Schwieriges Jahr: Berlins Hotelbranche hofft auf die Trendwende

| Hotellerie Hotellerie

Die Berliner Tourismusbranche stellt sich auf ein schwieriges Jahr 2021 ein. Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus- und Kongressgesellschaft Visit Berlin, rechnet erst ab dem Sommer mit einer spürbaren Verbesserung. Bis Ende des Jahres könnte der Berlintourismus nach seiner Einschätzung wieder auf einem Niveau von 50 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 sein, als die Zahl der Gäste bei 14 Millionen und die der Übernachtungen bei 34,1 Millionen lag. «Als erstes kommen die Deutschen wieder», sagte Kieker. «Das Bedürfnis ist da, in die Hauptstadt zu reisen.»

Gerade diejenigen, die 2021 schon eine Impfung hätten, würden sich auch auf die Reise machen. «Wir rechnen im Verlauf des Sommers und des Frühherbstes mit einem echten Ansturm von Leuten.» Die Marktforschung spreche von Revenge travel - ein ausgeprägter Nachholeffekt nach Monaten des Verzichts. «Das sind diejenigen, die zu Hause gefesselt waren, die wollen es dann wissen», sagte Kieker. «Und da wird Berlin ganz oben auf der Liste stehen mit den anderen europäischen Metropolen, mit denen wir uns den Kuchen teilen, wie London, Paris und Rom.»

Auch die Rekordzahlen von 2019 hält Kieker mittelfristig für erreichbar: «Ich schätze, dass wir spätestens 2024 an das Niveau von vor der Krise anknüpfen können.» Danach sei ein moderates Wachstum von zwei bis vier Prozent jährlich realistisch. Sicher ist: 2020 war ein bitteres Jahr für die Berliner Tourismusbranche. Noch liegen die kompletten Daten nicht vor. Kieker rechnet mit fünf Millionen Gästen und rund zwölf Millionen Übernachtungen. Das wäre ein Minus von rund 70 Prozent im Vergleich zu 2019.

Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin (Dehoga), sagte, 2020 sei das schlimmste Jahr gewesen, das er in der Hotellerie je erlebt habe. Und er sieht skeptisch auf die nahe Zukunft: «Der Ausblick auf Januar, Februar, März ist äußerst düster. Wir gehen davon aus, dass sich da wenig tut», sagte er. «Es ist nicht die Zeit für Städtetourismus, und die Messen von der Grünen Woche bis zur ITB sind alle abgesagt.»

Positiv sei zu bewerten, dass die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen hätten. Beim Städtetourismus hält Lengfelder ab April eine Entwicklung zum Besseren für möglich. «Das Messe- und Veranstaltungsgeschäft sehe ich aber auf ganz lange Zeit noch nicht positiv», so der Dehoga-Geschäftsführer.

«Wenn wir 2021 insgesamt eine Zimmerbelegung von 40 Prozent erreichen, wäre das fantastisch», sagte Lengfelder - aber weit unter den 83,8 Prozent von 2019. «Wenn man alle durchgeimpft hat, glaube ich, dass sich der Städtetourismus und auch der Kongressbereich so erholt, dass man die Zahlen von 2019 wieder erreicht.»

Visit-Berlin-Chef Kieker betont, Berlin mache fast ein Drittel der Übernachtungen und über die Hälfte der Umsätze mit Messe- und Kongressgästen. Mit einem Anziehen des Kongress- und Tagungsgeschäftes rechne er ab Herbst diesen Jahres. «Wo sich ein Fragezeichen stellt, ist die Zukunft der großen Messen. Ob die in dieser Größe schnell wiederkehren, daran müssen wir arbeiten, aber ich halte das nicht für sicher.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

CIC Hospitality aus Norwegen übernimmt den Betrieb des Flightgate Munich Airport Hotel in Hallbergmoos bei München. Das Haus mit 212 Zimmern wird künftig unter der Marke Radisson Individuals geführt.

Das frühere Wyndham Grand Salzburg tritt künftig unter der Marke Radisson Blu auf. Das Haus verfügt über 262 Zimmer und 1.785 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und positioniert sich verstärkt im Tagungs- und Geschäftsreisemarkt.

Die DSR Hotel Holding eröffnet am 6. Juli 2026 das neue Henri Hotel Garmisch-Partenkirchen mit 69 Zimmern im ehemaligen Reindl's Partenkirchner Hof. Das neue Haus ist ab sofort buchbar und erweitert das Alpen-Portfolio des Unternehmens.

Das Hotel Gut Ising am Chiemsee investiert in den Bau von zwei neuen Wohngebäuden für seine Angestellten. Bis Oktober entstehen insgesamt 37 Einheiten mit 60 Betten sowie verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen für Auszubildende und Fachkräfte.

Das Webers Hotel im Essener Ruhrturm wird künftig von Signo Hospitality betrieben und schließt sich der Accor-Gruppe an. Ab Ende 2026 sind umfassende Renovierungsarbeiten und ein Markenwechsel des Hauses mit 137 Zimmern geplant.

Eine Studie von HotellerieSuisse zeigt den anhaltend hohen Einfluss von Buchungsplattformen auf die Preisgestaltung in der Schweizer Hotellerie. Hotels berichten zunehmend über Preisunterbietungen und eingeschränkte Kontrolle im digitalen Vertrieb.

Das „Hotel am Sophienpark“ in Baden-Baden soll nach einer umfassenden Modernisierung im Frühjahr 2027 unter dem Namen „The Floris“ weitergeführt werden. Das traditionsreiche Gebäude an der Sophienstraße 14 werde derzeit revitalisiert und als Vier-Sterne-Superior-Hotel neu positioniert.

Das Hotel du Cap-Eden-Roc erweitert sein Angebot 2026 um die Yacht Millesime. Die 37 Meter lange Yacht soll exklusiv Hotelgästen für Fahrten entlang der Mittelmeerküste zur Verfügung stehen.

Mecklenburg-Vorpommern zählte im vorigen Jahr rund acht Millionen Urlauber und etwa 33 Millionen Übernachtungen. Das hohe Niveau soll mindestens gehalten werden. Aber die Branche steht unter Druck.

Die Dormero Gruppe erweitert ihre Präsenz in der Region Mittelfranken und übernimmt das bisherige NH Hotel in Fürth. Das Hotel befindet sich in zentraler Lage direkt am Stadtpark und umfasst insgesamt 118 Zimmer.