Premier Inn will Marktführer in Deutschland werden

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Der britische Hotelbetreiber Whitbread plant eine massive Ausweitung seiner Marke Premier Inn auf dem deutschen Markt. Erik Friemuth, Deutschland-Chef von Premier Inn, sieht laut Interview mit ntv im hiesigen Hotelmarkt erhebliches Potenzial für das Budget-Segment. Ziel des Unternehmens sei es, langfristig eine ähnlich dominante Marktstellung wie in Großbritannien zu erreichen.

Marktpotenzial durch Fragmentierung und Stabilität

Seit dem Markteintritt im Jahr 2016 hat Premier Inn mehr als eine Milliarde britische Pfund in Deutschland investiert. Während der britische Markt durch eine hohe Konzentration geprägt ist – Whitbread und der größte Mitbewerber halten dort zusammen rund 70 Prozent Marktanteil –, zeigt sich der deutsche Markt im Budget-Bereich mit einem Marktanteil des Marktführers von etwa sechs Prozent noch stark fragmentiert.

Friemuth betont, dass Deutschland trotz konjunktureller Herausforderungen aufgrund seiner Größe sowie der rechtlichen und wirtschaftlichen Stabilität ein attraktiver Investitionsstandort bleibe. Da das Geschäftsmodell auf dem Kauf von Immobilien oder langfristigen Pachtverträgen von mindestens 20 Jahren basiert, sei die Rechtssicherheit am Standort ein entscheidender Faktor für die langfristigen Verbindlichkeiten des Konzerns.

Strategie: Verdopplung der Kapazitäten bis 2030

Aktuell betreibt Premier Inn in Deutschland 65 Hotels mit rund 12.000 Zimmern. Innerhalb der nächsten vier Jahre soll sich diese Zahl etwa verdoppeln. Da der Neubau eines Hotels in der Regel vier Jahre in Anspruch nimmt, setzt das Unternehmen verstärkt auf die Übernahme bestehender Betriebe. Etwa zwei Drittel des Wachstums sollen durch Akquisitionen generiert werden, während ein Drittel auf Neubauten entfällt.

Hintergrund dieser Dynamik ist laut Friemuth auch der Strukturwandel in der Branche. Viele inhabergeführte Familienbetriebe stünden vor Nachfolgeproblemen oder könnten die massiven Kostensteigerungen als Einzelbetriebe kaum noch auffangen.

Zielgruppen und regionale Ausrichtung

Obwohl die Konjunkturflaute im Segment der Geschäftsreisen und Messen spürbar ist, verzeichnet Premier Inn Wachstum im Freizeitbereich. Besonders die kaufkräftige Gruppe der Senioren sowie eine allgemein steigende Mobilität stützen das Geschäft. Um die angestrebte Marktführerschaft zu erreichen, expandiert die Kette nicht nur in Metropolen, sondern gezielt auch in B- und C-Städte wie Rostock oder Rosenheim. Das Konzept setzt zudem auf Familienfreundlichkeit und eine Spezialisierung auf das Kernprodukt „Schlafkomfort“.

Herausforderungen durch Kosten und Bürokratie

Kritik äußert der Deutschland-Chef an den Rahmenbedingungen. Die Lohnkosten seien im Vergleich zum britischen Markt deutlich höher, was primär an unflexiblen Arbeitszeitmodellen liege. Die Erhöhung des Mindestlohns sorge für Druck auf das gesamte Gehaltsgefüge und zwinge das Unternehmen zu Preisanpassungen, da die Margen in der Hotellerie gering seien.

Zudem behindere die Bürokratie das Wachstum. „Lange Wartezeiten auf Genehmigungen fürs Bauen, Umbauen oder Renovieren bedeuten, dass wir Hotelzimmer in dieser Zeit nicht verkaufen können“, so Friemuth. Dies führe zu zusätzlichen Kapitalkosten.

Effizienzsteigerung durch Technologie

Um dem Kostendruck zu begegnen, setzt Premier Inn verstärkt auf Automatisierung. Während in Großbritannien bereits Roboterstaubsauger im Einsatz sind, wird deren Nutzung nun auch in Deutschland forciert. Im Servicebereich kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz, etwa bei der Reservierung von Zimmern. Dennoch solle das Personal vor Ort nicht vollständig ersetzt werden; Automatisierung werde dort eingesetzt, wo sie den Gästen einen Mehrwert durch schnellere Prozesse, analog zum Online-Check-in bei Flugreisen, bietet.


 

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