Eher schwache Spargelsaison vor Abschluss

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Für die Spargelbauern geht an diesem Donnerstag eine eher bescheidene Saison zu Ende. Das lange Zeit kalte und bedeckte Wetter habe nicht nur die Ernte verzögert, sondern bei Verbrauchern auch keine große Lust aufs Spargelessen geweckt, sagte Michael Koch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft AMI in Bonn. Die Nachfrage sei ein bisschen schwächer gewesen als im vergangenen Jahr.

Der Durchschnittsverbraucherpreis für das Edelgemüse kletterte Kochs Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 8,78 Euro pro Kilogramm weißen Spargel. «Das ist durchaus moderat», sagte er.

Fest stehe bereits, dass die Gesamternte gegenüber 2020 gesunken sei, berichtete der Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst: «In diesem Jahr werden wir aufgrund des kalten Wetters die Erntemengen vom letzten Jahr nicht erreichen.» Während der vorigen Saison waren bundesweit rund 106 000 Tonnen Spargel geerntet worden. Von den gestiegenen Preisen sei wenig bei den Erzeugern angekommen. «Das waren Mitnahmeeffekte beim Lebensmittel-Einzelhandel», erklärte Eickhorst.

Auch in diesem Jahr musste die Ernte mit zahlreichen Saisonkräften aus Osteuropa unter strengen Hygieneauflagen erfolgen. Das habe gut geklappt, sagte Eickhorst. Ein größerer Corona-Ausbruch auf einem Spargelbetrieb im Landkreis Diepholz sei eine Ausnahme gewesen. Dank Quarantäne-Auflagen habe man diesen schnell unter Kontrolle gebracht.

Die niedersächsische Landwirtschaftskammer sprach von einer abermals «turbulenten Saison» für die gut 400 Anbauer im Land. Wegen fehlender Erntehelfer hätten einige verfügbare Spargelflächen nicht genutzt werden können. Das über lange Zeit kühle Wetter habe den Start zudem mancherorts deutlich verzögert. Vor allem anfangs sei das Angebot knapp gewesen: «An Ostern hatten wir noch zu wenig Spargelmenge.»

Im Mai habe die Nachfrage zu den Feiertagen und zum Muttertag dann angezogen - jedoch seien viele Gastronomen als Abnehmer ausgefallen. Zuletzt lag die Anbaufläche in Niedersachsen bei über 4600 Hektar.

Piotr Mazurek von der DGB-Beratungsstelle «Faire Mobilität» in Oldenburg sagte, dass viele Saisonkräfte die vom Kreis Diepholz verhängten Pandemie-Auflagen für den Betrieb nicht verstanden hätten. Dass nicht nur Infizierte, sondern auch Kontaktpersonen in Quarantäne mussten, sei nicht auf Verständnis gestoßen. Offenbar habe es Probleme in der Kommunikation mit den Betroffenen gegeben.

Nach wie vor gebe es in der Branche auch von den Saisonkräften Klagen über Unregelmäßigkeiten bei der Lohnauszahlung oder bei den Arbeitszeiten. «Den Leuten wird versprochen, sie könnten bis zu 120 Euro am Tag verdienen oder zumindest 70 bis 80 Euro, und sie bekommen dann 40 oder 45 Euro für einen Tag Arbeit», so Mazurek. Arbeitszeiten von zehn bis zwölf Stunden seien nicht selten. «Es sind sicherlich nicht alle Betriebe, von denen solche Beschwerden kommen. Es gibt auch Bauern, die sich an die Regeln halten.» Jedoch kämen Beschwerden regelmäßig seit vielen Jahren. «Das sind mehr als nur Einzelfälle.»

Sinnvoll wäre ihm zufolge eine staatliche Arbeitsinspektion nach dem Vorbild Österreichs, an die sich die Beschäftigten direkt wenden könnten und die auch die Autorität habe, Lohnnachzahlungen durchzusetzen. Die Kontrollen des Zolls in Deutschland bezögen sich nur auf nicht entrichtete Steuern und Sozialabgaben. «Lohnansprüche hingegen können die Saisonkräfte nur individualrechtlich durchsetzen», erklärte Mazurek. Das machten aber die Wenigsten in einem fremden Land mit fremder Sprache und fremdem Rechtssystem.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli forderte: «Der gesetzliche Mindestlohn kann nur mit regelmäßigen Kontrollen durchgesetzt werden. Dafür braucht es mehr Kontrolleure.» Die Schwarzarbeitskontrollen des Zolls kratzten nur an der Oberfläche.

Eickhorst wies die Vorwürfe zurück. Auf den Bruttomindestlohn von 9,50 Euro würden noch Abzüge etwa für die Unterkunft, Verpflegung oder Reise kommen. Auch aus der Landwirtschaftskammer hieß es, der Corona-Schutz und die Hygienemaßnahmen hätten die Betriebe viel Geld gekostet. Schon 2020 war die Spargelmenge in Niedersachsen gesunken. (dpa)


 

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