Studie rückt psychisches Wohlbefinden in der Hotellerie in den Mittelpunkt

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Die EHL Hospitality Business School hat ihren „Psychological Well-being in Hospitality Report 2026“ veröffentlicht. Die Untersuchung analysiert, wie die internationale Hotellerie und Gastronomie mit dem Thema psychisches Wohlbefinden von Gästen und Mitarbeitern umgeht. Grundlage des Berichts sind akademische Forschung, Fallstudien sowie 48 Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Hotellerie, Gesundheitswesen und weiteren Bereichen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass psychisches Wohlbefinden in vielen Unternehmen zwar zunehmend thematisiert werde, die praktische Umsetzung jedoch häufig hinter den Erkenntnissen aus Forschung und Praxis zurückbleibe. Der Bericht identifiziert fünf zentrale Entwicklungen, die nach Einschätzung der Verfasser derzeit die Diskussion in der Hospitality-Branche prägen.

Wohlbefinden umfasst mehrere miteinander verbundene Dimensionen

Als erste Entwicklung beschreibt der Bericht einen ganzheitlichen Blick auf Wohlbefinden. Demnach lasse sich Wohlbefinden nicht auf einzelne Angebote wie Fitnessräume, Wellnessbereiche oder Gesundheitsprogramme reduzieren. Vielmehr wirkten körperliche, psychische, emotionale, soziale, spirituelle und finanzielle Faktoren zusammen. Ungleichgewichte in einem Bereich könnten Auswirkungen auf andere Lebensbereiche haben.

Die Autoren verweisen darauf, dass dieser Ansatz sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter gelte. Gleichzeitig werde Wohlbefinden in der Praxis häufig nur über einzelne Maßnahmen adressiert. Viele Unternehmen konzentrierten sich demnach auf Aspekte wie Bewegung, Ernährung oder Entspannung, während ein umfassender Ansatz seltener anzutreffen sei.

Psychische Gesundheit erhält mehr Aufmerksamkeit als bisher

Die zweite Entwicklung betrifft die wachsende Bedeutung von psychischem Wohlbefinden. Laut Bericht habe die Branche in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in sichtbare Wellness-Angebote vorgenommen. Die emotionale Gestaltung von Gästeerlebnissen und die psychologische Sicherheit von Mitarbeitern seien dagegen oftmals weniger stark berücksichtigt worden.

Die Autoren verweisen auf Forschungsergebnisse, wonach psychisches Wohlbefinden eng mit Leistungsfähigkeit, Stressbewältigung, Gesundheit und sozialer Interaktion verbunden sei. Gleichzeitig seien Mitarbeiter in Hotels und Restaurants häufig besonderen Belastungen ausgesetzt. Dazu gehörten emotionale Arbeit, Schichtdienst, hoher Leistungsdruck und lange Arbeitszeiten. Diese Faktoren könnten Burnout, Erschöpfung und Unzufriedenheit begünstigen.

Persönliche Beziehungen gewinnen erneut an Bedeutung

Als dritte Entwicklung beschreibt der Bericht eine Re-Humanisierung der Gastlichkeit. Nach Einschätzung der Autoren habe die zunehmende Standardisierung von Abläufen in vielen Bereichen zu Effizienzgewinnen geführt, gleichzeitig jedoch persönliche Beziehungen in den Hintergrund gedrängt. Gäste könnten unterscheiden, ob Serviceleistungen lediglich abgearbeitet oder mit echter Aufmerksamkeit erbracht würden.

Mehrere Experten verweisen darauf, dass soziale Interaktion, Zugehörigkeit und persönliche Begegnungen wichtige Bestandteile von Wohlbefinden seien. Dies gelte sowohl für Gäste als auch für Mitarbeiter. In einer Zeit zunehmender Digitalisierung könne die Hotellerie Räume schaffen, in denen menschliche Begegnungen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Raumgestaltung beeinflusst Erholung und Stressniveau

Die vierte Entwicklung betrifft die Rolle von Architektur und Raumgestaltung. Der Bericht verweist auf Erkenntnisse aus Neurowissenschaften und Umweltpsychologie, wonach Licht, Farben, Materialien, Naturbezüge und Raumaufteilungen Auswirkungen auf Stressniveau, Konzentration und Erholung haben können. Jede Gestaltungsentscheidung sei damit zugleich auch eine Entscheidung mit Einfluss auf das Wohlbefinden.

Besonders hervorgehoben werden naturnahe Gestaltungskonzepte, sogenannte biophile Designs, sowie Umgebungen, die soziale Kontakte fördern oder bewusst Rückzugsorte schaffen. Nach Angaben der Autoren könnten solche Faktoren zur psychischen Regeneration beitragen.

Gäste suchen verstärkt nach Sinn und Veränderung

Die fünfte Entwicklung beschreibt der Bericht als transformative Hospitality. Nach Darstellung der Autoren stoße ein vor allem auf Effizienz und Standardisierung ausgerichtetes Gastlichkeitsmodell zunehmend an Grenzen. Gäste suchten nicht mehr ausschließlich Komfort, Entspannung und Genuss, sondern auch Erfahrungen, die persönliches Wachstum, neue Perspektiven und Sinnstiftung ermöglichen.

Dabei unterscheiden die Autoren zwischen kurzfristigem Wohlbefinden durch angenehme Erlebnisse und langfristiger Zufriedenheit, die mit Bedeutung, Entwicklung und sozialer Verbundenheit einhergeht. Hotels und touristische Anbieter könnten nach Einschätzung der Experten beide Dimensionen ansprechen und miteinander verbinden.

Autoren empfehlen langfristige Verankerung im Unternehmen

Der Bericht richtet sich an Hoteliers, Investoren, Bildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger. Die Autoren empfehlen, psychisches Wohlbefinden stärker in Unternehmenskultur, Führung, Mitarbeiterentwicklung und Gästekonzepte zu integrieren. Zudem plädieren sie für messbare Kennzahlen, um Fortschritte bei Mitarbeiter- und Gästezufriedenheit nachvollziehbar zu machen.
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