Nach der Cook-Pleite: Wie sicher ist die Pauschalreise?

| Tourismus Tourismus

Jahrelang wurde die Pauschalreise als Rundum-Sorglos-Paket beworben. Dann kam der Schock: Thomas Cook, der älteste Reiseveranstalter der Welt, meldete im September 2019 Insolvenz an. Ein Ereignis mit gravierenden Folgen.

Auch die deutsche Thomas Cook mit der bekannten Marke Neckermann musste alle Reisen absagen. Rund 500 000 Kunden, die ihren Urlaub schon ganz oder zum Teil bezahlt hatten, mussten davon ausgehen, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Zwar hat der Bund im Dezember 2019 angekündigt, finanziell einzuspringen. Trotzdem steht die Frage im Raum: Wie sicher ist die angeblich so sichere Pauschalreise?

Branche glaubt nicht an Imageverlust

Die Reisebranche bemühte sich schnell, den Imageschaden gering zu halten. Der Ruf der Pauschalreise habe gar nicht gelitten, erklärte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak. Und der Zentraleuropa-Chef von DER Touristik, Ingo Burmester, sagte: «Die Pauschalreise als Bündel von Leistungen ist sicherer als jede andere Reiseform.»

Nur wie konnte es dann überhaupt sein, dass so vielen Urlaubern ein finanzieller Verlust drohte? Bekommt nicht jeder Pauschalreisende bei der Buchung einen Sicherungsschein ausgehändigt, als Beleg für die Absicherung des angezahlten Geldes? Ja, das schon. Doch bei der Thomas-Cook-Pleite rächte sich ein Versäumnis der Bundesregierung.

Wie die finanzielle Brandmauer versagte

Die Insolvenzabsicherung für Reiseveranstalter ist in Deutschland auf 110 Millionen Euro begrenzt. Bei Thomas Cook reicht diese Summe bei weitem nicht aus. Nun wird der Staat die Differenz übernehmen - und damit der Steuerzahler. Geschädigte Urlauber bekommen also wohl doch ihr Geld zurück. Allerdings hat das System damit erstmal versagt.

In der Branche gilt die Cook-Pleite als bedauerlicher Sonderfall. Es gibt in der Tat nur sechs andere Großveranstalter mit Umsätzen, bei denen die bisherige Deckelung im Ernstfall nicht ausreichen würde. Und für die wird die Insolvenzabsicherung derzeit überarbeitet.

«Ich glaube nicht, dass das Image der Pauschalreise maßgeblich beschädigt ist», sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig. Die Kundengeldabsicherung sei nur eines der Leistungsmerkmale - und für viele Urlauber zwar wichtig, aber nicht unbedingt ausschlaggebend bei der Wahl der Reiseform, sagt Fiebig: «Die Pauschalreise wird gebucht, weil jemand alles organisiert.» Und weil es einen Helfer gibt, wenn unterwegs mal etwas schief geht.

Die Vorteile der Pauschalreise

Die Pauschalreise sei noch nie ein Rundum-Sorglos-Paket gewesen, sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. Er kennt die Streitfälle vor Gericht, bei denen es zum Beispiel um Baulärm im Hotel, schmutzige Zimmer und Änderungen des Reiseprogramms geht. Doch der Anwalt sagt auch: «Die Pauschalreise ist nach wie vor sicher.»

Im Vergleich zur individuellen Buchung zum Beispiel von Flug und Hotel genießt der Reisende beim Pauschalurlaub weitreichende Rechte. Geht zum Beispiel die Fluggesellschaft pleite, muss der Veranstalter eine alternative Reisemöglichkeit organisieren - ohne Mehrkosten für den Gast. Das war zum Beispiel bei der Insolvenz von Air Berlin der Fall, als zig Tausende Passagiere plötzlich festsaßen. Wer nicht pauschal gebucht hatte, dessen Geld für das Flugticket war verloren.

Bei einem Erdbeben, Tsunami oder Terroranschlag bringt der Veranstalter seine Gäste zudem auf eigene Rechnung nach Deutschland zurück - und chartert im Zweifel dafür sogar eigene Flugzeuge.

Geld zurück bei Reisemängeln

Wenn eine versprochene Leistung nicht erbracht wird, also das Hotel zum Beispiel unerwartet doch keine Pools oder Kinderbetreuung hat, kann der Urlauber sich beschweren - und nachträglich den Reisepreis mindern. «Dass ich Reisemängel geltend machen kann, das gibt es nur bei der Pauschalreise», betont Degott. «Ich habe vor Ort jemanden, der verantwortlich ist.» Ansprechpartner für den Gast ist stets der Veranstalter mit einem Reiseleiter am Urlaubsort.

Individualreisende müssen sich dagegen selbst mit der Airline oder Unterkunft auseinandersetzen. Das ist rechtlich meist schwierig. Degott nennt ein Beispiel: «Auf Sardinien kann ich bei Ärger wohl kaum den Hotelier verklagen.» Ein deutscher Veranstalter dagegen hafte vor deutschen Gerichten, «das ist ein ganz großer Vorteil.»

Vielleicht nicht sexy, aber sicher

Um das anhaltende Vertrauen in den Pauschalurlaub zu belegen, gab der Reiseverband bei Forsa eine Umfrage in Auftrag. Demnach waren die meisten Pauschalreisenden mit ihrem Veranstalter zuletzt «zufrieden» oder «sehr zufrieden». DRV-Präsident Fiebig verweist darauf, dass viele Thomas-Cook-Kunden nach der Pleite gleich einen neuen Urlaub buchten - und zwar bei einem anderen Veranstalter.

Man kann viele Vorbehalte gegen die Pauschalreise haben, sie für zu starr, zu unflexibel, nicht mehr zeitgemäß halten. Und man kann darauf vertrauen, dass bei der selbst organisierten Reise schon nichts schief geht. Aber eines stimmt: Die Pauschalreise ist rechtlich die sicherste Reiseform - auch nach der Thomas-Cook-Pleite. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die weltweiten Ausgaben für Geschäftsreisen steigen im Jahr 2026 voraussichtlich auf den Rekordwert von 1,56 Billionen Euro, während die Zahl der Reisen nur leicht zunimmt.

Ob Spirituosen, Korallenschmuck oder Designer-Kopien: Wer Souvenirs aus dem Urlaub mitbringen möchte, sollte wissen, was er tut. Sonst kann es bei der Einreise Probleme geben.

Der Deutsche Alpenverein meldet auf zahlreichen Berghütten in den Alpen akute Wasserknappheit. Auf einzelnen Hütten muss Trinkwasser bereits per Hubschrauber geliefert werden, während der Verband zu umfassenden Sparmaßnahmen aufruft.

Lufthansa kämpft mit teurem Kerosin und Streiks. Chef Spohr hält nun sogar einen Gewinnrückgang im Gesamtjahr für möglich und kündigt weiterhin hohe Ticketpreise an.

Bahnreisen blieben für Fahrgäste im Juli eine Geduldsprobe: Mit 52,6 Prozent war lediglich etwas mehr als die Hälfte der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Im Vergleich zum Vormonat blieb die Quote damit unverändert.

Am Mittelmeer werden für Schirme und Liegen teils horrende Preise verlangt. An einigen Stränden Italiens gehen die Behörden neuerdings dagegen vor, auch wegen der EU. Aber die alten Kräfte wehren sich.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus lädt Ende September zu einem hochrangigen Fachtreffen mit US-Entscheidern an den Bodensee ein, um Trends im amerikanischen Reisemarkt zu analysieren.

Der Sächsische Weinwanderweg verbindet die Betriebe der zweitkleinsten deutschen Weinregion, die nach schwierigen Jahren zu DDR-Zeiten eine Renaissance feiert. Vor allem der Schaumwein startet durch.

Der Edersee ist mitten in den Ferien nur noch zu rund einem Fünftel gefüllt. Wassersport geht kaum noch, Betriebe melden teils 50 Prozent Umsatzminus. Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.

Über Airbnb, Booking.com und Expedia wurden 2025 insgesamt 68,3 Millionen Übernachtungen in deutschen Ferienwohnungen und -häusern gebucht. Die Daten ergänzen die amtliche Tourismusstatistik insbesondere um kleinere Anbieter.