Schutzgebiet wird 40: Wie wirkt der Nationalpark Wattenmeer?

| Tourismus Tourismus

Er reicht vom Dollart im Westen bis zur Elbmündung im Osten: In diesem Jahr besteht der größte Nationalpark Niedersachsens, der Nationalpark Wattenmeer, seit 40 Jahren. Mit einem Festakt und rund 250 Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft hat Niedersachsen das runde Jubiläum am Freitag in Wilhelmshaven gefeiert. 

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte in seiner Rede, es sei 1986 eine «mutige Entscheidung» gewesen, den Nationalpark für diesen einzigartigen Naturraum einzurichten. «Es war eine Antwort auf die Bedrängnis der Zeit.» Damals hätten Umweltverschmutzungen, verunreinigte Strände und ein übermäßiger Nährstoffeintrag das Wattenmeer geprägt. 

Ein Unesco-Weltnaturerbe

Die Landesregierung hatte den Nationalpark per Verordnung ausgewiesen. Am 1. Januar 1986 trat sie in Kraft. Dass das Gebiet unter Schutz gestellt wurde, war laut Landesregierung später auch eine Voraussetzung für die Auszeichnung 2009 als Unesco-Weltnaturerbe des deutsch-dänisch-niederländischen Wattenmeers. Es steht damit nun auf einer Liste mit dem Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste und dem Grand Canyon in den USA. 

Lies erinnerte daran, dass es in vier Jahrzehnten auch große Debatten und Konflikte gegeben habe - etwa beim Küstenschutz. «Es gab immer am Ende Lösungen, mit denen alle leben konnten», sagte Lies. Es sei ein Erfolg des Nationalparks, Schutz und Nutzung miteinander in Einklang zu bringen. Niedersachsen könne heute stolz sein auf seinen Nationalpark und die Auszeichnung als Unesco-Weltnaturerbe. 

Droht der Verlust des Weltnaturerbe-Titels?

Nun gehe es darum, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. «Wir haben die Aufgabe, dass Niedersachsen sein Wattenmeer, sein Weltnaturerbe gut bewahrt», sagte der Ministerpräsident. 

Aus Sicht von Umweltschützern sind die Erfolge des Schutzgebietes der vergangenen Jahrzehnte kein Grund, sich auszuruhen. BUND, WWF und Umwelthilfe sehen mit Sorge, dass der Nutzungsdruck durch neue Offshore-Windparks, Kabeltrassen, Gasbohrungen, LNG-Terminals und Schifffahrt auf die Nordsee steigt – und damit auch auf das sensible Ökosystem. Sie fordern daher die Landesregierung auf, das Wattenmeer entschiedener zu schützen. 

Susanne Gerstner, BUND-Landesvorsitzende, sieht wegen der Übernutzung die Existenz des Wattenmeers in Gefahr – etwa durch die neuen Bohrungen nach Erdgas vor der Insel Borkum nahe dem Nationalpark. «Das würde massive Eingriffe in das ohnehin stark belastete Ökosystem bedeuten – durch neue Infrastruktur, Lärm, Schadstoffe, Absenkung des Meeresbodens und zusätzliche Treibhausgasemissionen», sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Welterbe-Kommission der Unesco hatte zuletzt wiederholt deutlich gemacht, dass es nicht mit dem Welterbestatus des Wattenmeers vereinbar sei, Rohstoffe wie Öl, Erdgas und Salz am Rande des Gebiets oder sogar innerhalb des Wattenmeers zu fördern. Umweltschützer fürchten daher, dass der Welterbe-Titel auch wegen der Gas-Pläne vor Borkum in Gefahr sein könnte. 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Frankreich bleibt das meistbesuchte Urlaubsziel der Welt: 102 Millionen internationale Gäste sorgten 2025 für Rekordeinnahmen – doch beim Umsatz liegt ein Nachbarland vorn.

Trotz fehlender Großevents wie der Fußball-EM: Die Zahl der Gäste in Baden-Württemberg erreicht ein Rekordhoch. Die meisten Touristen im Südwesten kommen weiterhin aus Deutschland. Welche Rolle spielen Übernachtungen?

Absicherungen und 24-Stunden-Hotlines: Reiseveranstalter reagieren auf Pläne zu verschärften Einreisekontrollen. Obwohl die Details noch gar nicht feststehen, sind Touristen verunsichert. Zurecht?

In welchen deutschen Küstenregionen verbringen Urlauber am liebsten eine Auszeit? Schleswig-Holsteins Küsten liegen in der Reise-Gunst deutlich vorn. Doch es gibt etwas Bewegung bei den Marktanteilen.

Der HelloSafe Safety Index 2026 zeigt ein klares Bild der globalen Sicherheitslage: Europa bleibt die stabilste Region für den Tourismus, angeführt von Island und der Schweiz. Deutschland und Österreich sichern sich Plätze in den Top 15.

Eine aktuelle Postbank-Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen 2026 verreisen wollen, obwohl gestiegene Lebenshaltungskosten viele zum Sparen zwingen. Die Finanzierung erfolgt dabei überwiegend aus Ersparnissen, während Bargeld das bevorzugte Zahlungsmittel bleibt.

Eine aktuelle Analyse der Google-Maps-Bewertungen zeigt, welche europäischen Städte bei Touristen besonders hoch im Kurs stehen. Während Dresden das deutsche Ranking anführt, dominieren osteuropäische Städte wie Plowdiw und Prag den internationalen Vergleich.

Ein Spaziergang auf der zugefrorenen Ostsee, ein von Eis umschlossener Leuchtturm: Die extreme Kälte hat in diesem Jahr für eine ganz besondere Küstenkulisse gesorgt. Zieht das auch mehr Gäste an?

Eine YouGov-Studie im Auftrag des BTW belegt eine stabile Reiselust der Deutschen für 2026. Während klassische Urlaubsformen wie Bade- und Städtereisen dominieren, zeigt sich bei jüngeren Zielgruppen ein wachsendes Interesse an der Kombination von Arbeit und Urlaub. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist das entscheidende Kriterium bei der Buchung.

Tui überrascht zum Winteranfang mit starken Zahlen – und denkt um. Der Reisekonzern will wieder stärker ins Geschäft mit günstigen Pauschalreisen einsteigen. Geplant ist eine neue Marke.