Wellness Trends 2019: Wie Millenials die Wellness-Branche aufrütteln

| Hotellerie Hotellerie

Der Wellnessreise-Veranstalter beauty24 stellt zum Start der ITB in Berlin die gemeinsam mit Wellness-Hotels & Ressorts erstellte Studie „Wellness-Trends 2019“ vor. beauty24.de fokussiert die Studienergebnisse vor allem in Hinblick auf die jüngere Gästezielgruppe: Was Menschen unter 30 zu einem Wellnessurlaub bewegt und warum sich ihre Ansprüche nicht mehr mit dem Angebot vieler Hotels decken. 

Lange haben sich Wellness-Hotels darauf verlassen, dass ihnen ihr Ruf vorauseilt. Heute ist ein gutes Instagram-Foto für eine Buchung oft entscheidender als eine persönliche Empfehlung oder eine gepflegte Stammgastbeziehung. Dabei scheint die Zielgruppe U30 auf den ersten Blick gar nicht so unterschiedlich: Vier von fönf jungen Menschen (78.7 %) buchen gemeinsam mit ihrem Partner, nur 1.3 % fahren alleine in den Wellness-Urlaub. Der Rest genießt den Aufenthalt gemeinsam mit Freunden oder Familie. In diesen Werten unterscheiden sich junge Reisende kaum von den 30- bis 60-jährigen, die weiterhin das Gros der Gäste darstellen. Unterschiede gibt es jedoch bei Häufigkeit und Länge der Wellnessreisen: nur rund jeder sechste (15.4 %) macht mehr als einmal pro Jahr einen solchen Urlaub und fast nie länger als vier Tage (2.2 %). Die Folge: Hotels haben bei jungen Menschen oft nur eine einzige Chance, zu überzeugen. Die Buchungsentscheidung geht übrigens mit 92.5 % erstaunlich oft von Frauen aus. Es gilt: je älter die Gäste desto höher ist der Anteil der buchenden Männer: bei den über 60-jährigen liegt der Frauenanteil nur noch bei 67.6 %. 

Hotelmarken sind für die junge Zielgruppe bedeutungslos 

Hier liegt eine große Herausforderung für viele Hoteliers: der Name eines Hotels ist für unter 30-jährige mit nur 0.3 % praktisch irrelevant für die Buchungsentscheidung. Das ist einerseits gut für den Wettbewerb, denn es erlaubt, auch weniger etablierten Wellness-Hotels sich am Markt zu behaupten. Andererseits ist es eine Hiobs-Botschaft für etablierte Hotel-Marken, die bei der jungen Zielgruppe offenbar keinerlei Markenrelevanz besitzen. 

„Junge Wellnessgäste buchen individuell und online. Je mehr sie sich vor der Buchung online ein eigenes Bild von den Hotels machen können, desto weniger Wert legen sie auf Hotelmarken.“, sagt Roland Fricke, CEO von beauty24. Daher sind für die Wahl des Hotels besonders die Ausstattung des Wellness-Bereichs (76.2 %) und der Zimmer (45.5 %) von Wichtigkeit. Hier bestätigt sich die große Relevanz von ansprechenden Bildern im Internet. Zu dem Bild, das sich die Zielgruppe von den Hotels macht, gehören für 45.5 % auch Online-Bewertungen. Klassische Kriterien wie Service (19.7 %) oder Gastronomie (21.3 %) interessieren dagegen nur rund jeden vierten Wellness-Urlauber bis 29 Jahre. 

Ausstattung und Interieur von Zimmern werden für eine Buchung immer wichtiger. Das merken die Hoteliers bei den Buchungen sehr deutlich – entsprechend wird hier hotelseitig auch investiert. Entsprechend der Umfrage von beauty24 planten im vergangenen Jahr 68.1 % der befragten Betreiber von Wellness-Hotels in ihre Zimmer zu investieren. Und auch 2019 liegt dieser Wert mit 60.7 % ebenfalls sehr hoch. 

Millenials informieren sich auf Sozialen Medien 

Die Frage nach dem Warum liegt auf der Hand und lässt sich anhand der Zahlen auch leicht beantworten: Die Auswahl des Hotels geschieht entsprechend der Erwartung vorrangig im Netz: Am liebsten informieren sich Wellness-Urlauber unter 30 über Buchungsplattformen von Reiseanbietern (70.2 %), an zweiter Stelle folgt (63 %) die Webseite des Wellness-Hotels. Social Media nutzt nahezu jeder Zweite (46.4 %) als Informationsquelle - dabei handelt es sich konkret vor allem um Facebook (95.3 %) und Instagram (60.1 %). Damit liegen ganz klar die beiden Plattformen vorne, die vorrangig mit Bildern als Werbeformate auf Produkte und Reisen aufmerksam machen. Ganz hinten rangieren Artikel in gedruckten Zeitschriften (4.4 %) und die persönliche Beratung durch das Hotel oder den Reiseanbieter (5.6 %). Auch die viel gelobten Influencer geben nur 12.8 % der Befragten als Informationsquelle an. Die junge Zielgruppe bevorzugt sich selbst ein Bild zu machen. 

Seltener, kürzer - aber mit höheren Erwartungen 

Obwohl mit 58.6 % mehr als die Hälfte aller Buchungen komplette Wellness-Packages sind (also inklusive aller Leistungen wie Übernachtung, Verpflegung und Anwendungen), greifen pauschal angebotene Leistungen vieler Wellness-Hotels für die hohen Ansprüche der jungen Zielgruppe zu kurz. Mehr als jeder Zweite (53.4 %) hat die Erwartung, dass auf seine Bedürfnisse individuell eingegangen wird und gut zwei von drei Befragten (68.4% ) haben den Anspruch, dass die Wirkung der Auszeit über die Dauer des Aufenthalts hinaus anhält: „Damit bedeutet die jüngere Zielgruppe bis 29 Jahre für den Hotelier ein klassisches Dilemma: sie fährt seltener und kürzer in den Wellnessurlaub hat aber trotzdem höhere Ansprüche an Entspannung und Erholung.“ - Roland Fricke, CEO von beauty24. 

Klassische Massage reicht nicht mehr 

So wünschen sich jüngere Reisende neben der üblichen Verbesserung der eigenen Gesundheit (Medical Wellness, 42 %) auch unorthodoxe Angebote wie Mental Wellness (32.3 %), also die Förderung der mentalen Gesundheit, die Verbesserung des psychischen Wohlbefindens bis hin zur Persönlichkeitsentwicklung und Stressmanagement (31.3% ). Mit 17.2 % erwarten auch die meisten Befragten sogenannte Yoga-Retreats, deutlich mehr als bei allen anderen Altersklassen. Wieder treten klassische Angebote wie traditionelle Naturheilverfahren (27.3 %) und Detox (23.8 %) in den Hintergrund. Generell herrscht bei Millenials und Wellness-Urlaubern unter 30 Jahren ein anderes Verständnis von Wellness selbst. Nur 8,8 % der Befragten verstehen darunter, etwas für ihre Schönheit zu tun - der geringste Wert in allen Altersklassen. Deutlich häufiger verknüpft werden Aspekte wie die eigene Gesundheit zu verbessern (16.6 %) und sportlich aktiv zu sein (15.7 %). 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die The Chocolate on the Pillow Group (COTP) hat einen Miet- und Franchisevertrag für das im Bau befindliche Holiday Inn Express Kassel unterzeichnet. Damit sichert sich das Unternehmen das dritte Hotel aus der Insolvenz der Revo Hospitality Group.

Grand Metropolitan Hotels will das gemeinsame Joint Venture mit dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) beenden. Gleichzeitig berichten Medien über weitreichende Maßnahmen eines Amsterdamer Gerichts im laufenden Streit zwischen beiden Gesellschaftern.

Für das insolvente Traditionshotel Bösehof in Bad Bederkesa zeichnet sich eine Lösung ab. Ein Ehepaar aus der Region soll das Haus übernehmen, während die Gläubiger noch im Juli über den Insolvenzplan entscheiden.

Der Convenience-Großhändler MCS hat im Highway Hotel Herbolzheim seinen ersten autonomen 24-Stunden-Shop eröffnet. Mit dem Standort erweitert das Unternehmen sein Konzept erstmals auf die Hotellerie.

Eine professionell gestaltete E-Mail zu einem angeblichen Bettwanzenbefall hat in einem Hotelunternehmen zunächst einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Erst ein nicht existierendes Zimmer entlarvte den Vorgang als Phishing-Versuch.

Die Accor-Gruppe erweitert im Jahr 2026 ihr weltweites Hotelportfolio um zahlreiche neue Standorte und Luxusprojekte. Der Fokus liegt dabei auf einer globalen Expansion in unterschiedlichen Marktsegmenten.

Eine Branchenstudie von XPORT hat knapp 20.000 deutsche Hotel-Websites automatisiert auf Barrierefreiheit untersucht. Nach Angaben des Unternehmens weisen mehr als 85 Prozent der analysierten Seiten erkennbare Verstöße gegen WCAG-Richtlinien auf.

Smartments wird zwei Serviced-Apartmenthäuser in Berlin und Bielefeld für M&G Real Estate betreiben. Mit den langfristigen Mietverträgen wächst das Portfolio des Unternehmens auf 16 Standorte mit 2.389 Apartments.

Eine YouGov-Umfrage im Auftrag von a&o Hostels zeigt: Für viele Europäer bestimmen im Sommer 2026 vor allem Kosten und Unsicherheiten die Urlaubsplanung. Während jeder Elfte ganz auf eine Reise verzichtet, gewinnen Kurztrips innerhalb Europas an Bedeutung.

Aus einem ehemaligen H-Plus-Hotel entstand innerhalb von sechs Monaten das Moxy Zurich. Marco Meier von der SV Hotel beschreibt in einem Video-Gespräch, wie der Betreiberwechsel, der Umbau und die Neupositionierung des Hauses umgesetzt wurden.