Tourismusprojekt am Berg Sinai sorgt für Kontroverse

| Tourismus Tourismus

Ein staatlich gefördertes Tourismus-Megaprojekt am Berg Sinai sorgt für Spannungen. Geplant ist der Bau von Luxushotels, Villen und Einkaufsmöglichkeiten in einem Gebiet, das als eine der heiligsten Stätten für Juden, Christen und Muslime gilt. Die Entwicklung trifft auf Kritik von Umweltschützern, lokalen Gemeinden und der griechisch-orthodoxen Kirche.

Bedenken der lokalen Bedouin-Gemeinschaft

Das Gebiet um den Berg Sinai ist Heimat des indigenen Beduinenstammes der Jebeleya, der sich selbst als „Wächter der Heiligen Katharina“ bezeichnet. Laut Berichten wurden ihre Häuser und Ökotourismus-Camps für das Projekt abgerissen. Grabstätten wurden verlegt, um Platz für einen neuen Parkplatz zu schaffen.

Ben Hoffler, ein britischer Reiseschriftsteller, der eng mit den Stämmen des Sinai zusammenarbeitet, beschreibt die Situation als eine von oben verordnete Entwicklung, die gegen den Willen der lokalen Gemeinschaft durchgesetzt wird. „Das ist keine Entwicklung, wie die Jebeleya sie sehen oder gefordert haben, sondern so sieht es aus, wenn es von oben herab durchgesetzt wird, um den Interessen von Außenstehenden über denen der lokalen Gemeinschaft zu dienen“, so Hoffler. Er fügt hinzu, dass die Beduinen einen „neuen städtischen Welt“ um sich herum gebaut bekommen, „zu deren Bau sie nicht zugestimmt haben und die ihren Platz in ihrer Heimat für immer verändern wird“.

Griechisch-orthodoxe Kirche und UN-Gremien äußern Kritik

Das St.-Katharinen-Kloster aus dem 6. Jahrhundert, das von der griechisch-orthodoxen Kirche geführt wird, liegt ebenfalls in diesem Gebiet. Ein ägyptisches Gerichtsurteil, das das Klosterland als Staatsbesitz erklärte, führte zu diplomatischen Spannungen zwischen Athen und Kairo. Der Erzbischof Ieronymos II. von Athen bezeichnete das Urteil als „ein existenzielle Bedrohung“ für die Stätte. Trotz einer diplomatischen Einigung, die den Schutz der Identität des Klosters sicherstellen soll, bleibt das umstrittene Urteil bestehen.

Die UNESCO, die das Gebiet als Weltkulturerbe ausgewiesen hat, äußerte bereits 2023 Bedenken und forderte Ägypten auf, die Entwicklungen zu stoppen und einen Schutzplan vorzulegen. Diese Aufforderung wurde bisher nicht umgesetzt. Inzwischen fordern Aktivisten von World Heritage Watch, dass die Stätte auf die Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten gesetzt wird.

Ägyptische Regierung sieht Tourismus als Wirtschaftsmotor

Die ägyptische Regierung bezeichnet das Projekt als „Geschenk Ägyptens an die ganze Welt und an alle Religionen“. Das Ziel ist es, den Tourismussektor zu stärken, um die nationale Wirtschaft wiederzubeleben. Laut Wohnungsbauminister Sherif el-Sherbiny soll das Projekt „alle touristischen und Freizeitdienste für Besucher bereitstellen“ und gleichzeitig den „Umwelt-, visuellen und kulturellen Charakter der unberührten Natur“ bewahren.

Das Megaprojekt ist Teil einer Reihe von ambitionierten Plänen der Regierung, um bis 2028 30 Millionen Besucher jährlich zu erreichen. Ähnliche Entwicklungen wie die des Roten Meeres in den 1980er Jahren führten bereits in der Vergangenheit dazu, dass die lokalen Beduinengemeinschaften aus ihren traditionellen Gebieten verdrängt wurden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ein Ausblick auf den Tourismus im Jahr 2126 zeigt eine Branche im radikalen Umbruch. Von der KI-gesteuerten Reiseplanung über Biohacking zur Lebensverlängerung bis hin zu orbitalen Hotelanlagen könnten technologische Innovationen das Reisen in 100 Jahren grundlegend neu definieren.

Die Nordsee Schleswig-Holstein blickt auf ein ereignisreiches Tourismusjahr 2026. Neben ökologischen Schwerpunkten im Nationalpark und großen Jubiläen in Helgoland und St. Peter-Ording ergänzen neue Infrastrukturprojekte das Angebot.

Im Oberen Mittelrheintal werden bis 2027 zehn neue Wanderwege unter der Marke Loreley Spuren ausgeschildert. Das Projekt umfasst Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zwischen Braubach und Kaub, die sich an den Qualitätsstandards des Deutschen Wanderverbandes orientieren.

Die Lüneburger Heide schlägt einer Untersuchung zufolge beim Bekanntheitswert aus Niedersachsen sogar Volkswagen. Das geht aus einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Tourismusexperten jubeln.

Das neue ÖHV-Urlaubsradar prognostiziert eine steigende Reisebereitschaft für die Semesterferien. Dabei steht der Heimaturlaub im Fokus: Fast 80 Prozent der Reisenden planen einen Aufenthalt in Österreich, wobei Salzburg und Tirol die beliebtesten Bundesländer bleiben.

Ab Ende Februar wird es ernst: Ohne ETA gibt’s keinen Zutritt zu Flugzeugen und Zügen nach Großbritannien. Was es zu beachten gibt und mit wie viel Vorlauf man den Antrag stellen sollte.

Früh aufstehen, statt den letzten Urlaubstag am Pool ausklingen zu lassen? Wenn der Rückflug vom Abend in den Morgen vorverlegt wird, ist das frustrierend. Aber immerhin kann es Geld zurückgeben.

Während andere Flughäfen boomen, hinken die ostdeutschen Airports dem Vorkrisenniveau hinterher. Woran das liegt - und was das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt als zentrale Hürden nennt.

Bali lockt jedes Jahr Millionen Urlauber. Verkehrschaos, Müll und schlechtes Benehmen bereiten Ärger. Nun sollen Finanznachweise und strengere Einreiseregeln Abhilfe schaffen. Aber wie?

Die PiNCAMP Awards 2026 würdigen wegweisende Betriebe und Persönlichkeiten der europäischen Campingwirtschaft. Im Rahmen einer Gala in Stuttgart wurden Gewinner aus den Niederlanden, Italien und Spanien für ihre Konzepte in den Bereichen Nachhaltigkeit, Innovation und Mietunterkünfte geehrt.