Kriminalität - wie gefährlich ist Berlin für Bürger und Touristen?

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Hat die Hauptstadt ein Gewaltproblem? Im laufenden Jahr hat die Millionenmetropole Berlin bereits mit drei großen Sicherheits-Debatten in den bundesweiten Schlagzeilen gestanden, jeweils verbunden mit dem Streitpunkt Migration. Zu Jahresbeginn ging es um die Silvesterkrawalle von Jugendlichen und jungen Männern in einigen Stadtteilen, die Feuerwerkskörper auf Polizisten und Feuerwehr warfen. Der Sommer startete mit Empörung über Prügeleien und Randale in Freibädern. Nun ist es wieder der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Anlass ist eine Vergewaltigung durch mehrere Männer, die kürzlich bekannt wurde.

Dauerproblem des Parks und Teil der Sicherheitsdebatte sind aber die Drogenhändler. Die Männer stehen vor den Eingängen, an den Wegen, zwischen Bäumen oder in Straßen der Umgebung. An einem Montagabend im August lassen sich im ganzen Gebiet mehr als 100 Männer zählen, die offensichtlich zur Dealerszene gehören, fast alles Flüchtlinge aus Afrika, oft ohne Arbeitserlaubnis. Manche sprechen Fußgänger oder Radfahrer an: «Hey, wie gehts?» oder «Möchtest du was?». Der Ton ist freundlich, angeboten werden Marihuana und härtere Drogen. Die meisten Passanten gehen weiter, manchmal ziehen sich Verkäufer und Käufer zur Übergabe zurück.

Seit fast 20 Jahren ist der Görlitzer Park an der früheren Grenze zu Ost-Berlin für den offensiven Drogenhandel bekannt und berüchtigt. Nachbarn sind genervt, Reiseführer weisen extra darauf hin. Alle paar Jahre kocht das Thema hoch, meist, wenn es neben dem alltäglichen Drogenhandel auch Gewaltausbrüche gibt, wie in diesem Sommer, als eine junge Frau nach Mitteilung der Polizei von mehreren Männern vergewaltigt wurde. Drei Verdächtige wurden gefasst, alle 22 Jahre alt und aus verschiedenen afrikanischen Staaten.

Ist der Besuch Berlins gefährlich?, lautet eine häufige Frage von Touristen. Auf diversen Internetportalen wird das thematisiert, auch das offizielle Besucherportal Visit Berlin betont, die Stadt sei zwar «grundsätzlich sicher», Kriminalität könne aber nicht ausgeschlossen werden und einige Sicherheitsaspekte sollte man beachten. Dazu gehöre auch, «nachts dunkle Parks und Ecken zu meiden».

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kündigte einen «Sicherheitsgipfel» Anfang September an, bei dem auch der Park Thema sein werde. «Die Lage im Görlitzer Park ist inakzeptabel, so wie die Situation dort ist, darf es nicht bleiben.» Zugleich solle die Sicherheitslage in ganz Berlin durch Maßnahmen verbessert werden.

Unstrittig ist, dass in Berlin - mit Abstand größte deutsche Stadt mit fast vier Millionen Einwohnern - in absoluten Zahlen weitaus mehr Verbrechen verübt werden als etwa in Hamburg oder München. In der vergleichenden Kriminalitätsstatistik der deutschen Großstädte nach Einwohnerzahl liegt Berlin jedoch kurz hinter Frankfurt am Main auf dem zweiten Platz mit 14 135 registrierten Straftaten je 100 000 Bewohner. Es folgen Hannover, Köln und Bremen in ganz ähnlichen Größenordnungen. Den Kontrast bildet München als sicherste Großstadt mit nur rund 5800 Taten auf 100 000 Einwohner.

Über die Gefährlichkeit einer Stadt sagen die Zahlen wenig aus. Tatsächlich geht es meist nicht um Gewaltdelikte, sondern um Diebstähle und Betrug. Als Hauptstadt mit vielen Touristen und durch seine Lage zieht Berlin viele Taschendiebe und organisierte Autodiebe aus Osteuropa an, wie die Polizei betont. Das treibt die Zahlen hoch.

Für wen die Stadt tatsächlich gefährlich ist, hängt von Orten, Zeiten und der Zugehörigkeit zu Gruppen ab. Problematisch für die Sicherheit etwa in der Innenstadt sind das umfangreiche Nachtleben ohne Sperrstunde für Kneipen und Clubs, die vielen Kioske (Spätis) mit Alkoholverkauf rund um die Uhr und eine sehr tolerante Haltung gegenüber Drogen. Aggressive Begegnungen zwischen betrunkenen oder unter Drogen stehenden Menschen nachts in den großen U-Bahn- und S-Bahnhöfen kommen in den Polizeimitteilungen häufig vor. Auch die vielen Straßendealer in Kreuzberg und den Kneipengegenden von Friedrichshain sowie die Szene der Drogensüchtigen in Teilen Neuköllns sorgen zumindest für Unsicherheit bei vielen Besuchern.

Frauen berichten hingegen, dass Belästigungen, Beleidigungen, sexuelle Übergriffe und Angriffe keineswegs nur in der vollen Innenstadt vorkommen. «Man geht eigentlich nur mit Scheuklappen schnell zu seinem Ziel», sagen zwei junge Frauen, die in Weißensee im Norden wohnen und in Mitte ausgehen, in einem aktuellen Bericht des Senders RBB. «Es ist kein Problem von Parks, es ist überall ein Problem: an jeder Haltestelle, an der ich aussteige, in jeder Straße, durch die ich laufe.»

Die Polizei zählt mehr Übergriffe gegen Frauen in der Öffentlichkeit. Von 2019 bis 2022 stiegen die Zahlen der weiblichen Opfer von Körperverletzungen, Drohungen, Sexualdelikten und Raubüberfällen nachts auf Straßen und in Parks von rund 3000 auf 4210. Am meisten passierte in den Kneipen-Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

Reiseportale raten schwulen und lesbischen Paaren oder Juden schon lange, lieber nicht klar erkennbar durch Verhalten oder Zeichen wie dem Davidstern nachts durch bestimmte Stadtteile zu gehen, weil es immer wieder zu Beleidigungen oder Angriffen kommt. Der Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling berichtete in der Sendung «Maybrit Illner» kürzlich, dass er mit seinem Mann von Berlin nach Köln gezogen sei. «Die Atmosphäre ist deutlich homophober geworden, und dementsprechend haben wir uns dafür entschieden, Berlin schweren Herzens zu verlassen und nach Köln zurückzugehen, was wir auch bisher nicht bereut haben.»

Nach den Silvesterkrawallen lud der Senat zu einem Jugendgipfel ein und versprach mehr Millionen für Sozialarbeit. Die Freibäder sollen mit Ausweiskontrollen und Videokameras beruhigt werden, das Problem erledigte sich zunächst durch das schlechte Wetter. Der Drogenhandel im Görlitzer Park wird seit knapp 20 Jahren durch Polizeirazzien und Festnahmen, Appelle des von den Grünen regierten Bezirks, Parkmanager und Sozialarbeiter bekämpft und begleitet. Geändert hat sich wenig.

Nun fordern CDU und Polizei Eingangstore, um den Park nachts zu schließen. Der Drogenhandel dürfte sich dann komplett in die umliegenden Wohngegenden verlagern. Zudem sind Teile der Mauer um den Park leicht zu überklettern. Was sich dann nachts drinnen abspielt, wäre von außen gar nicht mehr zu kontrollieren.


 

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