Britische Regierung kündigt Steuerentlastungen für Gastronomie in England an

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Die britische Regierung hat im Rahmen ihres Haushalts für 2026 umfangreiche Steuerentlastungen für Unternehmen in England angekündigt. Davon sollen insbesondere Betriebe aus Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitwirtschaft profitieren. Die Maßnahmen umfassen höhere Freibeträge bei der Gewerbeimmobiliensteuer, zusätzliche Ermäßigungen für Pubs sowie eine zweijährige Begrenzung der Steuerbelastung. Während der britische Gastgewerbeverband UKHospitality die Ankündigungen begrüßt, kritisieren Hotelbetreiber und Gastronomen die weiterhin hohe Steuerbelastung und die ausbleibende Senkung der Mehrwertsteuer.

Nach Angaben des britischen Finanzministeriums sollen durch die Anhebung der Freibetragsgrenzen rund 70.000 zusätzliche Betriebe vollständig von der Gewerbeimmobiliensteuer, den sogenannten Business Rates, befreit werden. Darunter befinden sich 3.900 Restaurants, 3.500 Pubs und 2.200 Cafés. Die Regierung veröffentlichte die Maßnahmen am 28. Oktober 2026 im Haushaltsdokument. Die neuen Regelungen sollen ab dem 1. April 2027 gelten.

Regierung hebt Freibeträge für kleine Gastronomie- und Freizeitbetriebe deutlich an

Für berechtigte Immobilien aus Einzelhandel, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft steigt die Grenze für eine vollständige Befreiung von der Gewerbeimmobiliensteuer von bislang 12.000 auf 18.000 Pfund. Maßgeblich ist dabei der für die Besteuerung festgesetzte Immobilienwert, der sogenannte Rateable Value. Bei Werten zwischen 18.000 und 21.000 Pfund wird die Steuerermäßigung schrittweise reduziert. Bisher lag die obere Grenze bei 15.000 Pfund.

Die neuen Schwellenwerte sollen bis zum 31. März 2029 gelten. Im Zuge der für 2029 vorgesehenen Neubewertung der Gewerbeimmobilien will die Regierung die Grenzen erneut überprüfen.

Pubs erhalten zusätzliche Steuerermäßigung von 20 Prozentpunkten für zwei Jahre

Für Pubs, soziale Clubs und die meisten Veranstaltungsstätten mit Livemusik sieht der Haushalt eine zusätzliche Entlastung vor. Die bestehende Steuerermäßigung von 15 Prozent soll um 20 Prozentpunkte auf insgesamt 35 Prozent steigen.

Nach Berechnungen der Regierung entspricht die gesamte Ermäßigung für Pubs im kommenden Steuerjahr einer durchschnittlichen Entlastung von mehr als 3.000 Pfund pro Betrieb. Die Vergünstigung soll in den Steuerjahren 2027/28 und 2028/29 gelten.

Für Veranstaltungsstätten mit Livemusik, deren steuerlicher Immobilienwert mindestens eine Million Pfund beträgt, bleibt es dagegen bei der bisherigen Ermäßigung von 15 Prozent.

Regierung begrenzt Steuersteigerungen für Gastgewerbe und Einzelhandel auf Inflationsrate

Neben den höheren Freibeträgen und zusätzlichen Ermäßigungen kündigt die Regierung eine Begrenzung der Steuerrechnungen für berechtigte Immobilien aus Einzelhandel, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft an.

In den Steuerjahren 2027/28 und 2028/29 sollen die Rechnungen höchstens entsprechend der Verbraucherpreisinflation steigen. Die Regelung gilt bis zum 31. März 2029. Ausgenommen sind unter anderem Steuersteigerungen, die auf einen höheren Immobilienwert infolge baulicher Verbesserungen zurückgehen. Auch der Wegfall bestimmter anderer Steuervergünstigungen kann zu einer höheren Belastung führen.

Nach Berechnungen des Finanzministeriums sollen mehr als 14.000 Restaurants durch die Regelung über beide Jahre hinweg durchschnittlich 7.500 Pfund an zusätzlichen Steuerzahlungen vermeiden.

Tausende Restaurants und Cafés sollen künftig keine Immobiliensteuer mehr zahlen

Die britische Regierung beziffert die Zahl der zusätzlich vollständig von der Gewerbeimmobiliensteuer befreiten Betriebe auf rund 70.000. Dazu gehören neben den 3.900 Restaurants, 3.500 Pubs und 2.200 Cafés auch 1.700 Friseur- und Schönheitssalons.

Nach den Berechnungen der Regierung soll durch das Maßnahmenpaket künftig die Hälfte aller Gewerbeimmobilien aus Einzelhandel, Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft in England vollständig von der Gewerbeimmobiliensteuer befreit sein. Bei rund 110.000 Immobilien dieser Wirtschaftsbereiche sollen die Steuerrechnungen im kommenden Jahr sinken.

Die Regierung kündigte außerdem an, das bestehende Unterstützungsprogramm für kleine Unternehmen um ein weiteres Jahr für Betriebe zu verlängern, die bereits 2023 entsprechende Vergünstigungen erhalten hatten.

Britischer Gastgewerbeverband begrüßt Entlastungen und fordert niedrigere Mehrwertsteuer

Der britische Gastgewerbeverband UKHospitality hat die angekündigten Steuerentlastungen begrüßt, fordert jedoch weitere Maßnahmen. Geschäftsführer Allen Simpson erklärte in einer Stellungnahme zum Haushalt, es handele sich um den ersten Haushalt seit mehreren Jahren, der überhaupt positive Nachrichten für das Gastgewerbe enthalte. Dies zeige, dass die anhaltenden Forderungen der Branche Wirkung hätten.

Simpson verwies auf die nach Verbandsangaben hohe Steuerbelastung des Gastgewerbes. Auf jedes erwirtschaftete Pfund entfielen 82 Pence an Unternehmenssteuern. Das sei die höchste Belastung aller Wirtschaftszweige und doppelt so viel wie im Bankensektor.

Die Änderungen bei der Gewerbeimmobiliensteuer seien ein wichtiger Schritt. Für Betriebe aus Gastgewerbe und Freizeitwirtschaft in England würden die Steuerrechnungen ab April für zwei Jahre entweder inflationsbereinigt eingefroren, gesenkt oder vollständig entfallen.

Gleichzeitig bezeichnete Simpson die Maßnahmen lediglich als ersten Schritt zu einer gerechteren Besteuerung. Der Verband fordert insbesondere eine Senkung der Mehrwertsteuer. Die Regierung müsse die steuerliche Ungleichbehandlung der Branche schneller angehen, um Investitionen, Beschäftigung und Wachstum zu ermöglichen.

Hotelbetreiber kritisieren weiterhin hohe Steuern und steigende Personalkosten

Kritisch äußerte sich Gavin Taylor, Geschäftsführer der Clermont Hotel Group. Wie das britische Fachmedium The Caterer berichtet, erklärte Taylor, der Haushalt enthalte keine Maßnahmen, die sein Unternehmen zu zusätzlichen Investitionen, Wachstum oder zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ermutigten.

Taylor verwies insbesondere auf die Belastung durch Gewerbeimmobiliensteuern bei größeren Objekten. Während kleinere Unternehmen von höheren Freibeträgen profitierten, stellten die starken Steuersteigerungen für größere Immobilien weiterhin eine erhebliche Belastung dar.

Zusätzlichen Kostendruck verursachten nach seiner Darstellung steigende Mindestlöhne, Sozialversicherungsbeiträge und die hohe Mehrwertsteuer. Auch die bevorstehende Abgabe auf Übernachtungen nannte Taylor als Belastungsfaktor.

Die britische Regierung hatte im Haushalt außerdem eine Anhebung des Mindestlohns um 3,9 Prozent angekündigt.

Gastronomen kritisieren ausbleibende Senkung der Mehrwertsteuer für ihre Betriebe

Auch aus der Gastronomie kommt Kritik. Der britische Koch und Unternehmer Tommy Banks, Betreiber der Tommy Banks Group, bezeichnete den Haushalt gegenüber The Caterer als äußerst frustrierend. Die Entlastungen bei der Gewerbeimmobiliensteuer begrüße er zwar für die begünstigten Unternehmen. Sie reichten jedoch bei Weitem nicht aus, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche zu bewältigen.

Banks kritisierte insbesondere die steigenden Beschäftigungskosten. Selbst gut besuchte Restaurants hätten angesichts hoher Steuern und wachsender Kosten Schwierigkeiten, wirtschaftlich zu arbeiten. Er befürchte weitere Betriebsschließungen und Arbeitsplatzverluste.

Die Gastronomin Ayesha Kalaji, Betreiberin des Restaurants Queen of Cups in Glastonbury, kritisierte ebenfalls, dass die Regierung auf die Forderungen nach einer Mehrwertsteuersenkung nicht eingegangen sei. Die angekündigten Ermäßigungen bei der Gewerbeimmobiliensteuer könnten die drohenden Betriebsschließungen nach ihrer Einschätzung nicht verhindern.

Nach Angaben von The Caterer hatten mehr als 400.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die eine Senkung der Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe auf zehn Prozent fordert. Eine entsprechende Maßnahme ist im Haushalt 2026 nicht vorgesehen.

Ministerium kündigt weitere Vorschriften zur Umsetzung der Steuerentlastungen an

Die Änderungen bei der Gewerbeimmobiliensteuer betreffen England. Das zuständige Ministerium für Wohnungswesen, Kommunen und lokale Verwaltung erläuterte die vorgesehenen Regelungen am 28. Oktober 2026 in einem Schreiben an die Finanzverantwortlichen der englischen Kommunalbehörden.

Die gesetzlichen Einzelheiten sollen in den kommenden Wochen durch Verordnungen und Verwaltungsvorschriften festgelegt werden. Als Beginn der neuen Regelungen ist der 1. April 2027 vorgesehen.

Quellen: Britisches Finanzministerium, Haushalt 2026; britisches Ministerium für Wohnungswesen, Kommunen und lokale Verwaltung, Schreiben vom 28. Oktober 2026; UKHospitality, Stellungnahme von Allen Simpson zum Haushalt 2026; The Caterer, „Are we screaming into the void? Hospitality reacts to 2026 Autumn Budget“, 28. Oktober 2026.

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