Länder fordern Kompensation für Gastro-Entlastung und Pendlerpauschale

| Politik Politik

Die von der Bundesregierung geplanten Steuerentlastungen für die Gastronomie und Pendler sorgen bei den Ländern und Kommunen weiterhin für Debatten. Der Finanzausschuss des Bundesrats warnt vor einer "zusätzlichen Verschärfung der Haushaltslage" und schränkt die Handlungsfähigkeit der Gebietskörperschaften ein. Die Länderkammer befasst sich in ihrer Sitzung am 17. Oktober 2025 mit den Plänen und einer möglichen Forderung nach Kompensation durch den Bund.

DEHOGA stellt Medienberichte klar: Keine Ablehnung der sieben Prozent

Medienberichte über eine angebliche Ablehnung der Steuersenkung durch die Bundesländer hätten zu Verunsicherung geführt schreibt der DEHOGA . Die Branchenvertrer betonen jedoch in einem internen Schreiben, dass weder der Wirtschafts- noch der Finanzausschuss des Bundesrats die sieben Prozent Mehrwertsteuer für Speisen abgelehnt hätten.

Der Verband unterstreicht, dass die Kompensationsforderungen die Debatte bereits von Beginn an begleiten. Entscheidend sei, dass der Finanzausschuss keine Ablehnung beschlossen habe und immer mehr Bundesländer das Vorhaben unterstützen. „Wichtig ist auch, dass immer mehr Bundesländer dieses für unsere Branche so wichtige Vorhaben unterstützen,“ heißt es in der Stellungnahme.

Milliarden-Mindereinnahmen und Kompensationsforderungen

Der Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025 sieht zwei wesentliche Entlastungsmaßnahmen vor, die zum 1. Januar 2026 in Kraft treten sollen. Zum einen soll der Mehrwertsteuersatz für Speisen in der Gastronomie dauerhaft von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden. Zum anderen soll die Pendlerpauschale bereits ab dem ersten Kilometer von derzeit 30 Cent auf 38 Cent pro Kilometer angehoben werden.

Die Mindereinnahmen aus diesen Maßnahmen sowie weiteren Entlastungen werden im Fünfjahreszeitraum von 2026 bis 2030 auf etwa 19 Milliarden Euro geschätzt. Davon müssten die Länder voraussichtlich 11,2 Milliarden Euro und die Gemeinden 1,4 Milliarden Euro tragen.

Der Finanzausschuss äußert deshalb die Erwartung, dass der Bund die durch das Gesetzesvorhaben entstehenden Steuermindereinnahmen der Länder und Kommunen nachhaltig kompensiert. Dies könnte beispielsweise durch eine bundesseitig verstärkte Finanzierung des Deutschlandtickets oder der flüchtlingsbedingten Ausgaben erfolgen.

Forderung nach Registrierkassenpflicht zur Gegenfinanzierung

Der Bundesrat fordert zudem Maßnahmen zur Verbesserung der Steuergerechtigkeit. Der Finanzausschuss äußerte die Erwartung, dass die Einführung einer Registrierkassenpflicht sowie einer verpflichtenden digitalen Zahlungsoption Steuermehreinnahmen erzielen könnten. Diese Forderungen zielen darauf ab, Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten steuerehrlicher Unternehmen in Bargeldbranchen entgegenzuwirken.

Der Bundesrat mahnt an, die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehene Einführung einer Registrierkassenpflicht für Geschäfte mit einem Jahresumsatz von über 100.000 Euro schnellstmöglich gesetzlich zu normieren. Zudem soll kurzfristig ein Vorschlag zur schrittweisen Einführung einer digitalen Zahlungsoption bei Alltagsgeschäften aufgenommen werden, um einen gleichmäßigeren Steuervollzug zu gewährleisten.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die NGG unterstützt die Empfehlungen der Rentenkommission zur Abschaffung des Sonderstatus von Minijobs. Der DEHOGA warnt dagegen vor erheblichen Folgen für rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe.

Im Supermarkt greifen viele Menschen zu veganen oder vegetarischen Produkten. Bald müssen sie sich an neue Namen gewöhnen: Bestimmte Begriffe, die an Tiere denken lassen, sind dann nicht mehr erlaubt.

Das Bundesfinanzministerium hat einen Gesetzentwurf zur Erhöhung der Alkoholsteuer vorbereitet. Nach einem Medienbericht sollen Spirituosen, Sekt und Alkopops ab dem 1. Januar 2027 um 20 Prozent höher besteuert werden.

Die Bundesregierung hat die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpasst. Nach derzeitiger Planung soll das Gesetz erst Anfang 2027 in Kraft treten, während Berichtspflichten und Auskunftsansprüche ab Juni 2028 greifen sollen.

Eine eigene Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat eine Alternative zu den Reformplänen der Regierung erarbeitet. Das Konzept verspricht ziemlich viel. Wie soll es finanziert werden?

Arbeiten bei mehr als 30 Grad, vielleicht sogar körperlich? Das ist nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich werden. Gewerkschaften setzen sich für mehr Schutz ein.

Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Der langjährige Präsident und spätere Ehrenpräsident des DEHOGA Bundesverbandes ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Wirken reicht weit über seine Amtszeit hinaus.

Die Diskussion um die mögliche Abschaffung oder deutliche Einschränkung von Minijobs wird derzeit mit erstaunlich vielen Emotionen geführt – und erstaunlich wenig über die eigentlichen Auswirkungen. Ein Kommentar von Marc Schnerr.

Die Rentenkommission hat eine Reihe von Vorschlägen zur Zukunft der Alterssicherung vorgelegt. Vom Renteneintrittsfenster bis zur Kapitalrente – das steckt hinter den ungewohnten Begriffen.

Der DEHOGA kritisiert Pläne der Rentenkommission, den Sonderstatus von Minijobs künftig auf Schüler zu beschränken. Der Verband warnt vor erheblichen Folgen für die Personalplanung in Hotellerie und Gastronomie.