Nationale Tourismusstrategie – Pläne der Regierung und Stimmen aus der Branche

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Die neue Nationale Tourismusstrategie ist beschlossen. Mit dem Ziel, den Tourismusstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, setzt die Bundesregierung auf eine Kombination aus Bürokratieabbau, steuerlichen Erleichterungen und einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Branchenverbände wie der DEHOGA Bundesverband, der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, der Deutsche Reiseverband (DRV) und andere bewerten die Strategie als wichtiges Signal für das Gastgewerbe und die Reisewirtschaft, mahnen jedoch eine zügige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen an.

Die Strategie setzt einen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag um, indem sie die für den Tourismus relevanten Maßnahmen aller Ressorts erstmals unter dem übergeordneten Ziel der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandortes Deutschland bündelt. Dabei werden die für den Tourismus wichtigen Schwerpunktthemen Unternehmensentlastung und Bürokratieabbau, Attraktivität und Anbindung des Reiselands Deutschland, Digitalisierung, Arbeitsbedingungen und Arbeitskräftegewinnung, nachhaltiger Tourismus und EU-Tourismuspolitik adressiert und alle Bereiche der Querschnittsbranche Tourismus gleichermaßen berücksichtigt.

Schwerpunkte für das Gastgewerbe: Flexibilität und Steuererleichterungen

Ein zentraler Aspekt der Strategie ist die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes. Hierbei ist eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit vorgesehen, um auf die spezifischen Nachfragespitzen im Gastgewerbe reagieren zu können. Zudem sollen die Betriebe durch eine Senkung der Körperschaftsteuer sowie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten finanziell entlastet werden. Zur Sicherung des Arbeitskräftebedarfs sieht die Strategie die Einrichtung einer zentralisierten Work-and-Stay-Agentur vor. Diese soll gemeinsam mit beschleunigten Visa-Verfahren und neuen Arbeitsanreizen dazu beitragen, den Fachkräftemangel in der Branche zu bekämpfen. Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes, betont die Relevanz dieser Schritte und erklärt, dass die Strategie mit ihren Schwerpunkten zum Bürokratieabbau, zur Fachkräftegewinnung oder auch zur Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts die richtigen Akzente setze.

Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA), erklärt: „Die neue Nationale Tourismusstrategie ist ein wichtiges und starkes Signal. Deutschland will im Tourismus wieder vorne mitspielen. Wir begrüßen ausdrücklich den Kurs der neuen Nationalen Tourismusstrategie und danken dem Einsatz von Dr. Christoph Ploß, der die Themen Tempo, Wettbewerbsfähigkeit und Entbürokratisierung klar adressiert. Entscheidend ist jetzt, dass die angekündigten Maßnahmen schnell und spürbar in den Betrieben ankommen – mit weniger Papier, verlässlicher Infrastruktur, digitalen Verfahren und einem Arbeitsmarkt, der Flexibilität ermöglicht.“

„Als Dachverband der Tourismuswirtschaft begrüßen wir den klaren wirtschaftspolitischen Fokus der Strategie. Das ist ein wichtiges Signal für die Branche in aktuell nicht immer einfachem Fahrwasser. Die Themen und Maßnahmen, die wir als BTW gefordert haben, um den Tourismusstandort einerseits und die Tourismusbranche als Arbeitgeber und wichtige Wirtschaftskraft anderseits zu stärken, finden sich in diesem Papier wieder“, kommentiert der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft Sören Hartmann. „Nicht minder wichtig: Die Bundesregierung betont schwarz auf weiß ihre Wertschätzung gegenüber unserer Branche und deren gesellschaftlichen wie volkswirtschaftlichen Wert.“

Impulse für die Reisewirtschaft und den Outgoing-Tourismus

Auch für die organisierte Reisewirtschaft enthält das Papier wesentliche Eckpunkte. Der Fokus liegt hier auf der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseanbieter. Ein wichtiger Punkt ist die Weiterentwicklung der Insolvenzabsicherung über den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF), wobei eine Senkung der Kostenbeiträge für Reiseveranstalter angestrebt wird. Albin Loidl, Präsident des DRV, hebt zudem die Bedeutung des Luftverkehrs und der Infrastruktur hervor. Die angekündigten Schritte zur Senkung von Sicherheitsgebühren und Standortkosten stärken laut Loidl die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Reiseanbieter und Fluggesellschaften auf internationaler Ebene und damit den Mobilitätsstandort Deutschland.

Maßnahmenkatalog zur Entlastung und Digitalisierung

Die Nationale Tourismusstrategie umfasst ein breites Spektrum an Einzelmaßnahmen, die darauf abzielen, administrative Hürden abzubauen und die Effizienz zu steigern. Ein konsequenter Bürokratieabbau soll durch weniger Berichtspflichten, straffere Verfahren und den Verzicht auf die Übererfüllung von EU-Vorgaben erreicht werden. Parallel dazu ist eine Stärkung der Verkehrsinfrastruktur geplant, was insbesondere die Anbindungen im Luftverkehr und an Kreuzfahrthäfen betrifft.

Der nachhaltige Kreuzfahrttourismus soll zudem durch Investitionen in Landstromanlagen und moderne Hafeninfrastruktur gefördert werden. Im Bereich der Digitalisierung setzt die Bundesregierung auf moderne Technologien wie die EUDi Wallet, um Reiseabläufe effizienter zu gestalten. Auf europäischer Ebene setzt sich die Regierung für eine bürokratiearme Pauschalreiserichtlinie ohne zusätzliche nationale Regulierungen ein.

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche: „Mit der Nationalen Tourismusstrategie stellen wir den Tourismusstandort Deutschland konsequent auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Wir entlasten Unternehmen, bauen Bürokratie ab und schaffen mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Unser Ziel ist klar: Der Tourismus in Deutschland soll investieren, wachsen und gute Arbeitsplätze sichern können. Dafür setzen wir jetzt die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen."

Der Koordinator für Maritime Wirtschaft und Tourismus Christoph Ploß: „Wir schaffen mit der Nationalen Tourismusstrategie bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen und Mitarbeiter der Tourismusbranche. Mehr Investitionen in die Infrastruktur, geringe Standortkostenkosten für die Luftfahrt und die Digitalisierung von Visaverfahren werden neben vielen anderen Maßnahmen dazu beitragen, dass die Tourismuswirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren wachsen wird. Die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, mit der in Zukunft eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit gilt, soll noch in diesem Jahr beschlossen werden. Diese Reform wird vor allem den kleinen und mittelständischen Betrieben sehr helfen.“

Patrick Rapp, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus in Baden-Wüettemberg, äußert sich zur Extern:Verabschiedung der Nationalen Tourismusstrategie im Bundeskabinett am 28. Januar 2026: „Der Extern:Tourismus ist ein enormer Wirtschaftsfaktor in Deutschland und hat darüber hinaus eine zentrale Bedeutung für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in den Regionen des Landes und ganz besonders auch in Baden-Württemberg. Mit seinen vielfältigen Regionen, von Schwarzwald und Bodensee über die Schwäbische Alb bis hin zu unseren Städten, ist der Tourismus ein zentraler Pfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land. Die Nationale Tourismusstrategie trägt dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Deutschland zu sichern und zu stärken. Dies kommt auch tourismusstarken Bundesländern wie Baden-Württemberg zugute.

Die Bayerische Tourismusministerin Michaela Kaniber begrüßt das Papier ausdrücklich und dankt insbesondere der Bundeswirtschaftsministerin für die schnelle Umsetzung und die klare inhaltliche Ausrichtung der Strategie: "Bundesministerin Katherina Reiche hat in kurzer Zeit geliefert. Die neue Nationale Tourismusstrategie trägt die klare Handschrift der Union und setzt die richtigen Prioritäten für die Branche." Aus Sicht Kanibers greift die Strategie zentrale Impulse auf, die Bayern in die Koalitionsverhandlungen eingebracht hat. Dazu zählen u. a. Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen, die Flexibilisierung der Arbeitszeit und die konsequente Rückbesinnung auf die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus. "Diesen entscheidenden Punkte hat Bayern mit Nachdruck eingefordert – und genau diese Punkte finden sich nun in der neuen Strategie wieder", betont Kaniber.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) lehnt die heute von der Bundesregierung beschlossene „Tourismus-Strategie“ ab. Sie geht in keiner Weise auf die Interessen der Beschäftigten ein, um ihre Situation zu verbessern. Die Arbeitsbedingungen in einer Branche zu verschlechtern, die händeringend Arbeits- und Fachkräfte sucht, ist aus Sicht der Gewerkschaft unverantwortlich. 

Was Bundeswirtschaftsministerin Reiche mit ihrer Tourismusstrategie vorgelegt habe, sei ein Angriff auf die Schutzrechte der Beschäftigten, kritisiert die Gewerkschaft NGG. Besonders problematisch sei die geplante Änderung mit Blick auf die Altersstruktur der Branche. „Im Tourismus und Gastgewerbe gibt es nur wenige ältere Beschäftigte. Viele Köchinnen und Kellner erreichen das Rentenalter wegen der hohen körperlichen Belastungen gar nicht“, betont NGG-Vorsitzender Guido Zeitler. Es brauche vielmehr strukturelle Verbesserungen für die Branche. Dazu gehören Tarifverträge, eine faire Bezahlung und zum Beispiel Dokumentationspflichten nur für solche Betriebe drastisch zu reduzieren, die tarifgebunden sind und einen Betriebsrat haben. 


 

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