EDV-Panne: Hoffnung auf Corona-Besserung auf Mallorca jäh beendet

| Tourismus Tourismus

Böses Erwachen für jene Deutschen, die vielleicht schon von Herbstferien auf Mallorca geträumt hatten. Und ein harter Rückschlag für die spanische Urlaubsinsel im Kampf gegen Corona und ums Überleben von Tourismus und Gastronomie: Am Wochenende kam eine Informatik-Panne ans Licht, wegen der seit Tagen für die Balearen sehr niedrige Infektionszahlen gemeldet worden waren. Diese hatten die Hoffnung geweckt, Deutschland werde bald die Reisewarnung für die Region aufheben. Man hoffte auch auf eine Ende der britischen Restriktionen. Von wegen: Ein Bericht in der Onlineausgabe der «Mallorca Zeitung» ließ alle Träume und Hoffnungen jäh platzen.

Unter Berufung auf Eugenia Carandell, Direktorin im balearischen Gesundheitsministerium, berichtete das Wochenblatt, die Region habe zuletzt in Wirklichkeit 120 bis 170 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen verzeichnet. Und nicht zwischen 30 und 45, wie die ganze Woche lang wegen eines «Informatikfehlers bei der Datenübertragung» in Madrid irrtümlich gemeldet worden sei. Die Grenze von 50 ist ein entscheidendes Kriterium für die Bundesregierung in Berlin, eine Region oder ein Land als Risikogebiet einzustufen oder die Einschätzung auch wieder aufzuheben.

Nach den jüngsten Informationen stehen die Balearen nicht nur schlecht da, sondern deutlich schlechter als andere spanische Urlaubsregionen, die zuletzt erfolgreicher im Kampf gegen das Virus waren und sich der Grenze nähern, die ein Verlassen der «schwarzen Liste» in Aussicht stellt. Wie Andalusien und Valencia, die zwischen 55 und 60 Ansteckungen je 100 000 Einwohner haben - sofern die von den Behörden gemeldeten Zahlen in diesen Fällen stimmen. Für ganz Spanien wurde zuletzt ein Wert von 113 angegeben.

Eine kleine gute Nachricht gab es am Wochenende aber doch: Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden belief sich am Sonntag auf den Balearen auf 157. Das waren immerhin 112 Fälle weniger als noch am Samstag, wie die regionalen Gesundheitsbehörden in Palma mitteilten. Der Löwenanteil entfiel mit rund zwei Dritteln (105 Fälle) auf Mallorca. Auf der Insel leben mit über 920 000 Menschen auch gut 75 Prozent aller 1,2 Millionen Balearen-Bewohner.

Nirgendwo in Spanien sind die Menschen so sehr vom Tourismus abhängig wie auf den Balearen und den Kanaren, wo die sogenannte 7-Tage-Inzidenz bei 80 bis 90 liegt. In beiden Regionen trägt die Branche zu rund 35 Prozent der Wirtschaftsleistung bei.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur gab die Regionalregierung der Balearen zunächst keine Stellungnahme ab. Der naheliegende Verdacht, die Politiker, die in Palma das Sagen haben, könnten Daten beschönigt haben, um zumindest ein Stück der Saison zu retten, entbehrt aber wohl jeder Grundlage. Regionalpräsidentin Francina Armengol versucht nie, die Lage schönzureden. Im Gegenteil: Die Regierung der Sozialistin zögert nicht, strenge Maßnahmen gegen Corona auch dann zu ergreifen, wenn sie der Tourismusbranche schaden. Seit Freitag ist sogar ein ganzes Viertel Palmas, Son Gotleu, wegen der vielen Infektionen abgeriegelt. Und am Samstag traten wieder neue Einschränkungen in Kraft. Volksfeste wurden untersagt, Kinderspielplätze wurden geschlossen.

In einem Leitartikel kritisierte MZ-Chefredakteur Ciro Krauthausen die Haltung vieler Insel-Deutscher und anderer Menschen, die die Einschränkungen kritisieren, weil sie meinten, es sei «halb so wild». Am Samstag gingen erneut rund 500 Menschen auf die Straßen. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie «Stop Einschränkungen und Fake News». Krauthausen: «Noch einmal: Die Lage ist ernst, übrigens auch abseits der sozialen Brennpunkte auf der Insel. Wir wünschten, es wäre nicht so. Aber es ist so. Alles andere ist Augenwischerei.»

In der Tat: Schon wenige Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zur Zeit werden in den Inselkrankenhäusern 275 Menschen mit Covid-19 behandelt - doppelt so viele wie vor drei Wochen. Jordi Reina, Chefvirologe im Krankenhaus Son Espases in Palma, sagte im Gespräch mit der Zeitung «Diario de Mallorca», die Lage sei «sehr besorgniserregend». Der Höhepunkt der 2. Welle sei schon erreicht. Nun gehe es darum, die «Kurve wieder nach unten zu drücken».

Die Hoffnung der Mallorquiner - und der Mallorca-Fans in Deutschland - ruht nun auf Madrid: Außenministerin Arancha González Laya verriet nämlich dieser Tage, man habe mit Deutschland, Großbritannien und skandinavischen Ländern Gespräche über die Errichtung von sogenannten Sicherheitskorridoren zu den Inseln im Mittelmeer und im Atlantik aufgenommen. Sie sei optimistisch. Man müsse ja «lernen, mit dem Virus zusammenzuleben». (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das war der Camping-Sommer 2020

Im Corona-Sommer zählte Camping zu den besonders nachgefragten Urlaubsarten. Das Portal www.camping.info hat dazu die aktuellen Tourismuszahlen der Sommersaison ausgewertet und knapp 5.000 Camper zu ihrem Camping-Sommer 2020 befragt.

Europa-Park-Gründer Mack zu Lockdown: Überraschend und hart

Auch der Europa-Park in Rust wird von den neuen Corona-Maßnahmen hart getroffen. Das sei besonders bitter, weil Hotels, Gastronomie, Freizeitparks und Erlebnisbäder keine Treiber des Infektionsgeschehens gewesen seien, teilte der Gründer des Freizeitparks, Roland Mack am Donnerstag mit.

Österreicher bei Skiurlaub zurückhaltend

Nur sechs Prozent der Österreicher wollen „auf jeden Fall“ Skiurlaub mit Übernachtung machen. 28 Prozent sehen die Schließung von Hotelbars als „sehr wichtige“ Corona-Schutzmaßnahme an, so eine Umfrage des Linzer Instituts Trend.

Deutscher Tourismuspreis 2020: Fünf Finalisten im Rennen

Fünf aus 158 Bewerbungen hat eine Expertenjury in die Endrunde des Deutschen Tourismuspreises gewählt. Mit dem Preis prämiert der Deutsche Tourismusverband in diesem Jahr kreative und mutmachende Lösungsansätze für den Tourismus in Deutschland in Zeiten der Coronakrise.

ITB 2021 in Berlin fällt aus: Digitales Angebot als Ersatz geplant

Nach der Absage in diesem Jahr, fällt auch die Internationale Tourismusbörse (ITB) im Jahr 2021 als Präsenzveranstaltung aus. Die weltweit größte Reisemesse findet im kommenden Jahr rein digital statt. Dies hat die Messe Berlin in Abwägung aller Umstände beschlossen.

Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt

Chemnitz soll Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten. Eine entsprechende Empfehlung für die sächsische Stadt verkündete die europäische Auswahljury am Mittwoch in Berlin. Damit haben Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg das Nachsehen.

Branche in MV schockiert: Tourismus müsste Fehler anderer ausbaden

Die Pläne der Bundesregierung, im November touristische Übernachtungsangebote zu verbieten, hat die Branche in Mecklenburg-Vorpommern schockiert. Mit einer solch drastischen Vorlage habe niemand gerechnet, so der Geschäftsführer des Tourismusverbands.

BTW: „Die Pleitewelle wird immens sein, wenn man uns im Regen stehen lässt“

Am heutigen Mittwoch findet im Schulterschluss von Veranstaltungswirtschaft, Tourismuswirtschaft und Gastronomie eine Großdemonstration in Berlin statt. Die Situation habe vor dem Hintergrund der aktuellen Lockdown-Pläne noch einmal massiv an Brisanz gewonnen, so der BTW.

Bund hat mehr als 31 Millionen an Thomas-Cook-Reisende gezahlt

Als Ausgleich für geplatzte Reisen mit dem insolventen Anbieter Thomas Cook hat der Bund bisher mehr als 31 Millionen Euro gezahlt. In rund 21.100 Fällen haben Pauschalreisende bereits Geld zugesprochen bekommen. Gemeldet haben sich bislang 89.000 Reisende.

Urteil: Preis bei stornierter Pauschalreise innerhalb von 14 Tagen erstatten

Bei einer stornierten Pauschalreise haben Verbraucher das Recht auf schnelle Erstattung des Reisepreises innerhalb von 14 Tagen. Die Veranstalter können sich laut Amtsgericht Frankfurt auch nicht auf Liquiditäts- oder Organisationsprobleme in der Corona-Krise berufen.