Zu viele Keime und falsche Angaben zu Sternen in norddeutschen Hotels

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Auffallend hohe Keimbelastungen, teilweise sogar multiresistente MRSA-Keime, sowie falsche Angaben zu Hotelsternen - das ist das Ergebnis einer Stichprobe der NDR Verbraucherredaktion in drei großen norddeutschen Hotels. Sachverständige und der Hotelverband zeigen sich alarmiert.

Getestet wurden das Schlosshotel Klink an der Mecklenburger Seenplatte (169 EUR / DZ inkl. Frühstück, Eigenangabe: 4 Sterne), das Wyndham Garden Bad Malente am Dieksee (119 EUR / DZ inkl. Frühstück, Eigenangabe: 4 Sterne) und das Maritim Seehotel am Timmendorfer Strand (280 EUR / DZ inkl. Frühstück, ehemalige Eigenangabe: 4 Sterne Superior). In allen drei Hotels waren Ausstattung, Sauberkeit und Hygiene nicht in Ordnung. Ein Experte vom TÜV Rheinland hat im Auftrag des NDR Proben genommen, dabei wurden auch Darmkeime gefunden: auf und neben der Toilette, auf Telefonen, Ablageflächen und Türklinken. "Im Grunde genommen ist es so, dass insgesamt die Zahlen, die man da erhalten hat, durch die Bank besorgniserregend sind", kritisiert Dr. Georg Kaim, Leiter des zertifizierten Labors PCRlab. In allen drei Hotels wurde außerdem der Krankheitserreger Staphylococcus Aureus nachgewiesen, zum Teil sogar als MRSA-Keim, also multiresistent..

Robert Cordes, Sachverständiger für Hotel- und Gastronomie-Gewerbe, kritisiert: "Es ist für ein 4-Sterne-Hotel, selbst für ein 1-Sterne-Hotel, nicht angemessen. Sauberkeit, Hygiene ist das A und O. Mein subjektives Empfinden ist, dass das mehr wird. Einfach aufgrund der finanziellen Strukturen. Mit weniger Mitarbeitern, mit weniger Service entstehen dann solche Sachen."

Konfrontiert mit dem Ergebnis schreibt das Hotel Wyndham in Malente dem NDR: "Dass Sie solche Bakterien in unseren Zimmer vorfinden konnten, bedauern wir natürlich." Das Schlosshotel in Klink antwortet auf Anfrage: Es würde seine Mitarbeiter "... nochmal bezüglich der hygienischen Standards ..." belehren. Und auch das Maritim teilt mit: Sie würden die Untersuchungsergebnisse zum Anlass nehmen, "...noch häufiger Abklatschproben zu nehmen und das Personal noch engmaschiger zu schulen."

Darüber hinaus haben das Wyndham und das Schlosshotel mit je vier Sternen geworben, die sie aber gar nicht besitzen. "Hoteliers, die mit eigenmächtig anerkannten Sternen werben, tun dies wettbewerbswidrig. Die Hoteliers werden von der Wettbewerbszentrale aufgefordert, eine strafbewährte Unterlassungserklärung abzugeben. Wenn sie diese Unterlassungserklärung abgeben, dürfen sie nicht mehr weiter mit Sternen werben. Sollten sie dennoch weiterhin werben, dann werden Vertragsstrafen fällig", kritisiert Kristin Panagiotakis, Referentin vom Hotelverband Deutschland auf Anfrage des NDR. Inzwischen hat die Wettbewerbszentrale die beiden Hotels Wyndham und Klink abgemahnt.

Das Maritim Seehotel hat aufgrund der NDR Recherche selbst die vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA ausgestellte Klassifizierung "4-Sterne-Superior" zurückgegeben und ist nun seit Mitte Mai 2018 nicht mehr klassifiziert.

Mehr zum Thema sowie die Ergebnisse von Restauranttests in der Sendung "Die Tricks der Hotels und Restaurants" am Montag, 4. Juni, um 21.00 Uhr im NDR Fernsehen.

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