Gemeinwohl im Vordergrund: Tourismus in Bayern soll nachhaltig werden

| Tourismus Tourismus

Die Staatsregierung will den Tourismus in Bayern in Richtung «Nachhaltigkeit» lenken - ohne neue Vorschriften und ohne Nachprüfbarkeit der Ergebnisse. Urlaubsorte und Tourismusbetriebe gleichermaßen sollen sich anhand von 20 Kriterien an umwelt-, klima- und sozialfreundlichen Standards orientieren können, wie Wirtschaftsministerium und die Bayern Tourismus Marketing am Mittwoch erläuterten.

Doch angesichts des großen Streitpotenzials, welche Art des Wirtschaftens «nachhaltig» ist, verzichten die Initiatoren der Kampagne von vornherein auf eine Zertifizierung, bei der bestimmte Kriterien eingehalten werden müssten. «Ich glaube, dass das mehr Streit als Nutzen verursachen würde», sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). «Was ist nachhaltiger? Historische Bausubstanz, die ein paar Hundert Jahre hält, oder Wälder, die möglichst wenig angefasst sind?»

Klar ist jedenfalls, dass der Tourismus dem Gemeinwohl dienen soll, nicht am kurzfristigen Profit orientiert, und auch nicht zu Lasten der örtlichen Bevölkerung gehen. Dieser letzte Punkt liegt Aiwanger angesichts der Klagen am Alpenrand über Münchner Ausflüglerscharen an schönen Wochenenden besonders am Herzen. «Wir müssen den Tourismus so gestalten, dass er dem Lande insgesamt nutzt», sagte der Freie Wähler-Chef. «Vom Tourismus müssen auch die Einheimischen maximal profitieren. (...) Er darf nicht die Heimat verzehren, sondern muss die Heimat stärken.»

Die Landtags-Grünen kritisierten die mangelnde Verbindlichkeit: «Die Söder-Regierung muss den Worten aber auch Taten folgen lassen», sagte der Abgeordnete Christian Zwanziger. «Solange CSU und Freie Wähler beispielsweise lieber Steuergeld für Schneekanonen ausgeben statt in nachhaltige Mobilität zu investieren, sind solche Ankündigungen doch nur heiße Luft.»

Die Corona-Pandemie hat die Tourismusbranche in Bayern sehr hart getroffen. Die Zahl der jährlichen Übernachtungen ging von 100 Millionen pro Jahr auf an die 60 Millionen zurück.

Die Aussichten für dieses Jahr sind ungewiss. Das erste Halbjahr sei gut gelaufen, sagte Barbara Radomski, die Chefin der Bayern Tourismus Marketing. Im Mai sei schon fast das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht worden. Doch angesichts steigender Infektionszahlen sind für den Herbst bislang weniger Buchungen eingetroffen als erhofft. «Die Nachfrage für den Herbst ist noch nicht da, wo wir sie gern hätten», sagte Radomski. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Tui spürt weiterhin die Folgen des Iran-Kriegs, viele Menschen buchen ihren Urlaub zudem später. Doch es gibt auch Lichtblicke. Was erwartet Europas größter Reisekonzern für die Wintersaison?

Wandern ist nicht nur eine beliebte Freizeitaktivität in der Natur. Es bringt auch Geld in ländliche Regionen. Touristiker ersinnen daher neue Angebote rund ums Wandern - auch in extremen Varianten.

Eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag von Evaneos beleuchtet das Reiseverhalten der Deutschen in den kommenden Jahren und zeigt auf, welche Aktivitäten und Kriterien die Urlaubsplanung prägen.

Fast 44 Prozent für die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD bei der Landtagswahl. Schreckt das Touristen ab? Diese Stimmen kommen aus dem Harz.

Eine neue Auswertung von Fit Reisen zeigt, welche deutschen Berge auf Instagram am häufigsten geteilt werden und wo Wanderer noch Ruhe finden.

Dertour hat das Reiseverhalten für den Sommer 2026 analysiert und verzeichnet einen gestiegenen Last-Minute-Anteil sowie stabile Präferenzen bei Luxus- und All-inclusive-Reisen.

Wald, Wartburg, Weimar - das verbinden viele Touristen mit Thüringen. Doch der Tourismus im Freistaat hat sich in den vergangenen zehn Jahren nur verhalten entwickelt. Wie sich das ändern soll.

Alltours verzeichnet seit fünf Jahren ein jährliches Wachstum der bis September eingegangenen Fernreisebuchungen. Als Reaktion erweitert der Veranstalter sein Programm für die Wintersaison mit neuen Hotels, Flugverbindungen und ausgebauten Rundreisen.

Eine aktuelle Auswertung zeigt die häufigsten Reisebeschwerden österreichischer Urlauber im Sommer 2026, wobei vor allem die Themen Flugreisen, Unterkünfte und Mietwagen mit Frust verbunden waren.

Wieder einmal darf sich der Europa-Park über die Auszeichnung zum «besten Freizeitpark der Welt» freuen. Dabei setzt er sich erneut gegen namhafte Konkurrenz durch.