«Sabine» stürmt über Deutschland und lähmt Verkehr

| Tourismus Tourismus

Das seit längerem angekündigte Sturmtief «Sabine» hat am Sonntag Deutschland erreicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnete am frühen Abend im Westen und Nordwesten schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von 90 bis 100 km/h, vereinzelt sogar orkanartige Böen von 100 bis 115 km/h, wie die Meteorologen auf Twitter schrieben. Für weite Teile Deutschlands galt die zweithöchste Unwetterwarnstufe, in einigen Regionen Baden-Württembergs und Bayerns die höchste. Die Bahn entschied sich, «beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen», wie sie in einem eigens für den Sturm eingerichteten Presse-Blog schrieb. Auch der Luftverkehr war stark beeinträchtigt.

Am Montag fällt an vielen deutschen Schulen der Unterricht aus, etwa in vielen Großstädten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sowie in Teilen Hessens und Bayerns. In Baden-Württemberg können Eltern ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen, falls es Gefahren auf dem Schulweg gibt.

Das Sturmtief sollte die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Die stärksten Böen wurden mit einer Kaltfront erwartet, die zuerst ab etwa 21 Uhr am Sonntagabend den Nordwesten Deutschlands erreichen sollte und auch einzelne Gewitter mit sich bringen könnte, wie Meteorologe Marcus Beyer in einem am späten Sonntagnachmittag auf Youtube veröffentlichten DWD-Video sagte. Bis Montagmorgen soll die Kaltfront Süddeutschland erreichen.

Durch das Unwetter könnten laut DWD Bäume entwurzelt werden und Dachziegel auf die Straße fliegen. Auch größere Schäden an Gebäuden könne es geben. «Sabine» ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie «Kyrill» (2007) oder «Lothar» (1999) werde «Sabine» nicht.

Wegen des aufziehenden Orkans strichen Flughäfen wie Frankfurt/Main, Düsseldorf, München, Berlin-Tegel, Köln/Bonn, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen Dutzende Starts und Landungen. Auch am Amsterdamer Flughafen Schiphol fiel viel aus.

Die Deutsche Bahn hatte schon vorsorglich den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen angekündigt. Die wichtigen Hauptstrecken waren aber bis Sonntagnachmittag frei, wie die Bahn in ihrem Presse-Blog berichtete. Am frühen Abend hieß es dann, der Fernverkehr werde bundesweit eingestellt. Reisenden wurde geraten, ihre Verbindung vor Fahrtantritt in der Reiseauskunft auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu prüfen.

Gestrandete Bahnreisende sollen im Rahmen ihrer Fahrgastrechte Hotelgutscheine und Taxigutscheine erhalten. In größeren Bahnhöfen sollen zudem sogenannte Übernachtungszüge bereitgestellt werden, wie DB-Konzernsprecher Achim Stauß im Berliner Hauptbahnhof sagte. Bundesweit seien mehrere Tausend Bahnmitarbeiter zusätzlich im Einsatz.

Etliche Fährverbindungen zu den Nordseeinseln wurden eingestellt. Und auch Fußballspiele fielen aus, etwa das rheinische Bundesliga-Derby Mönchengladbach gegen Köln. Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. Im westfälischen Halle wurde ein Konzert der Schlagersängerin Andrea Berg abgesagt. Die Klassik Stiftung Weimar warnte vor dem Besuch ihrer historischen Park- und Gartenanlagen. Es bestehe die Gefahr, dass Äste von teils mehr als 200 Jahre alten Bäume abbrechen oder Bäume umstürzen.

In Großbritannien und Irland, wo «Sabine» den Namen «Ciara» trägt, kam es zu erheblichen Schäden. Hier wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde gemessen. Mehrere Flüsse traten wegen der starken Regenfälle über die Ufer. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Schienen. Zahlreiche Zugverbindungen und Flüge wurden gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Zehntausende Haushalte in Großbritannien und Irland hatten vorübergehend keinen Strom.

Zunächst war der Sturm auch noch Spaß: Winddicht eingepackt stemmten sich in St. Peter-Ording an der Nordsee (Schleswig-Holstein) zahlreiche Eltern mit ihren Kindern sowie Hundehalter mit ihren Vierbeinern gegen die Böen. Auch Kite-Surfer nutzten den heftigen Wind.

Auch in anderen europäischen Ländern gab es Vorkehrungen. Der französische Wetterdienst rief mehr als 40 Départements im Nordosten des Landes zu erhöhter Alarmbereitschaft auf. An der nordwestlichen Küste Frankreichs wurde zudem vor Überschwemmungen gewarnt. In Belgien kam es zu Verkehrsbehinderungen durch auf Bäume gestürzte Straßen. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren.

Der Fußballverband KNVB sagte für Sonntag alle Spiele der Profiligen ab. In England wurde die für Sonntag angesetzte Partie zwischen Meister Manchester City und West Ham United angesichts der Gefahren verschoben. Die Queen verzichtete auf ihren Gottesdienstbesuch, um Schaulustige nicht zu gefährden.

Von Gregor Tholl und Michael Kieffer, dpa


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Berichte: China reist nicht zur ITB

Vom 4. bis zum 8. März 2020 werden 10.000 Aussteller aus über 180 Ländern auf der internationalen Tourismusbörse ITB erwartet. Aussteller aus China, Hongkong und Macau haben ihre Teilnahme allerdings abgesagt. Das Coronavirus hat ihre Messepläne durchkreuzt.

Angesagt bei Familien: Urlaub in Deutschland

Urlaub im eigenen Land ist angesagt. Für den kommenden Sommer liegen die TUI-Buchungen bereits 15 Prozent über dem Vorjahr. Grund genug für den Touristikkonzern, das Angebot im Heimatmarkt weiter auszubauen. Mit rund 2.300 Hotel gibt es das größte Angebot aller Zeiten im Land.

Infos für Besucher der Reisemesse ITB

Die ITB in Berlin ist die größte und wichtigste Reisemesse der Welt. In diesem Jahr werden vom 4. bis 8. März rund 10 000 Aussteller aus mehr als 180 Ländern in den Messehallen rund um den Funkturm erwartet. Fachbesucher diskutieren von Mittwoch bis Freitag über wichtige Themen der Tourismusbranche.

Deutsche Bahn meldet eine Million mehr Fahrgäste allein im Januar

Bahnfahren wird nach Angaben von DB-Chef Richard Lutz für immer mehr Kunden attraktiver. Allein im Januar seien über eine Million mehr Menschen auf die Fernverkehrszüge der DB umgestiegen als im Vorjahresmonat.

Für eine Million US-Dollar Raffles Maldives Meradhoo als exklusive Privatinsel mieten

Von Richard Branson mit Necker Island bis zu Steven Spielbergs Inseln im portugiesischen Madeira-Archipel, sind Privatinseln in der Regel nur den Milliardären vorbehalten. Mit „You Run Raffles Maldives” haben Reisende nun für „nur“ eine Million US-Dollar die Gelegenheit, das Resort exklusiv für sich und bis zu 70 Gäste zu mieten.

Kreuzfahrtbranche erwartet Wachstum trotz Virus-Ausbreitung

Der Kreuzfahrt-Tourismus in Asien ist vom Ausbruch der Krankheit Covid-19 stark betroffen. Doch die Branche erwartet keinen nachhaltigen negativen Einfluss auf ihr langfristiges Geschäft.

Unsichere politische Lage bremst Wirtschaft aus – Geschäftsreisen besonders betroffen

Ob Ausschreitungen, Kriege oder Handelskonflikte: Die geopolitische Lage beunruhigt die Wirtschaft. Vier von fünf Unternehmen sehen große Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Situation. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung von AirPlus International.

Aida beendet Asiensaison wegen Coronavirus: Was heißt das für Kreuzfahrturlauber?

Das Coronavirus sorgt nicht nur im Luftverkehr, sondern auch bei Kreuzfahrten für Einschränkungen. Jüngstes Beispiel ist Aida Cruises: Die Reederei sagt wegen des Virus seine noch bis April geplanten Asienfahrten ab und will ein Alternativprogramm anbieten.

Flixbus will von Berlin nach Estland fahren

Das Streckennetz von Flixbus soll weiter wachsen: Der deutsche Fernbus-Martkführer will in Ost- und Westeuropa bald neue Verbindungen in die estnische Hauptstadt Tallinn eröffnen. Losgehen soll es schon in der ersten Jahreshälfte.

Kein Strand, keine Touristen? Sturmfluten fordern Wangerooge heraus

Plötzlich ist der Traumstrand weg. Fünf Sturmfluten nacheinander durch Sturmtief «Sabine» tragen auf Wangerooge Zehntausende Tonnen Sand davon. Bis die Touristen im Sommer kommen, muss das Ferienidyll aus dem Prospekt wieder hergestellt sein.