Trotz Pandemie rund halbe Milliarde Euro in Hotels in Deutschland investiert

| Hotellerie Hotellerie

Der deutsche Hotelinvestmentmarkt konnte im ersten Quartal 2021 mit einem Transaktionsvolumen von rund 500 Millionen Euro das beste Transaktionsergebnis der vergangenen drei Quartale erzielen. Im direkten Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres sind die Einbußen mit einem Minus von 50 Prozent jedoch beträchtlich. Auch der Fünf- und Zehnjahresschnitt sind zweistellig unterschritten. 

„Nach wie vor ist die Situation des operativen Hotelgeschäfts prekär. Der anhaltende Lockdown sorgt für eine dramatisch rückläufige Zimmerauslastung sowie für einen ebenso starken Rückgang beim Ertrag pro Zimmer. Insofern ist das aktuelle Transaktionsvolumen durchaus recht solide. Sicherlich hängt das Ergebnis mit Überhängen zusammen, Transaktionen also, die in den letzten Wochen des Vorjahres nicht mehr abgeschlossen worden waren und nun zum Jahresanfang durchgezogen wurden. Das sorgte für ein Plus von fast 70 Prozent gegenüber dem vierten und in der Regel stärksten Quartal“, so Heidi Schmidtke, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group.

„Trotz der Pandemie und der anhaltenden Einschränkungen war das Investmentergebnis im ersten Quartal besser als erwartet. Insbesondere in Kombination mit weiteren Asset-Klassen oder als Teil von Mix-Use-Objekten stellten Hotels eine nach wie vor beliebte Beimischung dar. Ferner war die Aktivität relativ verhalten bzw. es wurde nur sehr selektiv und vereinzelt in Hotels investiert. Zudem konnte eine zunehmende Polarisierung des Marktgeschehens vernommen werden bzw. ein erhöhtes Interesse an beiden Enden des Investment-Spektrums – absolute Core-Deals und opportunistische Transaktionen“, kommentiert Stefan Giesemann, Head of Hospitality Germany & Austria bei Cushman & Wakefield.

Beispiele für Einzeltransaktionen:

  • Der Verkauf der Villa Kennedy Frankfurt an Conren Land. Derzeit noch ein 5-Sterne Hotel der Rocco Forte Gruppe mit 163 Zimmern, ist eine Umnutzung nicht ausgeschlossen. Verkäufer war eine Objektgesellschaft der Frankfurter DIC und ihrer Tochtergesellschaft GEG. Bei einem Volumen im oberen zweistelligen Millionenbereich war es die größte Einzeltransaktion im ersten Quartal.
  •  
  • Die Veräußerung des im Dezember 2020 neu eröffneten Motel One Bonn als Teil der Urban Soul Entwicklung am Hauptbahnhof. Die gesamte Entwicklung mit über 20.000 m² Mietfläche ging nach Fertigstellung durch den Entwickler die developer an die Ampega Real Estate.
  • Der Projektverkauf des zukünftigen Radisson Leipzig als Teil der Quartiersentwicklung Future Living. Ein Pachtvertrag über 25 Jahre wurde erst kürzlich geschlossen. Käufer war das Versorgungswerk der Landesärztekammer Hessen, die es vom Projektentwickler Fay Projects erworben hatte. Die Fertigstellung des Hotels mit 224 Zimmern ist für 2023 vorgesehen. 
  • Der Verkauf des im Dezember fertiggestellten Brera Frankfurt West mit 150 Serviced Apartments als Teil der gemischt genutzten Immobilie Double U. Die City 1 Group hatte das Objekt im Februar an eine Versicherung veräußert. 

Ausblick: 2021

Angesichts der anhaltenden dritten Pandemiewelle, und den damit verbundenen Infektionsschutzmaßnahmen, inklusive Reisebeschränkungen, bleibt das Geschäftsumfeld für die Hotellerie anhaltend schwierig und der Ausblick in die nähere Zukunft trüb. „Hotelimmobilien sind derzeit eine Herausforderung, bei der sich zwar einige Möglichkeiten bei Core-Objekten und Umnutzungen bieten, aber insgesamt eine breite Zurückhaltung herrscht. Ähnlich wie in anderen Assetklassen auch, verzögern sich Vermarktungsprozesse und verkaufsinteressierte Eigentümer verschieben den Marktstart ihrer Immobilien. Mit voranschreitenden Impfungen, und wenn sich konkrete Öffnungsperspektiven für das Gastgewerbe abzeichnen, wird auch das Investitionsgeschehen am Hotelmarkt wieder zunehmen. So ist im zweiten Halbjahr mehr Geschäft möglich, obwohl der Markt nicht zum Vorkrisenniveau zurückkehren wird“, fasst René Schappner, Head of Hotel bei Colliers, zusammen.

"Hotels gehören nach wie vor zu den Assetklassen, die am stärksten unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden haben. Insbesondere in den A-Städten sind die Auslastungsquoten mangels Städtetouristen und Geschäftsreisenden unverändert niedrig. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit bzgl. des weiteren Verlaufs der Corona-Epidemie blieben viele Investoren zum Jahresauftakt an der Seitenlinie, beobachten die Entwicklung aber wieder deutlich intensiver. Mit anziehender Impfquote erscheint eine deutliche Erholung der weltweiten Reisemärkte im zweiten Halbjahr nicht unwahrscheinlich, was für Betreiber und Investoren wieder freundlichere Perspektiven eröffnen würde. Im Zuge dessen könnten auf Eis gelegte Investmentprozesse zügig zum Abschluss gebracht werden, was sich auch in deutlich höheren Investmentumsätzen niederschlagen würde", erläutert Alexander Trobitz, Geschäftsführer und Head of Hotel Services der BNP Paribas Real Estate GmbH.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Numa Group übernimmt den Anbieter Lisbon Serviced Apartments und erweitert damit das Portfolio in Lissabon um 19 Objekte. Die Integration in die eigene Technologieplattform soll nun die betriebliche Effizienz der Unterkünfte steigern.

Relais & Châteaux erweitert das eigene Portfolio um zehn neue Mitglieder. Die Neuzugänge erstrecken sich über mehrere Kontinente und umfassen Standorte in Frankreich, England, Italien, der Schweiz, Portugal, Japan, Mexiko sowie den Vereinigten Staaten.

Die Hotelgruppe Meininger Hotels erweitert ihr Portfolio um einen ersten Standort in Schottland. Am 5. August eröffnet das Unternehmen das Meininger Hotel Edinburgh Haymarket. Das Haus im West End ist das 38. Hotel im Portfolio.

Drei Hotellerie-Manager​​​​​​​ haben die neue Hotelmarke LikeStay gegründet. Hinter dem Konzept stehen Max Luscher, Constantin Rehberg und Andreas Brennfleck. Das erste Hotel soll das bisherige Batschari Palais in Baden-Baden werden, das künftig unter dem Namen LikeStay Premium Baden-Baden betrieben werden soll.

Die nordrhein-westfälischen Tourismusregionen sind für die Sommerferien nach eigenen Angaben gut gebucht - für Kurzentschlossene gibt es aber noch genügend freie Betten. Vor allem Ferienwohnungen und Ferienhäuser sowie Bauernhof-Urlaube sind gefragt.

Das Sofitel Frankfurt Opera nutzt seine exklusive Dachterrasse für ein temporäres Gastronomiekonzept. An vier Terminen im August bietet das Hotel einen Barbetrieb für externe Besucher an.

Anzeige

Warum Gästedaten so wertvoll sind und wie sie am sinnvollsten gemanagt werden, um für KI-Anbindung und Automatisierung möglichst großen Nutzen zu stiften, erklärt dailypoint-Geschäftsführer Dr. Michael Toedt in der 8. Folge des HotelPartner-Podcasts „AUSGEBUCHT!“.

Die Radisson Hotel Group baut ihre internationale Präsenz im ersten Halbjahr 2026 durch zahlreiche Neueröffnungen und Vertragsabschlüsse in verschiedenen Marktsegmenten deutlich aus.

Novum Hospitality ist derzeit mit mehreren Themen in den Schlagzeilen. Jetzt hat die Hamburger Hotelgruppe ihren Wiedereintritt in den Hotelverband Deutschland (IHA) sowie in die DEHOGA-Landesverbände bekannt gegeben.

Die MHP Hotel AG plant gemeinsam mit Projektentwickler Midstad ein neues Hotel der Marriott-Marke Autograph Collection in Düsseldorfs Innenstadt. Das Haus mit rund 180 Zimmern soll bis 2029 im Gebäudeensemble an der Kasernenstraße und im Carsch-Haus entstehen.