Kosten belasten Gastgewerbe in Niedersachsen – Camping bleibt gefragt

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Anhaltend hohe Kosten für Lebensmittel und Energie, geopolitische Unsicherheiten und preissensible Gäste trüben die Aussicht in Niedersachsens Tourismusbranche auf die anstehende Urlaubssaison. Das geht aus der aktuellen Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) unter rund 400 Betrieben hervor. 

Einerseits bereite der hohe Kostendruck vielen Unternehmen Sorge, andererseits achteten viele Urlauberinnen und Urlauber genauer darauf, wo und wie viel Geld sie etwa für Übernachtungen, Speisen und Erholung ausgeben, sagt Monika Scherf, IHKN-Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Presse-Agentur. «Da kommen zwei Effekte zusammen, die auf das Gastgewerbe durchaus dramatische Auswirkungen haben.»

Stimmungstief im Gastgewerbe

Das lässt sich auch am aktuellen Stimmungsbarometer im Gastgewerbe, dem sogenannte Konjunkturklimaindex, ablesen. Dieser sinkt nun auf den niedrigsten Wert seit Frühjahr 2021. Diese Kennziffer zwischen 0 und 200 wird bei der halbjährlich erfolgenden IHK-Umfrage als Mittelwert aus allen Rückmeldungen der Betriebe gebildet. Jetzt liegt der Wert bei 85 Punkten. Zum Vergleich: Bei der vergangenen Umfrage im Herbst 2025 lag dieser noch bei 105 Punkten. 

Nur ein Viertel der befragten Betriebe im Gastgewerbe bewertet den IHK-Daten zufolge die aktuelle Geschäftslage als gut. Auch der Ausblick ist getrübt: Etwa 4 von 10 Betriebe rechnen mit einer ungünstiger werdenden Geschäftslage.

Was die Betriebe als größtes Risiko sehen

Als größte Risiken nennen die Betriebe im Gastgewerbe die Preise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe (87 Prozent). Dahinter folgen die Arbeitskosten (74 Prozent) und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (63 Prozent). Der Fachkräftemangel, der sonst viele Betriebe beschäftigt, fällt in der aktuellen Umfrage hinter den anderen Risiken zurück. 

Gerade im Gastgewerbe seien die Kosten für Arbeit und Energie wichtige Einflussfaktoren, sagt Wiebke Eilts, Tourismusexpertin der IHK für Ostfriesland und Papenburg. «Bei dem anhaltend hohen Kostendruck und bei der gleichzeitig wachsenden Preissensibilität der Gäste haben die Unternehmen kaum Spielraum, steigende Kosten an ihre Gäste weiterzugeben.» Dadurch stiegen der Wettbewerbsdruck und auch das Risiko für Insolvenzen.

Auch die Reisebranche, zu der etwa Reisebüros und Reiseveranstalter zählen, spürt der Umfrage zufolge die Krise. Fast 69 Prozent der Betriebe aus diesem Branchenteil rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung – bei der Herbstumfrage gingen nur 26 Prozent davon aus. Zuletzt verzeichnete die Branche bereits einen deutlichen Rückgang bei Buchungen und Umsätzen. 

Kann der Tourismus zwischen Küste und Harz profitieren?

Dass Krisen wie im Nahen Osten manche Urlaubspläne ins Wanken bringen und Reisen geändert werden, zeigte kürzlich bereits eine Umfrage des Deutschen Instituts für Tourismusforschung (FH Westküste) im Auftrag des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Trotzdem bleibe aber die Reiselust hoch, hieß es.

Profitieren könnte der Inlandstourismus. Die IHK Niedersachsen hält es für möglich, dass Niedersachsen 2026 sogar an die Rekordwerte des vergangenen Jahres anschließen könnte. 2025 waren 15,8 Millionen Gäste und 46,9 Millionen Übernachtungen nach Angaben des Landesamts für Statistik verbucht worden.

 «Wir gehen davon aus, dass sich mehr Urlauberinnen und Urlauber dafür entscheiden werden, im Inland Urlaub zu machen», sagt Scherf. Denn angesichts steigender Preise für Flugreisen und der geopolitischen Unsicherheiten würden Fernreisen sorgfältiger abgewogen. Das sorge allerdings nicht automatisch für Euphorie in Niedersachsens Tourismusbranche, betont Scherf. «Ein Mehr an Gästen ist nicht automatisch auch ein höherer Gewinn», sagt sie und verweist auf die gestiegenen Kosten für die Betriebe. 

Wer dagegen schon jetzt eine stabil hohe Nachfrage verbucht, ist Niedersachsens Campingbranche – auch das zeigt die IHK-Umfrage. «Die Campingplätze sind ein Ausreißer», sagt IHK-Tourismusexpertin Eilts mit Blick auf das Stimmungsbild der gesamten Tourismuswirtschaft. Aber auch das passe ins Bild, denn preisbewusste und flexible Urlaubsformen in Deutschland wie Camping gewinnen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an Bedeutung. 

An der Umfrage zwischen Anfang April und Anfang Mai beteiligten sich laut IHKN Betriebe aus der Hotellerie, der Gastronomie und der Campingwirtschaft sowie Reisebüros und Reiseveranstalter. (dpa)


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