Wo Adenauer auf den Teppich stieg: Der legendäre Petersberg

| Hotellerie Hotellerie

Das geschichtsträchtige Hotel auf dem Petersberg präsentiert sich künftig im neuen Gewand. Mit einer Rede von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wird am Montag der Abschluss einer zweijährigen Modernisierung gefeiert. 40 Millionen Euro seien investiert worden, sagte Direktor Michael Kain. Das Hotel wird heute von der Deutschen Hospitality betrieben, befindet sich aber weiterhin im Bundesbesitz. Nach wie vor finden dort Staatsempfänge und politische Veranstaltungen statt.

331 Meter hoch thront das Hotel in Königswinter über dem Rhein. Bei gutem Wetter kann man bis zum Kölner Dom schauen - und der ist mit dem Auto durchaus eine Dreiviertelstunde entfernt. Das Hotel wurde 1912 von dem Kölner Millionär Ferdinand Mülhens (1844-1928) errichtet, dem Besitzer der damals in der ganzen Welt verbreiteten Parfümmarke 4711. 1938 kam der erste Staatsgast: Der britische Premierminister Neville Chamberlain übernachtete auf dem Petersberg vor einem Treffen mit Adolf Hitler in Bad Godesberg - es ging um die Sudetenkrise.

Nach dem Krieg wurde das beschlagnahmte Hotel zum Sitz der drei Hohen Kommissare der West-Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich. Nach seiner Wahl zum ersten deutschen Bundeskanzler wurde Konrad Adenauer hier am 21. September 1949 - also vor genau 70 Jahren - empfangen. Die drei alliierten «Vizekönige» standen dabei auf einem Teppich, die deutsche Delegation sollte davor stehen bleiben. Doch Adenauer demonstrierte seinen Anspruch auf Gleichbehandlung, indem er sich unter Missachtung des Protokolls zu ihnen auf den Teppich stellte.

Nach dem Auszug der Alliierten mietete die Bundesregierung in Bonn das Hotel als Gästehaus an. 1965 wurde hier die Queen während ihres ersten Deutschlandbesuchs empfangen. Das inzwischen in die Jahre gekommene Kurhotel genügte den Ansprüchen jedoch immer weniger, so dass es vier Jahre später geschlossen wurde. 1973 öffnete es noch einmal für den sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew. Der bekam von seinen deutschen Gastgebern einen Mercedes geschenkt, den er während einer nächtlichen Fahrt über die Serpentinenwege prompt gegen einen Baum steuerte. Der Kremlherr blieb unverletzt.

Während der 80er Jahre wurde das Hotel mit großem finanziellen Aufwand ausgebaut. Als es 1990 endlich fertig war, zeichnete sich bereits der Umzug nach Berlin ab. Bevor es 1999 soweit war, wurde das Gästehaus allerdings noch intensiv genutzt. Daneben entwickelte es sich auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt - so heiratete hier 1995 der Rennfahrer Michael Schumacher.

Auch wenn die Regierung mittlerweile in Berlin sitzt, ist die politische Rolle des Petersbergs nicht ausgespielt. So war er 2001 Schauplatz der Afghanistan-Konferenz zur demokratischen Neuordnung des Landes nach der Entmachtung der Taliban. Heute spreche man unter anderem von den «Petersberg-Aufgaben» der Westeuropäischen Union, es gebe den «Petersberger Klima-Dialog» und den deutsch-russischen «Petersberg-Dialog», erläutert der Historiker Guido Thiemeyer. «Der Petersberg steht symbolisch für den außenpolitischen Bedeutungswandel der Bundesrepublik Deutschland.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Ensana Fürstenhof in Bad Griesbach hat nach einer umfassenden Modernisierung wiedereröffnet. Das Hotel umfasst 148 Zimmer und eine 4.500 Quadratmeter große Spa-Landschaft. Ein medizinischer Bereich ist für Anfang 2027 geplant.

Das von Fairmont Hotels & Resorts geführte Plaza Hotel in New York soll ab Januar 2027 mindestens vier Jahre geschlossen bleiben. Geplant sind Reparatur- und Restaurierungsarbeiten an der denkmalgeschützten Fassade. Das Plaza diente als Schauplatz mehrerer Filme.

Die Comer Group will das ehemalige Hilton-Hotel in Gravenbruch kaufen. Nach einem Bericht der Hessenschau ist der Vertrag unterschrieben, die behördliche Genehmigung steht jedoch aus. Der sanktionierte Geschäftsmann Ali Ansari darf von dem Verkauf nicht profitieren.

Kapital und Gästenachfrage sind vorhanden, doch Hoteltransaktionen müssen höhere Anforderungen erfüllen. Die vierte Ausgabe des „Expert Papers“ „Booking the Future“ von mrp hotels beleuchtet, worauf Investoren, Banken und Betreiber bei Finanzierung, Konzept und Wachstum achten.

Stayery expandiert nach München und übernimmt ein Apartmenthaus am Oberwiesenfeld mit 105 Einheiten. Die Eröffnung des konvertierten Bestandsgebäudes am Olympiapark ist für Anfang 2027 geplant.

Seetelhotels meldet einen Ransomware-Angriff auf interne IT-Systeme. Ein möglicher Datenabfluss wird untersucht; bei Buchungen und Anfragen kann es zu Verzögerungen kommen.

Die Radisson Hotel Group hat in Breslau ihr 20. Prize-by-Radisson-Hotel eröffnet. Das Haus im Sky Tower verfügt über 208 Zimmer und ist der zweite Standort der Marke in Polen.

Accor tritt mit dem geplanten ibis Styles Helsinki Helka erstmals in den finnischen Hotelmarkt ein. Das Haus mit 157 Zimmern soll Ende 2027 aus dem traditionsreichen Hotel Helka hervorgehen.

Das bisherige Mercure Tagungs- und Landhotel Krefeld soll ab Januar 2027 als eigenständiges Haus unter dem Dach einer neu gegründeten GmbH fortgeführt werden. Das bestehende Team soll bleiben; neue Tagungskonzepte sind in Arbeit.

Der Ulmer Gemeinderat hat nach einem Bericht der Südwest Presse mit knapper Mehrheit eine Bettensteuer beschlossen. Ab 2030 sollen Übernachtungsgäste drei Euro pro Nacht zahlen.