Klimagipfel: Tui will mehr direkte CO2-Einsparung, weniger Zertifikate-Ausgleich

| Tourismus Tourismus

Der größte Reisekonzern Tui will die Treibhausgas-Last der Branche stärker über direkte Einsparungen statt über die oft kritisierten Verschmutzungsrechte drücken. «Wir setzen an erster Stelle auf Reduzierung und Vermeidung», erklärte Vorstandschef Fritz Joussen in einem Schreiben an die Belegschaft. Den Kauf etwa von CO2-Zertifikaten, mit denen der eigene Ausstoß bilanziell oder andernorts ausgeglichen wird, sehe man nur noch «als letzte Möglichkeit». Der Manager versprach: «Es geht uns um eine echte Reduzierung der Emissionen.»

Unternehmen in verschiedenen Wirtschaftszweigen behelfen sich häufig mit dem Zertifikatehandel oder auch mit «Kompensationsprojekten» wie Aufforstung, wenn sie Verringerungsziele bei klimaschädlichen Gasen noch nicht erreichen können. Dabei kommt vor allem dem Handel mit Verschmutzungsrechten einerseits eine wichtige Steuerungsfunktion zu, denn so wird den Verursachern der Emissionen zumindest ein Teil der gesellschaftlichen Kosten zugerechnet - ein Instrument, das in der Klimapolitik lange fehlte oder nur auf wenige Branchen angewandt wurde. Auf der anderen Seite sehen sich manche finanzkräftige Firmen dem Vorwurf ausgesetzt, sich durch solche Papiere gewissermaßen von echten, großen Verringerungen «freizukaufen».

In der Autoindustrie etwa gibt es einen regelrechten internen Markt, auf dem Hersteller mit guter CO2-Bilanz überschüssige Zertifikate an solche mit schlechter Bilanz gewinnträchtig weitergeben. Die Touristik ist ebenfalls eine Branche mit großem CO2-Fußabdruck.

Darüber sprechen Vertreter aus zahlreichen Ländern seit dieser Woche auch beim Weltklimagipfel in Glasgow. Nach Angaben Joussens entfallen rund 5 Prozent aller globalen CO2-Emissionen auf die Reise- und Tourismuswirtschaft - eine weltweit zentrale Dienstleistungsbranche, an der auch hohe Einnahmen von Schwellen- und Entwicklungsländern hängen. Der Flugverkehr wiederum trage die Hälfte dieser 5 Prozent.

Tui arbeite seit längerem daran, «die Umweltauswirkungen unserer Aktivitäten in den Bereichen Airline, Kreuzfahrten, Hotels, Büros und Reisebüros zu verringern», so Joussen. Besonders die CO2- und auch Stickoxid-Lasten von Schiffen und Flugzeugen der Branche fallen global ins Gewicht. Joussen mahnte, «dass wir bei jeder unternehmerischen Entscheidung Nachhaltigkeit sehr bewusst bewerten. Gerade auch bei Innovation und Investments, wie bei unserer Flugzeugflotte, Schiffen oder Energieversorgung für unsere Hotels.»

Inzwischen kooperiere der Konzern aus Hannover mit der Initiative «Science Based Targets». Diese unterstütze Tui dabei, die Pläne für die Klimaneutralität zu erstellen und externe Experten einzubinden. Während es an Klimazielen nicht mangelt, gibt es oft Kritik an zu wenig konkreter und verbindlicher Umsetzung. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Untersuchung des Deutschen Tourismusverbandes und des Deutschen Instituts für Tourismusforschung zeigt eine hohe Reisebereitschaft für den Sommer. Trotz gestiegener Kraftstoff- und Kerosinpreise planen 62 Prozent der Deutschen eine Urlaubsreise.

Rund zwei Stunden ging nichts mehr bei der Deutschen Bahn. Welchen Grund der Konzern nannte, was Reisende erlebten und wie lange es wohl noch Verspätungen und Ausfälle geben wird.

Der große Freizeitpark-Check für das Jahr 2026 kürt den südbadischen Europa-Park zum besten Freizeitpark in Deutschland. Neben den Branchenriesen überzeugen im aktuellen Ranking vor allem regionale Familienparks und spezialisierte Anlagen.

Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen - und Verspätungen: Ist die Klimaanlage an Bord defekt, kann es in Flugzeugen schnell unangenehm werden. Was steht Passagieren zu, wenn sich die Kabine unerträglich aufheizt?

Braunwald beendet den klassischen Skibetrieb ab der Wintersaison 2026/27. Die Sportbahnen begründen den Schritt mit anhaltenden Verlusten und veränderten klimatischen Bedingungen, während ein gemeinsamer Zukunftsprozess die weitere touristische Entwicklung der Destination vorbereiten soll.

PiNCAMP meldet Veränderungen im Buchungsverhalten von Campern in Europa. Nach Daten der Plattform wachsen Buchungen im Frühjahr und Herbst stärker als in den klassischen Sommerferien, während nordeuropäische Reiseziele zulegen.

Pierre & Vacances-Center Parcs hat ein vollständig finanziertes Übernahmeangebot von Mubadala Capital erhalten. Die geplante Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung wesentlicher Aktionäre und weiterer Genehmigungen.

Mehr als eine Milliarde Euro liegen im Reisesicherungsfonds – Tui kritisiert eine fehlende Anlagestrategie und fordert spürbare Entlastung für die Branche, und damit für die Urlauber.

Der Sommer-Reisereport 2026 von Opodo zeigt eine anhaltend starke Nachfrage der deutschen Urlauber nach südeuropäischen Zielen, angeführt von Spanien. Gleichzeitig gewinnen Ziele wie Lanzarote und Podgorica stark an Beliebtheit.

Die Staatsanwaltschaft München hat das Ermittlungsverfahren zur Insolvenz der FTI Group eingestellt, da sich der Verdacht auf Insolvenzverschleppung oder Betrug nicht erhärtet hat.