Schweizer Ständerat für Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes

| Politik Politik

Der Schweizer Ständerat hat einer Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen um acht Jahre zugestimmt. Die Bestimmung bildet ein zentrales Instrument für die Schweizer Beherbergungsbranche, deren Fortführung von maßgeblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Stabilität des Sektors ist.

Der Ständerat habe sich klar für die Beibehaltung des Satzes von 3,8 Prozent ausgesprochen, teilt HotellerieSuisse mit. Das Votum stelle ein wichtiges Signal dar, während der Nationalrat bereits am 28. September 2026 erneut über die Vorlage entscheide, nachdem er in der Sommersession nicht darauf eingetreten sei (Tageskarte berichtete). Der Verband fordert das Parlament nun mit Nachdruck auf, dem Entscheid zu folgen, um existenzielle Folgen für kleinere, familiengeführte Betriebe abzuwenden.

Regionale Unterschiede bei Auslastung und Preissensibilität

Die Beherbergungsbranche sei stark von der touristischen Struktur abhängig, wie der Verband ausführt. Während international bekannte Destinationen von Gästen aus Fernmärkten profitieren würden, verzeichneten sekundäre Regionen in der Schweiz wie der Jura, das Drei-Seen-Land oder die Ostschweiz häufig Auslastungen von unter 40 Prozent. Betriebe in Kantonen wie dem Thurgau oder dem Aargau orientierten sich primär an inländischen Gästen sowie Reisenden aus dem nahen Ausland. Diese Segmente reagieren den Angaben zufolge äußerst preissensibel und weichen rasch in Nachbarländern wie Deutschland oder Österreich aus.

Eine Analyse von BAK Economics beziffert die möglichen Konsequenzen einer Nichtverlängerung auf einen jährlichen Verlust von 1,4 Millionen Logiernächten in der Schweiz. Davon entfallen nach Angaben des Instituts 1,1 Millionen Logiernächte auf Schweizer Gäste. Angesichts enger Margen und hoher Preistransparenz im Onlinebuchungsmarkt fehle den Unternehmen der Spielraum für Preiserhöhungen, weshalb eine Abschaffung die gesamte regionale Wertschöpfungskette belasten würde.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Preisstudie im Auftrag der NGG zeigt nach der Mehrwertsteuersenkung zum Jahresbeginn kaum günstigere Restaurantgerichte. Die Gewerkschaft sieht die Entlastung der Gäste als ausgeblieben an. Der DEHOGA widerspricht: Die Steuersenkung sei kein Preissenkungsprogramm, sondern sichere Betriebe und stabilisiere Preise.

Das Schweizer Parlament will freiwillige Trinkgelder von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausnehmen – auch bei elektronischer Zahlung. Der Bundesrat lehnt eine generelle Ausnahme ab und warnt vor möglichen Folgen für die soziale Absicherung.

Die Bundesregierung plant neue Vorgaben für das Bezahlen in Deutschland. Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen ab 2027 neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Welche Verfahren akzeptiert werden müssen und welche Ausnahmen vorgesehen sind.

Die britische Regierung will Regionalbürgermeistern in England künftig die Möglichkeit geben, eine Abgabe auf Übernachtungen zu erheben. Entsprechende Pläne für die sogenannte Touristensteuer stellte nun Wohnungsbauministerin Angela Rayner vor.

Ein politischer Appell des DEHOGA Sachsen-Anhalt, im Nachgang der Landtagswahlen, sorgt für heftigen Streit: Rund 1.700 Kommentare haben sich unter dem Facebook-Beitrag gesammelt. Während einige Nutzer ankündigen, das Bundesland als Reiseziel zu meiden, werfen andere dem Verband vor, Hotellerie und Tourismus zu schaden.

Ferienwohnungen für Touristen, steigende Mieten für Einheimische: In vielen europäischen Städten wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Die Europäische Kommission will Kommunen und Behörden deshalb einen rechtssicheren Rahmen an die Hand geben, um Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking stärker zu begrenzen. 

Klare Ansage der Potsdamer Wirtschaft: 85 Prozent der 110 teilnehmenden Unternehmen lehnen die Einführung der kommunalen Verpackungssteuer ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Mitgliederbefragung verschiedener Verbände.

Hürden für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben müssen abgebaut werden, sagt der Gewerkschaftsbund. Auch auf hohe Lebenshaltungskosten müsse reagiert werden. Wie sich der DGB das vorstellt.

Vertreter des Berliner Senats und des Dehoga haben das Konzept für die Errichtung des Hoga Campus in Berlin-Tempelhof vorgestellt. Das Projekt soll Ausbildung, Weiterbildung, Praxis und Austausch an einem Ort verknüpfen.

Anfang Juli bezeichnete der DEHOGA Bayern die höhere Pauschalsteuer für Minijobs noch als „moderate Anpassung“. Zwei Monate später spricht der Bundesverband von einem „völlig falschen Signal“. Ein Kommentar von Marc Schnerr über veränderte Rahmenbedingungen – und bemerkenswert unterschiedliche Tonlagen.