Viele europäische Länder besteuern Zucker. Was sind die Folgen?

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Die Bundesregierung will eine Zuckersteuer auf Softdrinks einführen. Was sind die Folgen für die Gesundheit der Menschen, das Gesundheitssystem und den Staatshaushalt? Etwa die Hälfte der EU-Staaten besteuert den Zuckeranteil in Getränken bereits. Der Blick in die Länder zeigt: Eine Steuer kann den Zuckeranteil in Getränken senken und die Gesundheit der Menschen verbessern. Das klappt mal besser, mal schlechter.

Großbritannien: Zucker in Softdrinks halbiert

In Großbritannien wird eine gestaffelte Zuckersteuer auf Getränke erhoben. Die «Soft Drinks Industry Levy» ist seit 2018 in Kraft. Seit dem 1. April dieses Jahres liegt die Abgabe für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis unter 8 Gramm pro 100 Milliliter bei 20,8 Pence (24,3 Cent) pro Liter. Die Einnahmen sind nicht zweckgebunden.

Viele Hersteller von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken haben seit der Ankündigung der Pläne ihre Rezepturen angepasst: Der Zuckergehalt in Softdrinks ist laut Regierungsangaben von 2015 bis 2024 insgesamt um 47 Prozent gesunken. Studien legen nahe, dass durch die Steuer Übergewicht seltener werden könnte, einen eindeutigen kausalen Zusammenhang belegen sie aber nicht.

Eine Ausweitung der Zuckersteuer wird immer wieder diskutiert. Ab dem 1. Januar 2028 soll die Steuer auch für milchbasierte Getränke gelten – etwa Milchshakes, Kaffeegetränke und Milchersatzgetränke.

 

Frankreich: Regierung erhöht Zuckersteuer noch einmal

Frankreich hat bereits 2012 eine Zuckersteuer, die «taxe soda», eingeführt. Seitdem wurde die Abgabe mehrfach verändert, zuletzt im vergangenen Jahr. Mittlerweile gibt es drei Preisstufen: Auf Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden 4 Cent pro Liter fällig, bei 5 bis 8 Gramm sind es 21 Cent pro Liter und bei mehr als 8 Gramm 36 Cent. Auch Getränke mit synthetischen Süßstoffen werden je nach Süße besteuert.

Die Einnahmen kommen der Krankenversicherung für Beschäftigte in der Landwirtschaft zugute. Die Wirkung der Steuer hielt sich bislang allerdings in Grenzen. Getränkepreise stiegen um wenige Cent, der Zuckergehalt wurde zumeist nicht angepasst und der Konsum von Zucker ging nur marginal zurück, wie der Sozialausschuss der französischen Nationalversammlung 2023 in einem Bericht schrieb. Wie sich die jüngste Reform der Steuer mit nun deutlich höheren Abgaben auswirkt, ist noch unklar.

Portugal: Konsum süßer Getränke geht zurück

Nach einer 2020 im Fachmagazin «Plos Medicine» veröffentlichten Studie britischer und portugiesischer Wissenschaftler wurde nach der Einführung der Sondersteuer ein Rückgang der Nachfrage nach besonders zuckerhaltigen Getränken festgestellt. Der Absatz solcher Erfrischungsgetränke sei um 6,6 Millionen Liter pro Jahr, das entspricht 21 Prozent, zurückgegangen. Zudem hätten Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte gesenkt, um in eine niedrigere Steuerklasse zu kommen. 

Die Einnahmen aus der Sondersteuer flossen zunächst in das staatliche Gesundheitssystem, insgesamt waren es seit 2017 mehr als 533 Millionen Euro. Inzwischen entschied die Regierung in Lissabon aber, die Mittel direkt im Staatshaushalt zu verbuchen.

Ungarn: «Chips-Steuer» auf Softdrinks und Süßwaren

Das Land führte bereits 2011 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orban eine sogenannte «Chips-Steuer» ein. Sie wird auf salzige Snacks, zuckerhaltige Süßwaren, zuckerhaltige Erfrischungsgetränke und weitere vorverpackte süße Produkte erhoben. Andere ungesunde Lebensmittel wie den fettreichen Bauernspeck und Schnaps hingegen ließ der rechtsgerichtete Regierungschef, der im April abgewählt wurde, sogar steuerlich fördern. 

Die Einnahmen aus der «Chips-Steuer» fließen in den staatlichen Krankenversicherungsfonds. Die Lenkungswirkung der Abgabe blieb hingegen begrenzt. Eine Langzeitstudie für 2010 bis 2018 wies zwar zunächst Rückgänge beim Konsum der betroffenen Produkte nach. Später aber sei ihr Verbrauch wieder gestiegen, nachdem sich das verfügbare Einkommen der Bevölkerung erhöht hatte. (dpa)


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