Thomas Kastl im Interview: Design-Trends in Hotellerie und Gastronomie

| Industrie Industrie

Hotels und Restaurants sehen rosigen Zeiten entgegen. In globalen Hotspots wie London, Mumbai oder San Francisco eröffnet ein Restaurant nach dem nächsten. Globale Events wie die Expo 2020 in Dubai oder die Olympischen Spiele 2020 in Japan kurbeln das Hospitality-Wachstum in Asien an. Thomas Kastl, Leiter Dining der Messe Ambiente, erklärt, wie sich aufgrund des globalen Booms Ansprüche von Gästen an Gastgeber ändern – und was die Ambiente zum HoReCa-Marktplatz macht, um dieses Potenzial zu nutzen.

Die Hospitality-Branche boomt: 2018 verzeichnete laut einer aktuellen Studie von PwC Strategy& der globale Restaurant-Markt einen Umsatz von 1,6 Billionen US-Dollar. Bis 2022 wird das Wachstum um mehr als ein Drittel ansteigen. Auf den ganzen Food-Service-Markt betrachtet ist der Umsatz sogar doppelt so groß. Auch die Hotellerie-Branche freut sich über Wachstum: Laut Datenexperte STR ist die globale Anzahl an Zimmern innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 17,7 Prozent gewachsen. Die Tourismusbranche blickt aktuell laut IPK International auf globale Umsatzwachstüme von stolzen 8 Prozent. Überraschen Sie diese Zahlen?

Thomas Kastl: Das sind natürlich großartige Aussichten für die Branche – und gleichzeitig Herausforderungen. Denn Restaurants und Hotels stehen vor der Aufgabe, dieses Potenzial zu nutzen. Wo die Nachfrage groß ist, steigt die Konkurrenz und damit die Ansprüche der Gäste. Überraschen tun mich diese Zahlen nicht. Als globale Leitmesse ist es unsere Aufgabe, die Stimmung der Branche wahrzunehmen. Das Wachstumspotenzial haben wir früh erkannt und stetig unsere Hospitality-Kompetenz ausgebaut. Heute hat sich die Ambiente innerhalb des HoReCa-Geschäfts ein klares Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, das mit der Eröffnung der neuen HoReCa-Halle 6.0 noch mehr Gewicht bekommt: Die Ambiente ist die führende internationale Plattform für das Segment „Front of House“.

Dieses Segment ist auf anderen HoReCa-Veranstaltungen verschwindend klein. Gleichzeitig zeigen die Zahlen vor allem eins: Der Hospitality-Markt wächst weltweit. Umso wichtiger ist es, Branchen-Insights des Front of House-Bereichs nicht nur aus erster Hand, sondern aus so vielen globalen Perspektiven wie möglich zu beleuchten. Die HoReCa-Academy widmet sich genau dieser globalen Betrachtungsweise von Trends und Entwicklungen im Gastraum. Die Zusammenstellung der Speaker ist aus diesem Grund aus dem Stand heraus international und reicht von Topreferenten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, den Niederlanden bis hin in die USA.

Ist diese von ihnen beschriebene Positionierung vor allem auf den hohen HoReCa-Internationalitätsgrad der Ambiente sowie auf ihre weltweit führende Rolle in der Produktgruppe Dining zurückzuführen?

Thomas Kastl: Ja – allerdings nicht nur. Produktgruppenübergreifend betrachtet geht die Front of House-Rolle der Ambiente sogar über die reine Schnittstelle von Hospitality und Gedecktem Tisch hinaus. Möglich macht dies neben zahlreichen HoReCa- auch die wachsende Anzahl an Contract Business-Ausstattern im Living- und Giving-Bereich. Ob Küchenchefs, Entscheider aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, professionelle Einkäufer, Innenarchitekten, Designer oder Gastronomen – die Inspiration für HoReCa-Einkäufer endet auf der Ambiente nicht bei der Auswahl des Table Top.

Auch die Lifestyle-Kollektionen rund um Möbel, Dekoration, Leuchten oder Textilien geben reichlich Impulse für einzigartige Front of House-Konzepte. Diese Kombination gibt es in dieser Qualität nur in Frankfurt auf der Ambiente. Eine Übersicht über Aussteller, die sich auf Hospitality- oder Contract Business-Lösungen spezialisieren, gibt der Contract & HoReCa Guide. Der Guide liegt auf der Veranstaltung aus und listet spezialisierte Unternehmen mit Standortangabe auf. Auch vor der Messe können gezielt Anbieter über die Online-Ausstellersuche gefunden werden.Zudem blickt die neue Halle 6.0 mit ihren vielfältigen Produktkategorien im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand. Denn Erlebnis beginnt bereits bei ausgefallenen Menükarten und innovativer Tischbeleuchtung. Von Chafing-Geschirr über Leinenservietten, Tischläufern, bis hin zu Menükarten und Personalbekleidung bietet die Halle Fachbesuchern ein zusätzliches konzentriertes HoReCa-Angebot.
 

Sie sagen, dass der Boom Hotellerie und Gastronomie gleichzeitig vor Herausforderungen stellt. Warum?

Thomas Kastl: Wenn Menschen immer häufiger auswärts essen, machen sie das aus Hunger – und zwar nicht nur auf Speisen, sondern auch auf Erlebnisse. Gleiches gilt fürs Reisen. Neben den bereits genannten Zahlen stiegen laut IPK 2018 sowohl die durchschnittliche Reisedauer als auch die Reiseausgaben. Damit sind Hotels und Gastronomie weltweit auf Wachstumskurs, stehen allerdings in sehr starker Konkurrenz untereinander. Menschen kommen immer mehr herum, erleben Best Practices, die sie begeistern. Damit steigen die Erwartungen – und zwar nicht nur im High-End-Segment, sondern auch beim Casual Dining. Auch hier ist der Hunger auf Statement setzende Inszenierungen groß.

Wofür steht ein Konzept? Was für Werte wollen damit ausgedrückt werden? Auf welche Hospitality-Trends werden Antworten gegeben? Was macht ein Hotel oder ein Restaurant zum unverwechselbaren Gastgeber? Table Top ist die Leinwand für diese Geschichten: Es lässt Signature Dishes nicht nur lebendig werden. Es zeigt die Geschichte, Haltung und das unverwechselbare Etwas eines Konzeptes. Und ganz wichtig: Die richtige Auswahl zeigt, dass ein Restaurant oder Hotel die Trends der heutigen Zeit verstanden hat.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie durch Table Top sowohl Storytelling praktiziert als auch auf Dining-Trends reagiert wird?

Thomas Kastl: Table Top ist Teil des roten Fadens, der den Gast durch das Hospitality-Konzept eines Hotels oder eines Restaurants leitet. Wenn ein Restaurant für regional-heimische Küche steht, kann organisches Design Menschen auch mitten in der Großstadt das Gefühl von Entschleunigung geben. Ein Beispiel ist die Kollektion „Vago“ unseres Ausstellers Bonna. Jedes Stück der Serie wirkt so, als wäre es ein handwerkliches Unikat und unterstreicht hierdurch das heimische Gefühl von Wärme und Authentizität – ohne dabei die wichtigsten Ansprüche an HoReCa-Table Top zu vernachlässigen: Stapelbarkeit, Langlebigkeit und vielseitige Einsatzmöglichkeiten.

Die richtige Auswahl kann auch das kulturelle Verständnis von Inszenierung widerspiegeln. Gerade in China, Russland oder dem rasant ansteigenden Hospitality-Markt im Nahen Osten gehen emotionalisierende Gasterlebnisse oft mit opulentem Table Top einher. Die Kollektion „Orsay“ des französischen Ausstellers Deshoulières ist ein Beispiel für die goldene Ausstattung einer solch noblen Bühne.

Ob der Social-Media Post eines Locals im neuen Streetfood-Bistro oder der Gast eines 5-Sterne-Hotels, der mehrmals im Jahr in den Genuss von Premium-Catering kommt – unverwechselbar wird das Erlebnis nur, wenn es einzigartig ist. Bespoke – also maßgeschneidert – ist das Zauberwort der HoReCa-Branche. Von kleinen Details wie der Fingerabdruck des Chefkochs auf dem Teller bis hin zu Karaffen oder Etageren im Look der außergewöhnlichen Hotel-Fassade – die Nachfrage nach maßgeschneiderten Produkten ist insbesondere im High-End-Segment sehr groß.

Sind das also die Ansprüche der HoReCa-Entscheider an Anbieter: unverwechselbares Design, das das individuelle Konzept des Hauses erlebbar macht?

Thomas Kastl: Hier kommt die Herausforderung für Hersteller, die ihre Struktur auf die Ausstattung von Hotels, Restaurants oder Catering-Unternehmen ausgerichtet haben – denn es bleibt nicht nur bei dem Wunsch nach Individualität und Design mit Wow-Effekt.

Funktionale Aspekte spielen im HoReCa-Bereich ebenfalls eine entscheidende Rolle. Jeden Tag wollen eine große Menge an Menschen bewirtet werden, mit wechselnden Wünschen und Locations. Dining-Produkte für HoReCa müssen stapelbar, platzsparend, vielfältig einsetzbar und höheren qualitativen Anforderungen der Nutzung, des Gebrauchs und der Pflege bzw. Reinigung gerecht werden. Die Ansprüche sind hoch – sowohl am Design als auch an der Qualität und Funktion der Produkte.

Ein Beispiel, das ungewöhnliches Design und HoReCa-Ansprüche besonders gut vereint, ist die Schale „Medusa“ des Ausstellers Zieher. Die organisch geformte Schale wirkt wie ein Meeresgeschöpf, dessen Tentakeln in zahlreichen Bearbeitungsschritten geformt wurden. Filigran, überraschend, extravagant in der Präsentation und dennoch aus massivem Edelstahl – getreu dem Motto „robust but yet delicate“.

Warum ist die Ambiente der richtige Ort, um dieses Potenzial zu nutzen?

Thomas Kastl:  Die HoReCa-Branche ist so lebendig wie noch nie. Es gibt so viel Potenzial, aber auch so viele feine Details, die entscheidend sind, um mit dem eigenen Konzept dieses Potenzial nutzen zu können. Deswegen ist der persönliche Austausch zwischen Entscheidern und internationalen Herstellern für die Einrichtung von Hotellerie und Gastronomie so wichtig. Gespräche sind existenziell, um sich bilateral zu allen sensiblen Überlegungen persönlich auszutauschen – insbesondere mit Hinblick auf smarte Individualisierungsideen und klare Erwartungshaltungen in puncto Qualität. Denn nur über den Austausch untereinander kann verstanden werden, welche Einzelstücke wirklich der Seele des eigenen Konzepts entsprechen und den Erlebnishunger der Gäste stillen.

Ambiente 2020

Mit geballter Front of House-Vielfalt feiert die neue HoReCa-Halle 6.0 zur kommenden Ambiente in zwei Monaten ihre Premiere. Und das mit den Produktgruppen Buffet & Präsentation, Chafing & Transport, Tabletop, Café & Bar, Küche & Küchenhelfer, Menükarten, Tafeln & Display, Tischwäsche & Servietten sowie Berufsbekleidung & Kellnerausstattung.

„Hotels werden für immer mehr Menschen mittlerweile mehrmals im Jahr zum Zuhause auf Zeit. Und auch gastronomisch wächst die Welt vor dem Hintergrund des pulsierenden Hospitality-Marktes immer weiter zusammen. Egal ob zusammengewürfelte Tabletop-Einzelstücke im Fine Dining, Bowlfood-Sharing oder Solo-Dining als Auszeit zum hektischen Alltag – wenn die neue HoReCa-Halle ihre Pforten das erste Mal auf der kommenden Ambiente öffnet, hat sie mit ihrer noch nie zuvor dagewesenen Front of House-Vielfalt die entscheidenden Antworten auf die Hospitality-Trends von morgen“, so Thomas Kastl, Leiter Dining.

Die nächste Ambiente findet vom 7. bis 11. Februar 2020 statt.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Anfang Januar 2026 fand die zweite Ausgabe des EUROVINO Days an der Messe Karlsruhe statt. Das Talk- und Networking-Format bot den zahlreichen Anwesenden aus Weinerzeugung und -vermarktung sowie Handel, Gastronomie und Presse die Möglichkeit, im Rahmen einer Keynote und zwei anschließenden Talkrunden die Expertise hochrangiger und erfahrener Spezialistinnen und Spezialisten aus der Branche zu hören und Erkenntnisse daraus zu ziehen.

Im Dry January sind sie besonders gefragt, aber längst nicht nur dann: alkoholfreier Wein und Sekt. Die Kategorie alkoholfrei ist eine der am schnellsten wachsenden Gattungen im Getränkebereich. Über Trends, Verfahren und Geschmack.

Deutlich weniger Bock auf Bier. Dieser Marktentwicklung müssen sich viele Brauer stellen. Den Verbrauchern werden neue Produkte serviert, in einigen Fällen auch höhere Preise.

Als eine der ersten deutschen Großbrauereien legt Veltins Zahlen für 2025 vor. Von einer Biermarktkrise ist die Rede. Bei der Privatbrauerei im Hochsauerland ist die Stimmung aber gut.

Sie gestalten die Zukunft der Hospitality-Branche – und nicht nur das. Die Emerging Professionals in Consulting (EPiCs) führen den FCSI in ein neues Zeitalter: digitaler, vernetzter und kollaborativer denn je. Nur die intensive Zusammenarbeit von erfahrenen und jungen Mitgliedern auf Augenhöhe kann den Weg in eine gelingende Zukunft weisen.  

Ein Blick hinter die Kulissen: Die Sortieranlage der Brauerei Veltins verarbeitet täglich 100.000 Mehrwegkästen. Dabei werden rund zehn Prozent aufgrund von Fremdkörpern wie Smartphones, Schlüsseln oder Geldbeuteln manuell nachsortiert.

Deutschland ist für Messen ein wichtiger Standort. Der Branchenverband rechnet für 2026 erneut mit Hunderten Veranstaltungen - und knüpft allmählich wieder ans Vorkrisen-Niveau an.

Das Geschäft der Winzerinnen und Winzer hängt stark von günstigem Wetter ab – aber auch von der Marktlage. Die wirtschaftlichen Bedingungen seien «dramatisch», heißt es in einem neuen Bericht.

Der Lebensmittelhändler kritisierte im November höhere Preisforderungen des Brauereikonzerns AB Inbev. Bestellungen wurden reduziert. Nun hat man offenbar einen Kompromiss gefunden.

Die EU-Kommission gibt grünes Licht für den Kauf von Délifrance durch Vandemoortele. Um eine marktbeherrschende Stellung bei Tiefkühl-Backwaren und steigende Preise zu verhindern, müssen jedoch zwei französische Werke verkauft werden.