit in Anspruch als zuletzt geplant. Inzwischen wird die baubehördliche Abnahme des Objekts am Roncalliplatz erst im zweiten Quartal 2026 erwartet. Ursprünglich war eine Eröffnung für Ende 2023 anvisiert worden war.

Das Seehotel Niedernberg reagiert auf wachsende Gästezahlen und eröffnet in der renovierten Orangerie ein zweites Restaurant. Mit Fokus auf Menü-Gäste und verbesserter Akustik schafft das Haus zusätzliche Kapazitäten und mehr Flexibilität für den operativen Betrieb.

Airbnb richtet seine Wachstumsstrategie verstärkt auf die klassische Hotellerie aus. Wie das Unternehmen bekanntgab, soll die stärkere Integration von Boutique- und Individualhotels den adressierbaren Markt signifikant vergrößern.

Das Amtsgericht Charlottenburg hat die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Amedia Hotel GmbH angeordnet und Lucas Flöther zum Verwalter bestellt. Geschäftsführer der Gesellschaft mit Geschäftsanschrift in Österreich, ist Robert Kennedy, der zudem als Managing Director Strategy der Revo Hospitality Group tätig ist.

Die Radisson Hotel Group erweitert ihre Präsenz in der österreichischen Hauptstadt. Gemeinsam mit der Odyssey Hotel Group wurde der Vertrag für das Radisson RED Vienna Danube Riverside unterzeichnet. Das Neubauprojekt soll im Jahr 2029 eröffnen und ist das zweite Haus dieser Marke in Wien.

Das geplante Wellness-Resort in der Metelener Heide rückt näher an die Umsetzung. Laut Architekt Lukas Jocks befindet sich das 80-Betten-Projekt des Investors Johannes Nergiz auf einem guten Weg. Die Planungsphase soll im ersten Halbjahr abgeschlossen sein.

Das Fünf-Sterne-Hotel Interalpen in Telfs in Tirol hat auf Berichte über gravierende Missstände im Küchenbereich reagiert. Nach Veröffentlichungen des Magazins Dossier über den Umgang mit Auszubildenden hat die Geschäftsführung des Hauses auf dem Seefelder Hochplateau arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet.