SOS an Politik: Tourismuswirtschaft fordert Gipfel im Bundeskanzleramt

| Politik Politik

Wenn nicht schnell Hilfe kommt, ist die Tourismuswirtschaft am Ende. Die Branche sendet deshalb SOS-Signale an die Politik. Reisebüros, Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Busunternehmen, Hotels, Restaurants und weitere Akteure des Deutschlandtourismus – ihnen allen ist aufgrund der Corona-Krise die Geschäftsgrundlage weggebrochen. Viele stehen jetzt unverschuldet vor dem Aus. Auf finanzielle Unterstützung wartet die Branche aber bisher vergeblich, bilanzieren die Verbände BTW, Dehoga, DRV, DTV, IHA, RDA und VIR. Und das, obwohl die Tourismus- und Reisewirtschaft eine der ersten Branchen war, die unmittelbar von der Corona-Krise betroffen war – und wohl mit am längsten brauchen wird, um sich zu erholen.

Gemeinsam fordern die Verbände nun einen Tourismusgipfel unter Leitung der Bundeskanzlerin. „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir müssen reden. Wir sehen uns mit einer Krise dramatischen Ausmaßes konfrontiert, in der wir schnellstmöglich Hilfe benötigen. Ein beträchtlicher Teil des deutschen wirtschaftlichen Mittelstands läuft Gefahr innerhalb weniger Wochen komplett wegzubrechen. Über eine Million Arbeitsplätze sind unverschuldet in Gefahr geraten. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Ohne einen Rettungsfonds mit schnellen, direkten Finanzhilfen werden wir es nicht schaffen“, so Dr. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) erklärt die Besonderheit der Reisewirtschaft: „In vielen Wirtschaftszweigen, etwa im Einzelhandel, konnte ab dem Tag des „Shutdowns“ de facto kein Umsatz mehr generiert werden. Um ein vielfaches dramatischer stellt sich aber die Lage von Reisebüros und Reiseveranstaltern dar. Hier wurden bereits abgeschlossene Buchungen aufgrund der Reisewarnung nachträglich annulliert – was enorme Rückerstattungsforderungen der Kunden zur Folge hatte. Dies hat, neben dem komplett weggebrochenen Neugeschäft, die finanzielle Belastbarkeit der Reisebüros und Reiseveranstalter deutlich überfordert. Sie leiden noch zusätzlich unter der Planungsunsicherheit und der fehlenden Perspektive zur Öffnung touristischer Destinationen.“

Auf einem Tourismusgipfel müsste aus Sicht der Verbände daher vor allem diskutiert werden, welche auf die Tourismus- und Reisewirtschaft, Busunternehmen, Hotellerie, Gastronomie und die Vielfalt des Deutschlandtourismus zugeschnittenen finanziellen Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt werden müssen, um das Überleben der Branche zu sichern.

Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes: „Gerade die Vielfalt unserer Branche macht spezielle und passgenaue Fördermaßnahmen unerlässlich. Aber die Vermieter von Ferienwohnungen, die Betreiber von Campingplätzen, die Gästeführer, Schausteller und viele andere Akteure – für sie gibt es auch nach acht Wochen keine Unterstützung und sie stehen daher vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz. Wir brauchen einen Rettungsschirm und ein wirksames Konjunkturprogramm. Tourismus muss endlich Chefsache sein!“

Die Branche ist einer der größten Arbeitgeber unseres Landes. Mit insgesamt rund drei Millionen Beschäftigten liegt der Tourismus auf Augenhöhe mit der Automobil- oder Maschinenbauindustrie. Die Tourismuswirtschaft steht für vier Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Darüber hinaus trägt sie zur Stabilität vieler Destinationen dieser Welt bei, indem sie in Europa, aber auch in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern Arbeitsplätze schafft und Menschen Perspektiven eröffnet. Dieses Potential der weltumspannenden Reisewirtschaft ist mit kaum einem anderen Wirtschaftszweig vergleichbar. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband hat die Plattform minijobs-erhalten.de gestartet, um auf drohende Kostensteigerungen und Belastungen für Minijobs aufmerksam zu machen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine umfassende Reform des Datenschutzes. 90 Prozent der Unternehmen halten laut Bitkom-Umfrage eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung für notwendig.

Kurz vor dem geplanten Start der Verpackungssteuer in der brandenburgischen Stadt Potsdam reißt die Kritik nicht ab. Die Gastronomie ist verärgert, Bürger sind verunsichert. Die Steuer auf Einweg-Verpackungen soll trotzdem zum 1. Oktober kommen.

Bei einer Anhörung des Tourismusausschusses haben Vertreter der Reisebranche über Verwaltungsaufwand und digitale Konkurrenz gesprochen. Der Deutsche Reiseverband fordert faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung kleinerer Unternehmen beim Einsatz von KI.

Digitale Belege sollen bald Standard werden. Dazu hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums beschlossen. Welche Regeln und Ausnahmen das Kabinett für die Kassenpflicht vorsieht.

Der Thüringer Heilbäderverband hat beim Thema Kurbeitrag auch Geschäftsreisende im Blick. Nach Widerstand der Kammern hat sich nun der Hotel- und Gaststättenverband dazu geäußert.

Im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe tritt ein neuer Tarifabschluss in Kraft, der Entgelte und Ausbildungsvergütungen schrittweise anhebt. Die Einigung zwischen Dehoga und NGG sorgt für Planungssicherheit bis Mitte 2028.

Kurz vor dem geplanten Start der Verpackungssteuer in der brandenburgischen Stadt Potsdam reißt die Kritik nicht ab. Die CDU-Fraktion im Stadtparlament fordert, die Einführung der Abgabe auf Einwegverpackungen zum 1. Oktober doch noch zurückzunehmen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier führt seine Amtsgeschäfte vom 22. bis 24. September aus dem Vier-Sterne-Hotel Ruhr Inn in Hattingen. Zu seinem Programm gehören Gespräche mit Bürgern, ein Tourismustermin und eine Ordensverleihung.

Das NRW-Bündnis für gutes Kita- und Schulessen fordert mit einem neuen Positionspapier bessere Standards und verlässliche Strukturen für die Verpflegung in Kitas und Schulen.