Deutschlands Arbeitgeber und Gewerkschaften sind beim Thema Arbeitszeitgesetz weiter auf Konfrontationskurs. Während Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger auf eine Reform pocht, warnte der stellvertretende DGB-Chef Stefan Körzell: «Wer den Acht-Stunden-Tag angreift, spielt mit dem Feuer.» Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei seiner Sommerpressekonferenz Mitte Juli gesagt, er erwarte im Herbst einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zur Arbeitszeitreform.
Bereits in ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Dulger sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie werden fast überall genutzt, nur bei uns nicht.» Er argumentierte: «Wenn eine wöchentliche Höchstarbeitszeit so gefährlich wäre, müssten Arbeitnehmer in Belgien und Italien reihenweise krank im Bett liegen.» Ihre Krankheitsquoten seien aber sogar niedriger.
Das deutsche Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden. Sie kann nur mit Ausgleich innerhalb eines halben Jahres auf bis zu zehn Stunden verlängert werden. Die europäische Arbeitszeitrichtlinie sieht dagegen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor.
Arbeitgeber: «Arbeitszeitgesetz stammt aus Ära von Telex»
Dulger sagte, sogar eine Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder wünsche sich eine Wochenhöchstarbeitszeit. «Das Arbeitszeitgesetz stammt aus der Ära von Telex und Wählscheibe.»
Körzell sagte der dpa: «Richtig ist, dass die Mehrheit der Beschäftigten - auch die Gewerkschaftsmitglieder - keine überlangen Arbeitszeiten will.» Die Arbeitgeber wollten die Höchstarbeitszeit ausweiten - «und damit zurück zum Herr-im-Hause-Prinzip», so der Gewerkschafter. «Geschäftsführer sollen wieder allein anordnen können, wie lange gearbeitet wird.»














