Breite Front gegen geplante Verpackungssteuer in Potsdam

| Politik Politik

In einem gemeinsamen Brandbrief haben sich zahlreiche Wirtschafts- und Branchenverbände am 27. Februar 2026 an die Stadtverordnetenversammlung sowie die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam gewandt. Die Unterzeichner fordern darin eindringlich, die geplante Einführung einer kommunalen Verpackungssteuer vor einer endgültigen Beschlussfassung in die zuständigen Ausschüsse zu überweisen. Ziel ist eine fachliche Beratung, die erst nach der Sommerpause wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden soll, um eine ordnungsgemäße Anhörung der betroffenen Akteure zu ermöglichen.

Warnung vor massiven Preissteigerungen für Bürger

Die Allianz aus Gastronomie, Handel, Handwerk und Wirtschaft sieht die Einführung der Steuer mit großer Sorge. Nach Einschätzung der Verbände würde die Abgabe vor allem Haushalte mit geringem Einkommen belasten. Konkret wird vor Preissteigerungen von teilweise bis zu 50 Prozent gewarnt. Dies könne dazu führen, dass alltägliche Angebote wie der Kaffee unterwegs, das Mittagessen außer Haus oder eine Kugel Eis im Sommer für viele Menschen unerschwinglich werden. Die Betriebe befänden sich ohnehin in einer wirtschaftlich angespannten Lage aufgrund hoher Energie- und Rohstoffpreise.

Zweifel an Lenkungswirkung und Finanzeffekt

Neben den finanziellen Folgen für die Bürger kritisieren die Verbände den steigenden Verwaltungsaufwand und die wachsende Bürokratie für die Unternehmen. In dem Schreiben wird zudem die Lenkungswirkung einer solchen Steuer als höchst zweifelhaft bezeichnet. Laut den Unterzeichnern führen geltende Verpackungssteuern weder zu einer höheren Mehrwegabnahme noch zu einer Verringerung von Verpackungsabfällen. Auch ein positiver Effekt auf die Haushaltskassen der Stadt wird bestritten, da die Einführung, Umsetzung und Kontrolle der Steuer mit hohen finanziellen Mehrbelastungen für die Kommunen verbunden sei.

Forderung nach Dialog statt Alleingang

Die Verbände betonen, dass den Betrieben eine saubere Stadt und Nachhaltigkeit am Herzen liegen und viele bereits aktiv an der Abfallvermeidung arbeiten. Sie bieten der Stadtverwaltung an, gemeinsam praktikable und verhältnismäßige Lösungen im Dialog zu erarbeiten, statt auf eine zusätzliche kommunale Abgabe zu setzen. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem die IHK Potsdam, die Handwerkskammer Potsdam, der DEHOGA Brandenburg, der Handelsverband Berlin-Brandenburg, der Bundesverband der Systemgastronomie sowie der Bäcker- und Konditoren Landesverband Berlin und Brandenburg.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Bundesregierung hält an ihren Plänen fest, künftig eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu ermöglichen. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor, die als Bundestagsdrucksache vorliegt.

Berlin will über den Bundesrat eine bundesweite Pflicht für digitale Zahlungsmittel durchsetzen. Auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist eine entsprechende Regelung vorgesehen.

Ein Bündnis mehrerer Branchenverbände spricht sich gegen die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Gastronomie aus. Die Organisationen sehen laut Mitteilung zusätzliche Belastungen und fordern ein Aussetzen des Gesetzesvorhabens.

Das Bundeskabinett hat eine Verordnung beschlossen, die Ausnahmen vom Lärmschutz für Public Viewing während der Fußball-WM 2026 ermöglicht. Städte und Gemeinden sollen dadurch flexibler über Veranstaltungen in den Nachtstunden entscheiden können.

Eine Expertenkommission empfiehlt zur Sanierung der Krankenkassen Steuererhöhungen auf Tabak, Alkohol und Zucker. Während die Berater auf Prävention und Milliardenentlastungen setzen, warnen Verbraucherschützer vor neuen sozialen Barrieren im Gesundheitssystem.

Jugendliche ab 14 Jahren dürfen in Begleitung etwa der Eltern in der Öffentlichkeit Bier, Wein oder Sekt trinken. Die Jugendministerin will das «begleitete Trinken» beenden.

Der Rat der Europäischen Union hat die Reform der Pauschalreiserichtlinie verabschiedet, um für mehr Klarheit bei Reisearten und außergewöhnlichen Umständen zu sorgen. Kritiker bemängeln jedoch die Beibehaltung der 14-tägigen Rückerstattungsfrist und fehlende Instrumente für globale Krisenszenarien.

Berlin führt eine Ausbildungsplatzumlage für Unternehmen ein. Wirtschaftsverbände kritisieren die Abgabe und sprechen von zusätzlichen Belastungen für Betriebe.

Mit gezielten Hilfen für den Tourismussektor hat die Regierung der EU-Inselrepublik Zypern ein Maßnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts geschnürt.

Die Gewerkschaft NGG und der DEHOGA Niedersachsen haben sich auf einen neuen Entgelttarifvertrag geeinigt, der Lohnsteigerungen in zwei Stufen vorsieht. Auch die Vergütungen für Auszubildende werden bis 2028 schrittweise angehoben.