Wenn ein Rabbi den Weinberg bewacht - Koscherer Wein im Staatsweingut

| Industrie Industrie

In Baden-Württemberg überwacht ein Rabbi künftig einen Weinberg in Württemberg. In der traditionellen Weinbauregion wird das Staatsweingut Weinsberg (Kreis Heilbronn) auch einen koscheren Wein anbauen, beobachtet und beraten von Rabbinern aus Baden und Württemberg. «Künftig werden Reben auf ausgewählten Flächen des Weinsberger Staatsweinguts in rein jüdischer Tradition ausgebaut und die Trauben nach der Ernte zu koscherem Wein verarbeitet», teilte die CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag mit. Sie will Details zum geplanten Projekt am Montag (17.00 Uhr) gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) und den Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden und Württemberg vorstellen.

Baden-Württemberg ist Weinland, hieß es weiter. «Unsere heimischen Winzer betreiben seit Jahrhunderten Weinbau und geben das Wissen von Generation zu Generation weiter.» Das Projekt sei ein «Zeichen der Verbundenheit mit jüdischem Leben und Glauben».

Das Herstellen koscheren Weins ist für einen Winzer oder ein Weingut mit großem Aufwand verbunden. Denn die religiösen Speisegesetze, das «Kaschrut», stellen hohe Anforderungen an koscheren Wein. Der Wortstamm «koscher» bedeutet im Hebräischen «für den Verzehr geeignet». Die wichtigste Bedingung dafür ist eine den Geboten der Tora und des Talmud entsprechende Behandlung. Entscheidend ist, dass mit Beginn der Traubenpressung bis zur Abfüllung des Weins nur ein streng gläubiger männlicher Jude, also einer, der den Sabbat einhält, die Maische, Fässer, Tanks, Schläuche - kurz alles, was mit dem Wein in Kontakt kommt - berühren darf.

Ein Kellermeister darf den Wein also während der gesamten Zeit nicht einmal sehen. Bei bisherigen Produktionen zum Beispiel in Bayern hatte unter anderem ein Rabbi Fotos von Geräten gemacht, sich im Nebenzimmer Anweisungen abgeholt und die Produktion des Weines vorangetrieben. Ein zweites Fass hatte dem Kellermeister wenigstens einen groben Eindruck von der Entwicklung des Safts ermöglicht.

Bis die Trauben im Staatsweingut abgefüllt sind, dürfte es aber noch dauern. Denn Trauben für koscheren Wein dürfen nicht von Rebstöcken stammen, die jünger als vier Jahre sind, und im siebten Jahr, dem sogenannten Sabbatjahr, darf nicht geerntet werden. Zwei Monate vor der Lese wird nicht mehr organisch gedüngt. Im Weinberg dürfen keine anderen Pflanzen wachsen, Mischkulturen sind nicht erlaubt. Zusätze wie Enzyme, Bakterien oder Stoffe tierischen Ursprungs wie Gelatine sind beim Vinifizieren unzulässig. Nur die Bakterien auf der Traubenschale bringen die Fermentation in Gang. Auch muss ein koscherer Wein «mevuschal» sein, das heißt abgekocht.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die neue Kalk&Kegel-Liste 2026 benennt 104 deutsche Weingüter als zukunftsweisend für die Branche. Gewählt von führenden Sommeliers, stehen handwerkliche Präzision und ökologische Bewirtschaftung im Fokus der Auswahl.

Alkoholfreier Wein kommt bei immer mehr Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland gut an. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) zum Auftakt der Weinmesse ProWein in Düsseldorf mitteilte, zogen der Absatz und Umsatz mit dieser Weinart im vergangenen Jahr um 25 Prozent an.

Heute startet in Hamburg die Branchenveranstaltung 370Grad. Vier Tage lang treffen sich Entscheider aus Hotellerie, Gastronomie und Catering im Empire Riverside Hotel zum Austausch über Konzepte, Produkte und Entwicklungen der Branche.

Die INTERNORGA 2026 setzt in Hamburg auf ein erweitertes Rahmenprogramm mit Kongressen, Wettbewerben, neuen Themenbereichen und Netzwerkformaten für Hotellerie, Gastronomie und Foodservice.

Lukull steht schon immer für weit mehr als seinen beliebten Klassiker, die Sauce Hollandaise. Nun wird die Range des Marktführers um zwei neue, vegetarische Saucen erweitert, die den Küchenalltag erleichtern. Die milde Champignon Sauce und die kräftige, glutenfreie Rotwein Sauce.

Extremer Regen löst im wichtigsten Kaffee-Anbauland Brasilien Erdrutsche mit verheerenden Folgen aus. Das wird auch hier an der Kaffeemaschine spürbar. Deutschland ist mittlerweile der größte Abnehmer brasilianischen Kaffees.

Die Münchener Kaffeekette Coffee Fellows steigt in den Markt für trinkfertige Dosengetränke ein. Ab April sind sechs Kaffee- und Matcha-Sorten im Handel und in den Filialen erhältlich.

Pressemitteilung

Am 1. und 2. März wurde die Messe Karlsruhe erneut zum Treffpunkt für die nationale und internationale Weinbranche: Zur dritten Ausgabe der EUROVINO kamen über 500 Ausstellende sowie Fachpublikum aus Handel, Gastronomie und Hotellerie nach Karlsruhe. In konzentrierter wie persönlicher Atmosphäre entstanden interessierte Gespräche, neue Geschäftskontakte sowie die Möglichkeit, Partnerschaften zu intensivieren.

Die Traditionsmanufaktur Kahla in Thüringen kämpft erneut mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und hat ein Insolvenzverfahren zur Sanierung eingeleitet. Trotz einer drastisch reduzierten Belegschaft und schwieriger Rahmenbedingungen durch hohe Energiekosten, soll die Produktion am historischen Standort fortgesetzt werden.

Henkell Freixenet erwirbt die restlichen Anteile an Freixenet S.A. und wird nach acht Jahren partnerschaftlicher Zusammenarbeit zum alleinigen Eigentümer des spanischen Weltmarktführers für Cava. Während die Familie Ferrer künftig auf eigene Weingüter setzt, bleibt die Führung der Marke in Wiesbaden konzentriert.