«Fast drei Wochen»: Merz kritisiert Fehltage wegen Krankheit

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Wegen des hohen Krankenstands in Deutschland nimmt Bundeskanzler Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung ins Visier. Darüber müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen, sagte der CDU-Chef im Wahlkampf vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März. Die Äußerungen trafen bei SPD, Grünen, Linken und BSW auf Kritik.

«Wirklich notwendig?»

Merz sagte in Bad Rappenau, die Beschäftigten in Deutschland kämen im Schnitt auf 14,5 Krankentage. «Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?»

Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte der CDU-Chef. Die telefonische Krankschreibung nannte er als Beispiel. Diese gilt seit 2021, die Union dringt auf eine Abschaffung. «Während der Coronazeit begründet richtig, heute immer noch?», fragte der Kanzler.

Er sagte auch: «Am Ende des Tages muss stehen, dass wir alle zusammen in dieser Bundesrepublik Deutschland eine höhere volkswirtschaftliche Leistung gemeinsam erreichen, als wir sie gegenwärtig erreichen.»

«Krankmachende Arbeitsbedingungen»

Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wandte sich im «Tagesspiegel» gegen ein Ende der telefonischen Krankschreibung. Eine Verbesserung beim Krankenstand lasse sich durch «Vorbeugemedizin» erreichen. «Das gelingt uns durch Früherkennung, etwa von Bluthochdruck, durch eine Erhöhung der Tabaksteuer und andere präventive Maßnahmen – und nicht durch Gängelei der Kranken.»

Auch Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling meinte: «Wer den hohen Krankenstand beklagt, sollte über Überlastung, Personalmangel und krankmachende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen.» Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte, wirtschaftlich sei es klar, «dass wir mehr arbeiten müssen». Nötig seien aber gute Rahmenbedingungen, etwa verlässliche Kinderbetreuung. 

Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi kritisierte, der Kanzler stelle Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht, während die Regierung selbst wenig leiste. «Das Problem der deutschen Wirtschaft ist nicht der Krankenstand derjenigen, die den Laden am Laufen halten, sondern die miserable Wirtschaftspolitik mit hohen Energiepreisen und kaputter Infrastruktur», sagte De Masi.

Elektronische Erfassung

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krank gemeldet - ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021. Die Zunahme dürfte nach Einschätzung des Bundesamts unter anderem auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Anfang 2022 zurückzuführen sein. Damit würden die Krankmeldungen vollständiger erfasst.

Davon geht auch eine Studie der Krankenkasse DAK von Anfang 2025 aus. Treiber für zusätzliche Fehltage seien unter anderem Atemwegserkrankungen. Bei der telefonischen Krankschreibung sah die DAK-Studie hingegen «keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch». Drei von vier für die Studie befragten Beschäftigten nannten die telefonische Krankschreibung damals sinnvoll oder sehr sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt müsse und Kontakt zu anderen Patienten im Wartezimmer vermeiden könne.

Klausel im Koalitionsvertrag

Union und Arbeitgeberverbände fordern trotzdem schon länger das Ende der telefonischen Krankschreibung. CSU-Chef Markus Söder sagte zuletzt, die Abschaffung sei ein wichtiger Ansatz: «Das Blaumachen muss reduziert werden.» Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist jedoch nicht von Abschaffung, sondern von Korrekturen die Rede: «Die telefonische Krankschreibung werden wir so verändern, dass Missbrauch zukünftig ausgeschlossen ist (zum Beispiel Ausschluss der Online-Krankschreibung durch private Online-Plattformen).»

Auch immer wieder im Gespräch: Sogenannte Karenztage und die Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte zu Jahresbeginn: «Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen.» (dpa)


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