Das Symbol Frankens - 300 Jahre Bocksbeutel im Bürgerspital

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Wer wann den ersten Frankenwein in einen Bürgerspital füllte, ist nicht eindeutig geklärt. Vor 300 Jahren allerdings - das ist urkundlich erwähnt - erklärte der Würzburger Stadtrat den Bocksbeutel zur Flasche der besten fränkischen Weine und ließ die ersten Exemplare in den Kellern des heute weit über Franken hinaus bekannten Bürgerspitals einlagern. «Und die Wahrheit, der reine, unverfälschte Wein, siegte rasch und glänzend», verkündet die Stadtchronik. 

Zuerst traf es die sogenannten Steinweine des Bürgerspitals vom Jahrgang 1718, die in gläserne Bocksbeutel von 1 Maß (1,22 Liter) kamen und mit einem Stadtsiegel versehen wurden, auch um dem zunehmenden Handelsmissbrauch Herr zu werden. Dieses Ereignis von 1726 feiert das Weingut Bürgerspital am heutigen Donnerstag mit einem Jubiläumswein und einem Empfang.

Bürgerspital ist mehr als nur Frankenwein

Das Bürgerspital in Würzburg wurde 1316 durch die Eheleute Johannes und Mergardis von Steren gegründet. Heute betreibt das Bürgerspital mehrere Seniorenwohneinrichtungen, eine Tagespflege und ein Geriatriezentrum. Dass die Kosten des Pflegebetriebs von den Einnahmen des Weinbaus getragen werden, gehört seit jeher zum Geschäftsmodell des Spitals. 

Etwa 700 Menschen arbeiten für die Belange des Bürgerspitals zum Heiligen Geist. Das Weingut des Hauses ist mit 120 Hektar Rebfläche eines der größten Weingüter Deutschlands.

Markenzeichen Frankens

Der Siegeszug der bauchigen Bocksbeutel - die ursprüngliche Flaschenform ist eher rund und gedrungen - ist nicht nur dank des Bürgerspitals ungebremst. Es ist die ikonische Flasche des Weinanbaugebiets Franken, ein Alleinstellungsmerkmal der Region. Wer seinen Wein in einen heute typischen 0,75 Liter großen Bocksbeutel abfüllen will, hat nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands strenge Kriterien zu erfüllen: eine bestimmte Punktzahl bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung und ein Mindest-Mostgewicht von 72 Grad Oechsle. Grad Oechsle ist eine Maßeinheit für das Gewicht des unvergorenen Traubenmostes.

Seit etwa zehn Jahren ist mit dem Bocksbeutel PS eine überarbeitete Flaschenform auf dem Markt. Größer, weniger Bauch, mehr Kanten: Den Weg, die traditionelle Bocksbeutel-Flasche innovativ zu verändern, wollten zunächst nicht alle Winzer mitgehen. Mittlerweile sind viele von der modernen Form angetan.

Hinweise in der Vergangenheit

Doch seit wann gibt es nun die Bocksbeutel? Bereits um die 1400 vor Christus soll es den ältesten Urahnen des Bocksbeutels, das heißt, die früheste bekannte Flachkugelflasche gegeben haben: ein keltisches Tongefäß. Nach Verbandsangaben wurde es auf fränkischem Boden bei Großostheim im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg gefunden. Von ihm führe nur ein kleiner Entwicklungsschritt zurück zum Urhohlgefäß der Menschheit, der Vollkugelflasche. 

1576 gründete der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn das nach ihm benannte Juliusspital in Würzburg - das heute nach eigenen Angaben zweitgrößte Weingut Deutschlands. Auf dem Steinrelief der Stiftungsurkunde ist der Bocksbeutel abgebildet und dort heute noch zu sehen.

Im Handwerker- und Ökonomiebuch des Glasmachers Mathis Wenzel von Wertheim findet sich 1659 der Hinweis auf eine «ronde Flasche» vom Aussehen eines Bocksbeutels, wie aus Informationen des Weinbauverbands hervorgeht. Ein paar Jahre später - 1688 - taucht eine Rechnung über einen Bocksbeutel im Produktverzeichnis einer Hohlglashütte im Spessart auf. (dpa)


 

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