Reisebranche hofft auf Corona-Impfstoff

| Tourismus Tourismus

Nach einem historischen Umsatzeinbruch von geschätzt 80 Prozent im Corona-Krisenjahr, hofft die Reisebranche auf Nachholeffekte und die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffs. «Ich bin verhalten positiv, was das kommende Jahr betrifft», sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes DRV am Dienstag in Berlin. «50 bis 60 Prozent der Umsätze des Rekordjahres 2019 sind hoffentlich drin – insbesondere wenn noch ein gewisser Nachholeffekt durch den Verzicht auf Reisen in diesem Jahr hinzukommt.»

Für die laufende Wintersaison zeichnet sich allerdings noch keine Trendwende ab: Der Umsatz liegt mehr als 70 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraum. Es gibt derzeit nur wenig Reiseziele ohne Einreisebeschränkungen oder Quarantäne nach der Rückkehr.

Für das wichtige Sommergeschäft 2021 gibt es Fiebig zufolge erste Hoffnungsschimmer. Nach jüngsten Impfstoff-Ankündigungen stiegen die Neubuchungen derzeit deutlich – allerdings auf niedrigem Niveau. Einer aktuellen DRV-Umfrage zufolge rechnet die Hälfte der Unternehmen damit, dass das Geschäft im Sommer wieder anläuft.

Das Geschäft der Branche war aufgrund von Reisewarnungen und damit verbundener Absagen schon gebuchter Trips nahezu zum Erliegen gekommen. Nach Schätzungen des Verbandes verzeichneten Reisebüros und Veranstalter einen drastischen Umsatzeinbruch von 80 Prozent im Kalenderjahr 2020. Reisewarnungen, Quarantäneverordnungen und Appelle der Politik gänzlich auf Reisen zu verzichten, hätten die Branche begleitet und Unternehmen wie Reisende zunehmend verunsichert, sagte Fiebig. «Wie das Geschäft wieder anläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Impfstoff, kluge Teststrategie, Konjunkturentwicklung und Konsumlaune». Die Wertschätzung für Reisen sei durch die Pandemie gestiegen.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Für 80 Prozent der Unternehmen in der Reisewirtschaft seien die Überbrückungshilfen III überlebenswichtig, um über den Winter zu kommen, berichtete Fiebig. Dabei werden vor allem fixe Betriebskosten erstattet, unter anderem Mieten und Pachten. Die Hilfen gelten von Januar bis zum Sommer 2021.

Angesichts des Geschäftseinbruchs beantragten dem DRV zufolge in diesem Jahr jeweils 80 Prozent der Reisebüros und der Veranstalter Kurzarbeit. Sie sehen diese Notwendigkeit auch für das kommende Jahr. Rund zwei Drittel der Büros und Veranstalter mussten Fiebig zufolge bereits Personal entlassen oder müssen es voraussichtlich tun. «Wir müssen aufpassen, dass wir unsere sehr gut ausgebildeten Fachkräfte durch diese Pandemie nicht an andere Branchen verlieren», warnte der DRV-Präsident. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Meta hat mit Muse einen persönlichen KI-Agenten gestartet, der in den USA unter anderem Reisen suchen und buchen kann. Für Flüge greift Muse über Duffel auf Angebote von mehr als 500 Fluggesellschaften zu, während Hotels bislang über den offenen Internetzugang gesucht werden.

Acht Schiffe sind bei den Kreuzfahrt Guide Awards 2026 ausgezeichnet worden. Der Sonderpreis geht an die Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises. Mehr als 100 Vertreter der Kreuzfahrtbranche kamen zur Preisverleihung in den Altonaer Kaispeicher.

Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im Juli 2026 58,4 Millionen Übernachtungen verbucht. Das waren 3,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch von Januar bis Juli lagen die Übernachtungszahlen über dem Vorjahresniveau.

In Schweden sorgt eine Hütte mit Lärm-Limit für Aufsehen. Die PR-Aktion von Touristikern will auf die Dauerbeschallung des Alltags aufmerksam machen. Ist ruhiges Reisen der Schlüssel zum Abschalten?

Weniger USA-Reisen: In Deutschland und der Schweiz gehen die Buchungen deutlich zurück. An welcher Stelle die USA bei den beliebtesten Fernreisezielen in diesem Jahr voraussichtlich stehen werden.

Zum Oktoberfest erwartet die Bahn pro Tag etwa 100.000 Fahrgäste zusätzlich in München. Doch am Hauptbahnhof herrscht wegen Bauarbeiten ohnehin Platzmangel. Wie dieses Problem gelöst werden soll.

Der deutsche Sommer fand bei Airbnb vor allem in der Natur statt: Mehr als zwei Drittel (67,9 Prozent) der Buchungen in Deutschland entfielen im Sommer 2026 auf ländliche Regionen.

München führt ein Ranking von Fit Reisen zu 177 deutschen Reisezielen an. Auffällig schneiden mehrere kleinere Orte ab: Rottach-Egern und Ofterschwang erreichen die Plätze drei und vier, Bergisch Gladbach und Deidesheim folgen auf den Rängen fünf und sechs.

Die Züge der Deutschen Bahn waren im August zwar etwas pünktlicher unterwegs als zuletzt. Doch wetterbedingte Störungen bei Anlagen führten erneut zu erheblichen Verzögerungen für Fahrgäste.

Im Strandkorb über Sorgen sprechen, beim Spaziergang neue Gedanken fassen: Wie die Tourismusseelsorge Urlauber dabei unterstützen will, die Maske des Alltags abzulegen. Eine Sommerbilanz.