St. Wolfgang: Stornierungswelle und konstante Corona-Zahlen

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Die Zahl der Corona-Infektionen im Touristenort St. Wolfgang in Oberösterreich bleibt zunächst bei 62 Fällen. Nach Angaben des Landes sind seit Dienstag alle mehr als 1000 Tests vom Wochenende ausgewertet. Unter den positiv Getesteten seien 56 Mitarbeiter, drei Gäste aus Österreich und drei Jugendliche aus der Umgebung. 

 Allerdings zieht jetzt die Zahl der Stornierungen stark an. „Für August berichten Betriebe von 60 bis 80 Prozent Stornos. Man kann zwar damit rechnen, dass die Quote wieder etwas sinkt, dennoch wird für einige die Hauptsaison gelaufen sein“, berichtet ÖHV-Sprecher Oliver Schenk gegenüber der ahgz.

Jetzt gehe es darum, die Situation in St. Wolfgang zu stabilisieren, sagte die oberösterreichische Gesundheitsministerin Christine Haberlander. «Dabei sind wir nach heutigem Stand auf einem guten Weg.»

Als Ausgangspunkt der Infektionen gelten Feiern junger Saisonmitarbeiter. Betroffen sind den Angaben zufolge 17 Betriebe. Zwei Bars sind geschlossen. Die Sperrstunde wurde zunächst bis 2. August von 1.00 Uhr auf 23.00 Uhr vorverlegt.

Im Bundesland Oberösterreich galt zudem bereits vor dem Corona-Cluster in St. Wolfgang Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Personen, die sich im Zeitraum vom 15. Juli bis jetzt in einem der betroffenen Betriebe oder längere Zeit in der Region mit mehreren Personen in engerem Kontakt aufgehalten haben, wird geraten, ihren Gesundheitszustand genau zu beobachten.

Ein Ausbruch und viele Sorgen - Österreich in heikler Corona-Phase

Das ist bitter. Mitten in der Hochsaison hat sich St. Wolfgang am Wolfgangsee zu einem Corona-Hotspot entwickelt. 56 Mitarbeiter, drei Jugendliche aus der Umgebung und drei Touristen aus Österreich haben sich nach jüngsten Zahlen mit dem Virus angesteckt.

Die Schlagzeilen über die infizierten Saisonkräfte bedrohen das Geschäft im Rest der Saison zumindest in diesem kleinen Ort mit seinen 2700 Gästebetten. Die Entwicklung wirft auch ein Schlaglicht auf eine Strategie, die von der Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) Anfang Juli verkündet worden war: In Österreich sollten sich alle Tourismusmitarbeiter mit Gästekontakt freiwillig fast fortlaufend auf das Coronavirus testen lassen.

150 Millionen Euro stellt der Bund für die Initiative «Sichere Gastfreundschaft» zur Verfügung. 31 000 Mitarbeiter hätten sich dafür inzwischen angemeldet, hieß es aus dem Tourismusministerium am Dienstag. Die Zahl der Tests sei inzwischen dank zuletzt sehr dynamischer Entwicklung auf nun 20 000 gestiegen. Ursprünglich waren wöchentlich 65 000 Tests erhofft worden.

Das «europaweit einzigartige Präventionsprogramm» sollte nicht zuletzt deutsche Urlauber - die wichtigste Gästegruppe - anlocken. Im Juni ging die Zahl der Übernachtungen von Deutschen laut Statistik Austria um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Und es zeigt sich, dass die Umsetzung der Initiative schwieriger ist als gedacht.

Viele Hoteliers und Gastwirte scheuten bisher das Risiko eines positiven Tests - und seine Folgen. Denn Kontaktpersonen eines Corona-Falls droht eine 14-tägige Quarantäne. «Das hindert die Betriebe massiv daran, an den Testungen teilzunehmen», sagt ein Hotelfachmann aus Oberösterreich der Zeitung «Kurier» (Dienstag). Das könne den ganzen Betrieb lahmlegen.

Die Regelung berücksichtige etwaig getroffene Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel eine Plexiglasscheibe an der Rezeption nicht, pflichtet ihm ebenfalls im «Kurier» ein Branchenvertreter aus Tirol bei. «Die Sicherheit steht an erster Stelle. Aber wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, und brauchen praktikable Lösungen.» Er fordert die Möglichkeit, sich aus der Quarantäne freizutesten.

Österreich ist in der Coronakrise seit wenigen Wochen in einer heiklen Phase. Dank des schnellen Lockdowns wurde die Verbreitung des Virus im März und April erfolgreich bekämpft, die Wirtschaft konnte meist deutlich früher als anderswo in der EU wieder starten - zunächst ohne negative Folgen auf die Coronazahlen. Doch ein Ausbruch im Umfeld einer Freikirche im Raum Linz, dem mehr als 200 Infizierte zugeschrieben wurden, deutete Mitte Juli an, dass die Gefahr nicht gebannt war. Rund 1400 Menschen mussten in Quarantäne. Schulen und Kindergärten wurden vorübergehend geschlossen.

Die eigentliche Sorge der Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gilt aber dem Reisen. Das Land hat engste Verbindungen zum Balkan. In der Alpenrepublik leben 530 000 Menschen mit familiären Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien. Viele besuchen im Sommer regelmäßig Verwandte in der alten Heimat.

Der Balkan scheint jedoch inzwischen ein Hoch-Risikogebiet. Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) in Wien, geht von einer Durchseuchung von teils 50 Prozent aus. Im Gegensatz zu den offiziellen Corona-Zahlen seien die wahren Zahlen wohl «ums Zehnfache höher», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Profil». Entsprechend hat Österreich nicht nur die höchste Reisewarnung für die Region ausgesprochen, sondern verlangt verpflichtend einen negativen PCR-Test für Rückkehrer. Eine Durchreise bleibt erlaubt.

Um das Geschehen im Griff zu behalten, soll ab September eine Corona-Ampel auf Bezirksebene für Transparenz sorgen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo allein die Infektionszahlen eine Rolle bei der Einschätzung der Gefahr spielen, sollen in Österreich laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vier Kriterien zurate gezogen werden: die Infektionszahlen im jeweiligen Bezirk, die Klinikkapazitäten, das Verhältnis der positiven zu allen Coronatests sowie die Frage, ob alle Infektionscluster zurückverfolgt werden konnten. Je nach Ergebnis soll die Ampel dann nach dem Vorbild der Lawinenwarnstufen auf Grün, Gelb, Orange oder Rot schalten.

Aktuell sind vor allem Wien und Oberösterreich von der Zunahme der Fälle betroffen. Rund 1000 der 1600 Menschen, die derzeit mit dem Virus infiziert sind, leben in diesen beiden Bundesländern. In Tirol gibt es nur 50 Fälle, in Kärnten gerade einmal zwölf.

Wird das ursprüngliche Ziel aller Schritte zum Maßstab genommen, nämlich eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden, ist Österreich noch meilenweit von einem solchen Zustand entfernt. Am Dienstag lagen österreichweit wegen Corona 79 Menschen im Krankenhaus, davon 16 auf der Intensivstation. Die ausgewiesene Bettenkapazität: 10 662 Normalbetten und 785 Intensivbetten. (Mit Material der dpa)

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