Matcha-Boom: Vorreiterin setzt auf deutschen Teeanbau

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Um kaum ein Getränk gibt es derzeit einen solch globalen Hype wie um Matcha. Der leuchtend grüne japanische Tee wird von den sozialen Medien angetrieben, in denen Influencer Tipps zur Zubereitung, Bewertungen und Rezepte für den Kult-Tee verbreiten. Im vergangenen Jahr entfiel laut des japanischen Landwirtschaftsministeriums mehr als die Hälfte der rund 9.000 Tonnen grünen Tees, die aus Japan exportiert wurden, auf Matcha – doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Aber wird das Star-Getränk bald knapp?

Obwohl der Konsum von grünem Tee und Matcha in Japan in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, trinkt der Rest der Welt so viel Matcha wie nie zuvor. Zudem kurbelt Japans Touristenboom den Hype an. Nicht zuletzt dank des schwachen Yen ist Japan auch unter Deutschen ein beliebtes Reiseziel. Die Nachfrage nach Matcha ist dermaßen gestiegen, dass Japans Tee-Industrie zuletzt nicht mehr hinterherkam. Manche Geschäfte sehen ihre Regale oft schon kurz nach Ladenöffnung von Touristen leergekauft. Als Folge haben Einzelhändler Beschränkungen eingeführt, wie viel Kunden kaufen dürfen. 

Gründe für die Krise

Experten sprechen von einer Krise. Die Gründe dafür sind vielfältig. Hitzewellen führten zu schwachen Erträgen. Hinzu kommt die rasante Alterung der japanischen Gesellschaft. Laut Regierungsangaben sank die Zahl der Landwirte von mehr als 53.000 im Jahr 2000 innerhalb von 20 Jahren auf etwa 12.300. Viele Teebauern in Japan sind in die Jahre gekommen. Häufig ist niemand aus der jüngeren Generation bereit, den Betrieb zu übernehmen, was dazu führt, dass einige Tee-Plantagen aufgegeben wurden. 

Die Herstellung des Pulvers ist ein aufwendiger Prozess: Die Blätter, Tencha genannt, werden mehrere Wochen vor der Ernte beschattet, um Geschmack und Nährstoffe zu konzentrieren. Anschließend werden sie sorgfältig von Hand entstielt, getrocknet und in einer Mühle fein vermahlen. «Es braucht jahrelanges Training, um Matcha richtig herzustellen», betont Masahiro Okutomi in der «Japan Times», dessen Familienbetrieb in der Präfektur Saitama schon in 15. Generation Tee produziert. «Es ist ein langfristiges Unterfangen, das Ausrüstung, Arbeitskraft und Investitionen erfordert.»

Deutsche Teebäuerin will Matcha produzieren

Vom Boom profitieren will Antje Kühnle, die eine Teefarm in Deutschland angelegt hat. In Zossen (Teltow-Fläming) in Brandenburg baut die 37-Jährige seit gut zwei Jahren die Teepflanze Camellia Sinensis an. Ziel ist es, 6,5 Hektar zu bepflanzen, derzeit ist sie bei knapp der Hälfte. 

Kühnle sieht sich als Pionierin. «Also eine Teefarm in der Größe gab es in Deutschland so noch nicht - ein Betrieb, der Tee professionell anbaut, auf kommerzieller Ebene auch und das in Verbindung mit diesem landwirtschaftlichen Konstrukt der Permakultur.» In Nordrhein-Westfalen im Bergischen Land werden im «Tschanara Teegarden» seit 1999 auf etwa 0,4 Hektar Teepflanzen angebaut. 

Kühnles Mission: Dass Deutschland eine Teebau-Nation wird. «Ich verwende Saatgut, das sich besonders gut für Grüntee und Matcha eignet», sagt Kühnle, die ursprünglich aus dem Weinbau kommt. «Die meisten Genome, die in Europa wachsen, sind tatsächlich Genome, die für die Schwarzteeproduktion bestens geeignet sind», sagte die Teebäuerin. «Dass wir jetzt hier diese Genome gewählt haben, die für den Grüntee geeignet sind, das ist auch noch ein zusätzlicher Pionierfaktor.»

Matcha ist «Königsdisziplin»

Kühnles Ziel ist, hochwertigen Matcha herzustellen - das sei im Teebau die «Königsdisziplin». Allein beim Anbau gibt es schon einiges zu beachten: «Tee braucht viel Wasser. Das Klima hier ist relativ trocken und die Luftfeuchtigkeit zu gering, deswegen muss ich das passende Klima hier schaffen», sagt Kühnle. Zur Bewässerung sammelt sie Regenwasser und schützt den Boden mit Mulch vor Verdunstung. Ein Gewächshaus mit Fußbodenheizung, betrieben durch eine Photovoltaikanlage, sorgt für die richtige Umgebung während der Anzucht.

Später setzt die Teebäuerin die Pflanzen ins Freie. «Von meinen 200.000 Anzüchtungen habe ich schon 40.000 umpflanzen können.» Das funktioniert aus einem Grund in Brandenburg besonders gut: Die Pflanzen brauchen einen niedrigen pH-Wert, und der Boden in der Region ist aufgrund der vielen Nadelbäume von Natur aus sauer. Damit die Pflanzen auch Winterfröste überstehen, nutzt sie Saatgut aus dem Himalaya und Nordchina. Die erste vermarktbare Ernte wird Kühnle voraussichtlich im Frühjahr 2026 einfahren.

Deutschland wichtiger Abnehmer für japanischen Tee

In Deutschland ist die Nachfrage nach Matcha deutlich gestiegen. «Wir nehmen in der Tat wahr, dass Matcha-Tee derzeit einen großen Trend in Deutschland erlebt», sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Philipp Hennerkes. Dies betreffe nicht nur den klassischen Konsum als Tee, sondern zeige sich auch in unterschiedlichsten Produktkategorien – von Matcha-Schokoriegeln bis hin zu Getränken wie Matcha-Latte.

Zwischen Januar und August 2024 wurden laut japanischen Importzahlen mehr als 240 Tonnen des pulverisierten Grüntees nach Deutschland geliefert – ein Plus von 240 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Neuere Zahlen liegen nach Angaben des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands nicht vor. Der Trend zu gesunder Ernährung und natürlichen Produkten dürfte die Nachfrage weiter antreiben. Steigende Preise seien nicht ausgeschlossen. Ein Exportstopp sei derzeit nicht erkennbar, Deutschland bleibe nach den USA der wichtigste Exportmarkt für japanischen Tee.

Preise gestiegen

Letzteres dürfte zumindest eine gute Nachricht für Unternehmen wie Keiko sein. Das Unternehmen importiert Tencha aus Japan und vermahlt ihn in Diepholz in Niedersachsen zu Matcha. «Seit wir mit dem Verkauf von Matcha und Grünteepulver vor über 30 Jahren begonnen haben, stieg der Verkauf kontinuierlich an und bekam durch die vegane Bewegung um 2014 herum zusätzlichen Schwung», sagte eine Sprecherin des Unternehmens. 

In den vergangenen zwei Jahren sei die Nachfrage rasant angestiegen. «Schwankungen bei den Erntebedingungen gab es schon immer, das ließ sich aber bisher immer ausgleichen», sagte die Sprecherin. «Nun stehen wir erstmals vor der Situation, dass die stark gestiegene Nachfrage die verfügbare Erntemenge übersteigt.» Durch die daraus resultierende Knappheit seien zudem die Einkaufspreise extrem gestiegen, somit auch die Preise für Kunden. (dpa)


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